Wasserversorgung Rothrist: «Wir investieren jährlich rund 1 Mio. Franken»

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Vom Reservoir Schärhuswald wird das in der Talsohle liegende Gebiet von Rothrist mit Wasser versorgt.Bild: zvg
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Vergangene Woche wurde der Vertikalfilter ins Bohrloch beim Pumpwerk Rägelerhof eingelassen. Bilder: Thomas Fürst
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Zusammenarbeit in der Wasserversorgung (v. l.): Roberto Romano (Geschäftsführer EW Rothrist AG) und Oliver Stampfli (Geschäftsführer EW Oftringen AG).
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Fast schon kunstvoll: Ein Blick in die Tiefe.

«So etwas werde ich wohl nicht ein zweites Mal in meiner Karriere erleben», sagt Roberto Romano. Mit «so etwas» spricht Romano den Bau des zweiten Grundwasser-Pumpwerks im Rägelerhof an. Der 49-Jährige arbeitet seit 18 Jahren wieder bei der EW Rothrist AG, nachdem er in der Firma bereits seine Lehre absolviert hat. 2002 wurde er als Bereichsleiter Strom und stellvertretender Geschäftsführer angestellt, seit 2010 führt er den Rothrister Strom- und Wasserversorger als Geschäftsführer. 

Viel Wasser für die Gemeinde Oftringen

Mit dem zweiten Pumpwerk wird die Wasserentnahme aus dem Grundwasserstrom Rägeler mehr als verdoppelt. Erlaubte die bisherige Konzession die Entnahme von maximal 5100 Litern/Minute, könnten die beiden Pumpwerke in Zukunft maximal 11 000 Liter pro Minute fördern. «Das ist ein sehr theoretischer Wert», sagt Roberto Romano. Erstens würden die Pumpen nicht rund um die Uhr laufen und zweitens würden die per Konzession im Durchschnitt erlaubten Fördermengen regional durchschnittlich zu rund 35 Prozent ausgeschöpft. «Würde mehr gefördert, würde das den Grundwasserbestand langfristig gefährden», betont Roberto Romano. Trotzdem entnimmt die EW Rothrist voraussichtlich ab Februar 2021 dem Rägeler doppelt so viel Grundwasser wie bisher. Wie geht das zusammen? «Eigentlich wird nur die Örtlichkeit der Wasserentnahme verlagert», sagt Romano. Oftringen habe die Konzession für das Pumpwerk im Kleinfeld verloren und sei deshalb für den Wasserbezug an die EW Rothrist herangetreten. So wird denn der Hauptanteil des Wassers, der vom neuen Pumpwerk gefördert wird, nach Oftringen geliefert. Insgesamt sind das rund 1,2 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich, die per Druckleitung in die Oftringer Reservoire gepumpt werden. Mit Gesamtkosten von 2,4 Millionen Franken.

Versorgungssicherheit in Rothrist wird nochmals erhöht

Ein Drittel der neuen Fördermenge geht zur weiteren Stärkung der Versorgungssicherheit nach Rothrist. «Auch wenn unsere Grossverbraucher in Vollbetrieb laufen und es längere Zeit nicht mehr geregnet hat, haben wir heute schon eine hohe Versorgungssicherheit», betont Roberto Romano. Mit dem neuen Pumpwerk werde die Versorgungssicherheit in Rothrist nochmals erhöht. Eine Versorgungssicherheit, die auch durch zunehmende Temperaturen und Trockenheitsphasen nicht gefährdet werden könnte? «Der Hägeler ist sicherlich nicht mehr ganz so stabil wie einst», sagt Roberto Romano, «doch er erholt sich auch nach extrem trockenen Jahren wieder sehr schnell.» Tiefststände werden im Jahresverlauf gegen Ende Jahr erreicht, nach rund zwei Monaten habe sich der Hägeler jeweils wieder erholt, wie die seit vielen Jahren gemessenen Zahlen verdeutlichen würden. «Es ist einfach wichtig, dass der Grundwasserstrom im Winter durch Niederschläge angereichert wird und dass man mit den bestehenden Ressourcen vernünftig umgeht», betont Roberto Romano. Rund 1200 Meter breit und 12 bis 15 Meter mächtig ist der Grundwasserstrom am Standort Rägelerhof.

«Wir haben in Rothrist Wasser von sehr guter Qualität, das unbedenklich trinkbar ist», sagt der Geschäftsführer der EW Rothrist. Das Wasser entspreche nur in einem Wert (0,17 statt 0,1 Mikrogramm Chlorothalonil pro Liter) nicht den gesetzlichen Vorgaben, was aber auch zu relativieren sei, wenn man an die viel höheren Grenzwerte in den Nachbarländern denke. Hier habe der Bund mit dem Austragungsverbot für das Fungizid auf Anfang Jahr die richtige Massnahme erlassen.

