Umfrage bestätigt: Luzerner Stadtbevölkerung wünscht keine Zunahme der Touristenströme

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Die Touristenstadt Luzern ist zurzeit ziemlich unbelebt. Bild: Marc Benedetti

In der Luzerner Altstadt gibt es nach Ansicht der Stadtbevölkerung zu viele Touristen. Vor allem Gäste aus Asien sowie der Cartourismus stossen auf Skepsis. Gleichzeitig sind sich die Luzerner bewusst, dass der Fremdenverkehr für Luzern sehr wichtig ist.

Dies hat eine repräsentative Bevölkerungsbefragung ergeben, die die Hochschule Luzern im Auftrag der Stadt Luzern durchgeführt hat. Der Stadtrat will die Ergebnisse in seine Tourismuspolitik aufnehmen.

Namentlich geht es dabei um die «Vision Tourismus Luzern 2030» und um das künftige Carregime, die aufzeigen sollen, wie sich der Fremdenverkehr in Luzern entwickeln solle. Die Bevölkerungsbefragung sei ein Element der Analyse, sagte Stadträtin Franziska Bitzi-Staub (CVP) an einer Medienorientierung. Es sei deswegen noch zu früh, Schlussfolgerungen zu ziehen.

Zusammengefasst zeige die Befragung, dass die Stadtbevölkerung den Tourismus grundsätzlich positiv einschätze, teilte die Stadt mit. Viele Aspekte des Fremdenverkehrs würden aber kritisch beurteilt. So werde die Verteilung des Nutzens und der Kosten hinterfragt, besonders was die weitere Entwicklung betreffe.

Wirtschaftliche Bedeutung wird anerkannt

87 Prozent der Befragten gaben an, dass der Tourismus eine grosse Bedeutung habe, 63 Prozent schätzen ihn als positiv ein. Anerkannt wird namentlich die wirtschaftliche Bedeutung. Bei den kritischen Aspekten des Tourismus schwingt bei 70 Prozent die Meinung obenaus, dass er zu Verkehrsproblemen führe.

Aus Sicht von 79 Prozent der Befragten ist die Zahl der Touristen in der Altstadt zu gross. Besonders kritisch zeigten sich hier die Luzerner, die sich öfters an den touristischen Hotspots wie dem Schwanenplatz aufhalten oder in der Innenstadt wohnen.

Die tiefste Akzeptanz haben gemäss der Umfrage Gäste aus Asien und Gruppenreisende. Man könne vermuten, dass die tiefe Akzeptanz der asiatischen Gäste mit ihrem Reiseverhalten und ihrem Auftreten in Grossgruppen geprägt und nicht durch ihre Herkunft bedingt sei, heisst es in der Studie.

Gemäss der Umfrage unterstützt die Bevölkerung eine ­stärkere Regulierung und Lenkung des Tourismus, vor allem was den Cartourismus an­belangt. Es sei nicht über­raschend, dass sie keine weitere Zunahme der Anzahl Touristen wünsche, teilte die Stadt mit. Viel eher werde ein ausgewogener Gästemix angestrebt. Bitzi bezeichnete die Umfrage als eine Bestätigung von bisherigen Annahmen. Tourismusdirektor Marcel Perren sagte, es sei für ihn nicht erstaunlich, dass der asiatische und der Gruppengast kritisch betrachtet werde. (sda)

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«Die Fernmärkte Asien und Übersee dürften sich erst 2021 ­erholen.» Jürg Stettler, Tourismus-Experte

Touristen ja, aber nicht bei mir

Tourismus-Experte Jürg Stettler spricht über das angespannte Verhältnis von Stadtbevölkerung und Tourismus.(Interview Ronnie Zumbühl ZT)

Jürg Stettler, Leiter des Instituts für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Luzern, hat am Schlussbericht «Tourismusbewusstsein der Luzerner Stadtbevölkerung» (siehe Artikel unten) mitgearbeitet. Im Interview präzisiert er, welche Schlüsse die Umfrage zulässt – und wie sich der Luzerner Tourismus wieder erholen könnte.

 

Jürg Stettler, zuerst eine allgemeine Frage: Wie sehen Sie die Zukunft des Luzerner Tourismus vor dem Hintergrund der Corona-Krise?

