Kinderpornos während Therapie: Aargauer Pfarrer blitzt vor Bundesgericht ab

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T.H. ist im Aargau aufgewachsen und war hier in sechs reformierten Kirchgemeinden als Pfarrer tätig. (Symbolbild) © Keystone

Als Pfarrer T.H. vor elf Jahren seine Antrittsrede in einer Toggenburger Kirchgemeinde hielt, scherzte er über seine schnelle Internetverbindung. Das Lachen wäre seinen Schäfchen im Halse stecken geblieben, hätten sie gewusst, was ihr neuer Seelsorger im Web so treibt: «Seit seinem Zugang zum Internet im Jahr 2000 hat er zwanghaft und exzessiv (Kinder-)Pornografie konsumiert, verbreitet und darüber gechattet, teilweise bis zu acht Stunden täglich.» So steht es in einem neuen Bundesgerichtsurteil. Weder seine Heirat, noch eine Gruppentherapie, noch Strafverfahren in drei Kantonen hätten ihn für längere Zeit vom Konsum illegaler Pornografie abgehalten. Er habe deshalb mehrfach seine Arbeitsstelle als Pfarrer verloren und seine Ehe sei gescheitert.

T.H. ist im Aargau aufgewachsen und war hier in sechs reformierten Kirchgemeinden als Pfarrer tätig. Immer als Stellvertreter; meistens nur für ein paar Monate, einmal drei Jahre. Auch in den Kantonen Bern und St.Gallen arbeitete der Theologe als Seelsorger.

Im Toggenburg hätte T.H. dauerhaft bleiben sollen – er war aber nach zwei Jahren wieder weg. Ob der Abgang im Zusammenhang mit seinen Delikten stand, ist unklar. Fakt ist: Im März 2013 verurteilte ihn das Kreisgericht Toggenburg wegen seines Kinderpornokonsums zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten, aufgeschoben zu Gunsten einer ambulanten therapeutischen Behandlung. Diese wurde dreieinhalb Jahre später vom Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St.Gallen wieder aufgehoben. Der Therapeut hatte grosse Erfolge festgestellt bei seinem Klienten, den er als «durchgehend pünktlich und sehr motiviert» beschrieb.

Er konsumierte während der Therapie Kinder- und Tierpornos

Was dieser nicht wusste: Während der gesamten Dauer der ambulanten Therapie beging T.H. weitere Straftaten. Das rief schliesslich die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau auf den Plan. Auf dem Computer des Pfarrers fand man tier- und kinderpornografisches Foto- und Textmaterial, hundertfach. Ein Bild – ein minderjähriger Junge bei einem sexuellen Akt mit einem Mann – hatte T.H. auf eine Internetplattform hochgeladen. Vor Gericht versuchte er sich damit zu verteidigen, dass er davon ausgegangen sei, es sei eine junge Frau; homosexuelle Praktiken lehne er ab.

Im Urteil des Bezirksgerichts Aarau vom März 2018 ist von einer «grossen Unverfrorenheit» des Beschuldigten die Rede, die «einschlägigen Vorstrafen» hätten ihn offenbar nicht beeindruckt. Das Gericht verurteilte T.H. zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten. Auch diese wurde zu Gunsten einer psychiatrischen Behandlung aufgeschoben, dieses Mal allerdings stationär.

Als dieses Urteil fiel, war T.H. längst wieder in einem Massnahmenzentrum in der Ostschweiz untergebracht, wo er auch therapiert wird. Dort zeigte er erneut eine manipulative, dreiste Seite: Im Oktober 2018 verfasste er einen Brief an ein 15 Jahre altes Mädchen, das er offenbar kannte. Vordergründig tat er gegenüber seinem Therapeuten so, als würde er den Kontakt abbrechen wollen. Hintenrum verfasste er einen Brief mit explizit sexuellem Inhalt, der glücklicherweise nicht an die Adressatin gelangte, weil er im Massnahmenzentrum im Postausgang abgefangen wurde. Das brachte T.H. einen Strafbefehl des Untersuchungsamtes Gossau ein.

Er will seine Freilassung vor Gericht durchsetzen

Aus den psychiatrischen Gutachten geht hervor, dass T.H. in der Kindheit und Jugend nicht auffällig gewesen war und auch keine pädophilen Neigungen entwickelt hatte. Diese seien erst im Laufe der Jahre aufgekommen, als Beziehungen zu gleichaltrigen Frauen scheiterten. Er habe «das ursprünglich vorhandene sexuelle Interesse an erwachsenen Frauen aufgrund interaktioneller Probleme nicht ausleben können». Deshalb hätten sich «seine Bedürfnisse auf eine leichter erhältliche Zielgruppe – Kinder – verschoben», steht in den Gutachten.

Seit knapp einem Jahr versucht der Pfarrer nun, gerichtlich seine sofortige Freilassung durchzusetzen. Die stationäre Massnahme dauert inzwischen länger als die verhängte Gefängnisstrafe. Erst kürzlich scheiterte er jedoch vor Bundesgericht. Die bisherigen Therapiefortschritte seien ungenügend; die Gerichte beurteilen das Rückfallrisiko – gestützt auf Gutachten und Verlaufsberichte – als «unverändert hoch». Es fehlt dem Pfarrer offenbar auch an Einsicht: Er argumentierte vor Bundesgericht damit, dass er nur sogenannte «Hands-off»-Delikte verübt und nie ein Kind angefasst habe. Die Gerichte halten dagegen: Dem Kinderpornokonsum des Pfarrers lägen tatsächliche Handlungen an betroffenen Kindern zugrunde, die dadurch «beträchtliches Leid» erlitten und «Schaden in ihrer sexuellen Integrität genommen hätten». Diesen Missbrauch habe der Pfarrer als Konsument «über viele Jahre im grossen Stil gefördert».

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