Ein Juni ohne Turnfest oder von Hundert auf Null in zwölf Monaten

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Eine Gymnastik-Darbietung des TV Brittnau an einem Turnfest wie hier beim «Eidgenössischen» 2019 in Aarau wird es dieses Jahr wegen der Coronakrise nicht geben. (Bild: zvg)

Grösser könnte der Kontrast nicht sein: Vor einem Jahr stand das Eidgenössische Turnfest, der grösste Breitensportanlass der Schweiz, vor der Tür. Bis zu 69000 Turnerinnen und Turner und 200000 Zuschauerinnen und Zuschauer besuchten zwischen dem 13. und 23. Juni 2019 das Festgelände im Schachen in Aarau.

Knapp 365 Tage später muss sich die Turnfamilie mit den Erinnerungen an das Aarauer Spektakel begnügen. Wegen der Coronakrise wurde die diesjährige Turnfestsaison bereits im Frühling abgesagt. «Von Hundert auf Null», beschreibt Daniel Meier, Präsident der Männerriege Holziken, die momentane Stimmungslage. In seinem Verein trage man den ausbleibenden Höhepunkt mit Fassung. «Ändern können wir sowieso nichts daran», sagt Meier. «Nur ein Turner meinte, es sei das erste Mal seit 30 Jahren, dass er jetzt nicht an einem Turnfest dabei sein kann.»

Normalerweise befände sich die Männerriege Holziken im Endspurt mit ihrer Vorbereitung auf den Start beim Kreisturnfest in Zofingen. Dieses wäre ursprünglich vom 11. bis 14. Juni über die Bühne gegangen, findet Corona-bedingt aber erst vom 10. bis 13. Juni 2021 statt. Stattdessen unternahmen die Holziker Männer seit Mitte Mai jeden Mittwoch eine Biketour. «Die Route war manchmal länger, manchmal kürzer», sagt Daniel Meier. Am Anfang seien nur fünf Turner dabei gewesen, «danach fuhren immer mehr mit.»

Weil der Altersdurchschnitt der Männerriege Holziken bei knapp über 50 Jahren liegt, zählen innerhalb des Vereins nur wenige Personen als über 65-Jährige zur Corona-Risikogruppe. «Wir sind eine sehr junge Männerriege. Jene Turner, die älter sind, nehmen nicht mehr gross aktiv am Geschehen teil», sagt Meier. Ob die Männerriege Holziken die heute in Kraft tretenden Lockerungen nutzt, um bereits vor den Sommerferien in die Turnhalle zurückzukehren, will Daniel Meier mit den Leitern besprechen. «Ansonsten lassen wir es sein und machen diesen Schritt erst im Herbst», sagt er.

Freiwilliges Online-Training als «einfachere» Alternative
Auf ein Training in den letzten Wochen verzichtet hat der Turnverein Brittnau. «Wir liessen es sein, weil alle Turnfeste abgesagt und die Turnhallen gesperrt sind», begründet die Technische Leiterin Steffi Arn den Entscheid. Ausserdem erachteten die TVB-Verantwortlichen die Umsetzung der seit 11. Mai geltenden Schutzmassnahmen als zu aufwändig. «Wir hätten ständig kontrollieren müssen, ob der Abstand eingehalten wird und nicht zu viel Leute vor Ort sind. Das war uns zu kompliziert und hätte sich deshalb nicht gelohnt», so Arn weiter.

Als Alternative organisierten divese Mitglieder für ihre Riege ein freiwilliges Onlinetraining. Im Fokus standen Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer, um das Defizit bei der Muskelmasse in Grenzen zu halten. «Wenn man nach dem Verlust der Grundkraft ans Gerät zurückkehrt, ist das Turnen viel schwieriger als für jemanden, der fit geblieben ist», sagt Arn.

Sie gesteht aber, dass es für viele Mitglieder eine Herausforderung gewesen sei, sich über eine solch lange Zeit zu motivieren. Somit käme die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs in der nächsten Woche zum richtigen Zeitpunkt – sofern das Schutzkonzept von der Gemeinde genehmigt wird. Geplant ist ein langsamer Einstieg inklusive Aufbau, um keine bösen Überraschungen zu erleben. «Wir wollen nicht mit Vollgas loslegen, sonst sind Verletzungen vorprogrammiert», sagt Arn und betont: «Eine längere Pause will jetzt niemand.»

Die Enttäuschung über die abgesagte Turnfest-Saison – der TV Brittnau wäre in Zofingen im Einsatz gestanden – hat sich inzwischen gelegt. «Am Anfang waren wir guten Mutes, dass die Krise nicht so lange dauert und das Turnfest stattfindet», sagt Steffi Arn. Danach habe man eingesehen, dass es nichts wird mit dem Höhepunkt. «So schade das ist, der Entscheid ist sicher vernünftig. Wir freuen uns nun umso mehr auf das Turnfest im nächsten Jahr.»

Der Lohn für die intensive Arbeit lässt auf sich warten
Beim Eidgenössischen Turnfest in Aarau sorgte der STV Roggliswil in der ersten Stärkeklasse für Furore. Die Luzerner schlossen den dreiteiligen Vereinswettkampf mit der Note 29,26 auf Rang sieben ab und landeten mitten in der nationalen Spitze. Nur zu gerne hätten die Roggliswiler ihre Klasse beim Kreisturnfest Zofingen und den ebenfalls abgesagten Schweizer Vereins-Meisterschaften im September unter Beweis gestellt. «Der Frust ist  schon gross, schliesslich haben wir letzten Herbst und im Winter viel investiert», sagt Corinne Schwizer, Technische Leiterin der Aktiven. «Wir wollten unser neues Programm zeigen und sehen, wie es bei den Leuten ankommt», sagt sie.

Die Zwangspause sei auch aus gesellschaftlicher Sicht nicht einfach gewesen. «Man sieht sich jede Woche im Training und hat es lustig. Das war diesen Frühling nicht möglich», sagt Schwizer. Dank den jüngsten Lockerungen will der STV Roggliswil bald auf den Turnplatz zurückkehren. Wegen der fehlenden Wettkämpfe soll im Training der polysportive und gesellschaftliche Aspekt im Vordergrund stehen. «Es wird aber nicht so intensiv, wie das vor einem Turnfest der Fall wäre», sagt Schwizer.

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