Jürg Stettler: Luzern versucht wie andere Destinationen auch, die fehlenden ausländischen Touristen durch Schweizer Gäste zu ersetzen. Das wird für die Stadt Luzern anspruchsvoll, weil der Anteil der ausländischen Touristen vergleichsweise hoch ist. Ein weiteres Potenzial sind Gäste aus den umliegenden Ländern. Die Fernmärkte Asien und Übersee dürften sich erst ab 2021 schrittweise erholen, abhängig von der weiteren Entwicklung der COVID-19-Erkrankungen und den damit verbundenen Regulierungen. 

Wirft die Corona-Krise nun sämtliche Tourismus-Konzepte über den Haufen?

Die Corona-Krise wirft die Konzepte nicht grundsätzlich über den Haufen. Ob und inwiefern sich das Reiseverhalten verändern wird, ist zum heutigen Zeitpunkt unklar. Wenn sich der Tourismus aber wieder erholt, auch wenn dies vielleicht länger dauert, wird man früher oder später wieder mit den gleichen Problemen konfrontiert sein, wie vor Ausbruch des Coronavirus. In dieser Zwischenzeit geht es darum, die richtigen Anpassungen vorzunehmen.

Apropos Anpassungen. Im Schlussbericht der Bevölkerungsbefragung heisst es, «dass die akzeptable Anzahl Touristen in der Stadt Luzern insgesamt und vor allem in der Altstadt überschritten ist. Und dies obwohl die heute akzeptable Anzahl in den Quartieren noch nicht erreicht ist.» Können Sie das konkretisieren?

Eine stärkere räumliche Verteilung der Touristen in der Stadt ist nicht gewünscht, wenn dies das eigene Quartier betrifft. Obschon fast die Hälfte der Befragten angegeben hat, dass sie eine bessere räumliche Verteilung der Touristen als Lenkungs- und Steuerungsmassnahme unterstützen. Kurz gesagt: Bessere räumliche Verteilung der Touristen ja, aber nicht ins eigene Quartier.

Stark kritisiert wird von den Umfrageteilnehmern der Cartourismus. Aber letztlich sind Reisebusse doch ein effektives Mittel, um Touristen von A nach B zu bringen.

Der Car ist ein aus Sicht der Umwelt ein effektives Verkehrsmittel. Aber der Cartourismus führt zu einer starken örtlichen und zeitlichen Konzentration der Touristen, und folglich zu Verkehrsproblemen. Zudem ist es eine Frage der Anzahl.

Viele Umfrageteilnehmer würden einen vielfältigeren Gästemix begrüssen. In einem Ihrer Projekte heisst es dazu: «Angestrebt wird eine breitere Verteilung der zurzeit räumlich und zeitlich stark konzentrierten chinesischen Touristenströme.» Wie ist das in der Praxis umsetzbar?

Das ist nicht einfach umsetzbar. Es braucht dazu gemeinsam vereinbarte Ziele und Zielvorstellungen in Bezug auf die Herkunft der Touristen und die Reiseform. Abgeleitet davon braucht es die Entwicklung von passenden Angeboten und die entsprechende Vermarktung. Zürich Tourismus hat beispielsweise seine Vermarktung vor Corona stark angepasst. 

Gibt es noch weitere Möglichkeiten?

Ja, beispielsweise die Lenkung des Gruppentourismus über die Anzahl, Standorte und Gebühren der Carparkplätze. Beim Individualtourismus ist es viel schwieriger. Zudem braucht es die Zusammenarbeit mit den wichtigsten Leistungsträgern, beispielsweise den Uhrengeschäften und Bergbahnen, und nicht nur in der Stadt, sondern der ganzen Region Luzern-Vierwaldstättersee. Die Stadt und die Kantone können dies über entsprechende Leistungsvereinbarungen steuern.

Laut Befragung befürworten auch viele Luzernerinnen und Luzerner Kampagnen zur Sensibilisierung von Touristen. Was kann man sich darunter denn konkret vorstellen?

Es gibt verschiedene Städte wie Venedig und Amsterdam, die die Touristen zum Beispiel mittels Plakat-Kampagnen aufklären, wie man sich zu verhalten hat. Es geht dabei um die Frage des Respekts.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Stimmt Herr Ölting

Ueli Bühler
schrieb am 16.06.2020 07:51
Ich kenne einige Luzerner und sie sagen genau das gleiche wie Sie. Auf der Kappelbrücken ist in Stosszeiten kein durchkommen mehr. Die Restaurants sind alle überfüllt und es gibt mitten im Sommer Fondue, weil dies von Asiaten unbedingt gegessen werden muss. Ich habe nur die Wertschöpfung des Tourismus in der Schweiz erwähnt. 37.6 Millionen Übernachtungen von Touristen, welche ca. 18.7 Milliarden Franken Umsatz in die Kassen gebracht haben. Deshalb muss jede Stadt selber, für sich diese Touristenströme steuern.