Die Aufrechterhaltung der hohen Wasserqualität lässt sich die EW Rothrist einiges kosten. «Wir investieren jährlich rund eine Million Franken in Aufrechterhaltung und Sanierung der Anlagen», betont Roberto Romano. Denn der Unterhalt des Wassernetzes sei eine Daueraufgabe: Spülen der Wasserleitungen und Hydranten, Unterhalt der Pumpwerke und Leitungen. Und zudem unterhalte man einen Pikettdienst rund um die Uhr, wobei ein Online-Überwachungssystem, das Wasserleitungsbrüche anzeige, diesbezüglich doch Erleichterungen mit sich gebracht habe.

Öffentliche Wasserversorgungen seit gut 100 Jahren

Bezogen die Menschen das Wasser während Jahrhunderten von Brunnen oder direkt von Quellen, wird das kostbare Gut seit der Wende zum 20. Jahrhundert direkt in die Häuser geleitet. Das hatte mehrere Gründe. So förderte die Angst vor Feuersbrünsten den Ausbau der Wasserversorgung, denn nur dank einer gewissen Anzahl auf das Dorf verteilten Hydranten war überhaupt eine effiziente Bekämpfung von Bränden möglich. Die kantonale Brandschutzversicherung subventierte entsprechende Ausbauvorhaben der lokalen Wasserversorgungen ebenso wie die Umdeckung von Stroh- auf Ziegelbedachungen. Ein weiterer Grund lag im Wandel der Siedlungsstrukturen in den wachsenden Dörfern. Je mehr gebaut wurde, desto schwieriger wurde es, das vorhandene Wasser zu verteilen.

Die Geschichte der öffentlichen Wasserversorgungen in vielen Gemeiden der Region Zofingen beginnt in den Jahren zwischen 1890 und 1910. Die Gründung der Wasserversorgung Oftringen fällt auf das Jahr 1905, die Geschichte der Wasserversorgung Aarburg startet eigentlich mit der Errichtung eines Pumpwerks im Paradiesli 1907/08, nachdem sich die Übernahme der Mattethaler Wasserversorgung 1899 auf dem Gebiet der Gemeinde Walterswil SO als teurer Flop erwiesen hatte. Noch etwas früher starteten Zofingen die Wasserversorgung mit dem Bau des ersten Reservoirs 1887 am Bärenhubel und Reiden mit der Gründung der Brunnengenossenschaft 1897.

Auch die Errichtung der ersten Wasserleitungssysteme in Rothrist fiel in diese Zeit. Sie wurden auf genossenschaftlicher Basis errichtet – von der «Privatwassergenossenschaft Rothrist» und der «Hölzliwasserversorgung», deren Anfänge in die 1890er-Jahre zurückreichen dürften
sowievonder«WasserversorgungsgenossenschaftGalli»,dieetwasspäterentstandenseindürfte.

Obwohl die Gemeindeversammlung vom 3. September 1911 beschloss, eine gemeindeeigene Wasserversorgung zu errichten, ruhte dieses Projekt noch 10 Jahre lang. Erst auf den 1. Januar 1922 wurden die genossenschaftlichen Anlagen an die Einwohnergemeinde abgetreten und in der Folge ein erstes Grundwasserpumpwerk im Ortsteil Fleckenhausen errichtet, wo Wasser aus dem Hägeler entnommen wurde. 

Seit dem Jahr 1958 zwei Druckzonen

Seit den 1930er-Jahren erfuhr die Wasserversorgung in Rothrist einen ersten starken Ausbau, nach dem Kriegsende einen zweiten. Damals nahm nicht nur die Bautätigkeit in Rothrist stark zu, es siedelten sich auch viele neue Firmen in Rothrist an. So wurde 1958 im Ortsteil Bonigen ein zweites Pumpwerk im Grundwasserstrom Aaretal errichtet. Das erlaubte, die Gemeinde in zwei Druckzonen zu unterteilen und aus zwei verschiedenen Grundwasserströmen Wasser zu fördern. Nahezu das ganze in der Talsohle liegende Gebiet wurde der neu geschaffenen unteren Versorgungszone mit dem Reservoir Schärhuswald und dem Grundwasserpumpwerk Bonigen zugewiesen, während die obere Zone vom Pumpwerk Fleckenhausen (ab 1991 Rägelerhof) und dem Reservoir Langholz mit Wasser versorgt wurde. «Ein unschätzbarer Vorteil, wenn es zu einer Havarie in der einen Druckzone kommt», sagt Roberto Romano dazu. 

Weitere wichtige Erweiterungen der Wasserversorgung waren der Ersatz des alten Reservoirs Längholz durch einen Neubau 1977 sowie der Ersatz des Pumpwerks Flecken 1991 durch das neue Pumpwerk Rägelerhof sowie die Notverbindungsleitungen mit den Nachbarswerken Aarburg und Oftringen für die Optimierung der Versorgungssicherheit und 2014 schliesslich die Integration der Wasserversorgung Vordemwald.

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