Renate/Ueli Bühler

R aus Z
schrieb am 15.06.2020 10:39
Lest mal Renates/Uelis Satz vom 11.06.2020, 13.11 Uhr, ganz losgelöst:

"37,6 Millionen ist richtig. Die 18,7 Milliarden stimmen hingegen."

??? :-) :-) :-)

Doppelmoral

Michael Oelting
schrieb am 13.06.2020 18:40
Ich kann die Sorgen der Luzerner verstehen. Wenn ein Reisecar mit steinreichen Touristen in Luzern im Halteverbot anhält, schreitet die Polizei nicht ein. Wenn ein Haufen Touristen gerade in Richtung teures Uhrengeschäft geht und durch ihr Verhalten den Marktverkäufern die Einkünfte einbrechen, weil einheimische Kunden nicht an die Marktstände herankommen, dann schreitet auch die Polizei nicht ein. Uhrengeschäfte bringen der Stadt mehr Steuern als Marktfahrer mit regionalen Produkten. Wenn dagegen sich Personen auf den Bänken am Reussufer aufhalten und Verpflegung aus dem Rucksack verzehren, werden sie von der Polizei weggewiesen. Leute, die nur wegen der Schönheit nach Luzern kommen, jedoch dort kein Geld ausgeben, sind von der städtischen Obrigkeit unerwünscht.

Renate Bühler?

B. Hofer
schrieb am 11.06.2020 14:54
Wie aus Ueli eine Renate wurde - die Metamorphose in der Corona-Zeit. Oder hat sich da evtl. Mutti eingemischt?
Jetzt wird es spannend - «Bühlerlockstoff» ist gesetzt.

Satz wiederholt?

R aus Z
schrieb am 11.06.2020 14:08
Na sowas. Hm, ist mir gar nicht aufgefallen.

R aus Z?

Ueli Bühler
schrieb am 11.06.2020 13:27
Sie sind wirklich nicht die Moralische Instanz um das verhalten anderer zu kritisieren. Ich schreibe soviel und solange ich will Kommentare. Das kann man lesen oder halt nicht. Sie sind sicher nicht die Person die mir dies verbieten kann. Zudem wiederholten Sie genau meinen letzten Satz in Ihrem Kommentar.

Renate?

R aus Z
schrieb am 11.06.2020 13:24
Ihr Umfeld?

R aus Z?

Renate Bühler
schrieb am 11.06.2020 13:11
37,6 Millionen ist richtig. Die 18,7 Milliarden stimmen hingegen. Sie sind nicht die richtige Stelle um mir etwas verbieten zu können. Wenn ich Lust habe schreibe ich 100 Kommentare. Ob Ihnen das passt oder nicht ist mir egal.

Frage an Herrn Bühler

R aus Z
schrieb am 11.06.2020 12:50
Herr Bühler, es ist ja nun längst bekannt, dass Sie immer und zu allem Ihre Kommentare abgeben müssen. Eigentlich sind es ja eher Ergüsse. Meine Frage: Finden Sie, Ihr Verhalten sei "normal"? Meinen Sie, Sie könnten den ZT-Lesern so die Augen öffnen? Oder glauben Sie etwa, die Welt würde sich dank Ihren Kommentaren verändern? Ich kann mich wirklich nicht erinnern, dass ich sowas schon je mal erlebt habe. Kann mir gut vorstellen, dass Sie in Ihrem Umfeld, falls es dieses überhaupt noch gibt, kaum auszuhalten sind. Nehmen Sie sich doch bitte ein bisschen am Riemen. Danke für Ihr Verständnis.

Richtig!

R aus Z
schrieb am 11.06.2020 12:18
Das muss jede Stadt für sich selber beantworten. Da braucht es keinen zusätzlichen Kommentar von Bühler.

Wertschöpfung?

Ueli Bühler
schrieb am 11.06.2020 11:20
37,6 Milliarden Touristen 2018 und eine Wertschöpfung von Etwa 18,7 Milliarden Franken. Wenn man den Preis dafür in den Städten wie Luzern oder Interlaken sieht. Ist es allerdings wirklich fraglich ob man das so noch will. Dass muss wohl jede Stadt für sich selber beantworten.
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