«Kinokoni» Schibli: «Wir nehmen, was kommt und machen das Beste daraus»

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Konrad «Kinokoni» Schibli im Foyer des Youcinemas in Oftringen. Auch hier müssen Corona-Massnahmen mit Plexiglasscheibe und Desinfektionsmittel umgesetzt werden. (Bild: Lilly-Anne Brugger)
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Das Autokino auf dem Areal des Oftringer You Event Centers ist am Donnerstagabend gestartet. Bild: zvg

Vor knapp acht Jahren hat Konrad Schibli das markante Gebäude im Pfaffenäcker in Oftringen, direkt an der Autobahn, ersteigert. Damals hiess es noch Fun-Maxx und war als Grossraumdisco mit Kinosälen ausgelegt. Die Disco hatte jedoch gefloppt, nur die Kinos rentierten. Die Betreibergesellschaft ging bankrott. Schon vier Jahre vor der Versteigerung hat Schibli seine Chance gesehen und den Betrieb der Kinosäle pachtweise übernommen. Seit der Versteigerung hat sich das Gebäude um 180 Grad gewandelt: Aus dem Fun-Maxx ist das You Event Center geworden; die Kinosäle, ursprünglich das Nebenprodukt zur Disco, sind nun ein tragendes Standbein. Ausserdem sind im Gebäude zehn Food-Outlets und verschiedene weitere Freizeitangebote untergebracht. «Ich habe mit dem Gebäude die Chance bekommen, etwas zu entwickeln. Das macht Spass», sagt Schibli, der schon als Junge im Kino seiner Eltern in Olten mitgeholfen hat. Allerdings, so fügt Schibli an, sei die Entwicklung des You Event Centers nächstens abgeschlossen. Die Zeit während des Corona-Lockdowns hat der 51-jährige Oltner mit seinem Team genutzt, um Geplantes zu realisieren. Im Moment entsteht neben dem Selbstbedienungsrestaurant Wokami eine Showküche, die für Kochkurse und Events gemietet werden kann. Im Kinobereich ist die Digitalisierung der Projektionsräume vorangetrieben worden und bei den Kassen gibt es bald Ticket-Automaten. So können die Corona-Schutzkonzepte besser umgesetzt werden können.

Seit einer Woche dürfen Sie wieder Filme vorführen. Wie war es, nach 81 Tagen Stillstand wieder zu öffnen?

Konrad Schibli: Es hat sich gut angefühlt. Die Leute, Mitarbeiter wie Gäste, haben sich gefreut. Es gab nie Stau und die Leute sind sich nicht zu nahe gekommen. Am ersten Tag hatten wir rund 700 Gäste über den Tag verteilt, am zweiten Tag rund 600 Personen.

Haben Sie mit so vielen Personen gerechnet?

Ja, das haben wir, obwohl normaler­weise an einem Wochenende 4000 bis 6000 Leute zu uns kommen. Wir haben ein, zwei neue Filme im Programm, das sind aber keine Blockbuster. Darum arbeiten wir momentan mit dem alten Programm. Das haben viele Leute schon gesehen. Wir müssen Geduld haben. Der Juni wird schwierig werden, auch vom Filmprogramm her. Aber für Juli bin ich schon sehr zuversichtlich. Es gibt ja kaum andere Veranstaltungen. Leute, die Unterhaltung haben wollen, werden dann zu uns kommen.

Zieht es im Sommer die Leute nicht nach draussen?

Der Juli ist ein recht starker Monat. Ich hatte schon Julis, die besser besucht waren als die Dezember. Es kommt aber immer aufs Programm an. Mit Blockbustern läufts gut. Und wir haben klimatisierte Säle. Da bietet es sich an einem schönen Tag an, zwei, drei Stunden mit der ganzen Familie ins Kino zu kommen.

Wie alle Unternehmen muss auch das Youcinema in Oftringen ein Schutzkonzept vorweisen. «Bei uns gilt all das, was man sich von Restaurants, Einkaufsläden oder Baumärkten gewöhnt ist: Abstandsregeln und Plexiglasscheiben», sagt Konrad Schibli. Zusätzlich müssen die Kunden ihre Daten angeben. Diese werden nach 14 Tagen gelöscht. Im Kinosaal bleibt zwischen den einzelnen Gästegruppen jeweils ein Platz frei. Und anstatt alle zehn Minuten startet bloss alle 20 Minuten ein Film. «So können wir dafür sorgen, dass sich nie zu viele Gäste im Foyer aufhalten. Auch nicht während der Pausen», sagt Schibli.

Lohnt es sich für Sie, unter diesen Corona-Schutzmassnahmen zu öffnen?

Im Moment arbeiten wir nicht kostendeckend, das ist klar. Aber immerhin: Die Leute sind gekommen und die Stimmung war gut. ​Trotzdem müssen wir nun schauen, dass wir die Kosten tief halten können. Die Ticket-Automaten helfen dabei. Wenn unter der Woche nur 100 Personen pro Tag kommen, dann können sie am Automaten das Ticket lösen oder oben am Kiosk. Die Kasse muss nicht besetzt werden. 

Unter welchen Bedingungen werden Sie kostendeckend arbeiten können?

Wir nehmen, was kommt und machen das Beste daraus. Was die Filme angeht, sind wir zuversichtlich. Im Juli werden spannende Filme lanciert: Der Science-Fiction-Film Tenet von Christopher Nolan oder Disneys Realverfilmung von Mulan. Im November werden auch noch James Bond und Top Gun kommen. Bis Ende Jahr haben wir ein vollgepacktes Programm. Die Frage ist halt, ob die Corona-Massnahmen so aufrechterhalten werden oder nicht. Wir haben im Moment zwar weniger Umsatz, aber es ist nicht so, dass wir gefährdet wären. Wir werden unter diesen Umständen ab Juli kostendeckend und mit Gewinn operieren können.

Sie werden Corona aber trotzdem spüren?

Ich rechne mit einem Minus von 1 Million Franken.

Wie haben Sie die knapp elf ­Wochen Lockdwon erlebt?

Am Anfang war es recht dramatisch, weil wir nicht wussten, was wie wann weitergeht. Wie das Personal organisieren? Wir hatten Kurzarbeit. Trotzdem war ich immer dran, hatte viele Sitzungen. Das grosse Thema waren die Finanzen. Wir mussten schauen, dass wir die Liquidität aufrecht erhalten konnten. Ich hatte Gespräche mit Banken, mit Investoren. Ich persönlich habe während dieser Zeit einen neuen Arbeitsweg gefunden: Ich komme nun von Olten über die Wartburghöfe hierher, manchmal zu Fuss, manchmal mit dem Velo. So habe ich selber auch runterfahren können. 

Haben Sie mit so weit reichenden Auswirkungen des Corona-Virus gerechnet?

Mit einem Szenario, dass uns plötzlich sämtliche Einnahmen wegbrechen, habe ich nie gerechnet. Während der Unternehmerschule haben wir von finanzieller Reichweite gesprochen und uns überlegt, wie lange ein Unternehmen existieren kann, wenn es keine Einnahmen mehr hat. «Keine Einnahmen? Das gibt es ja nicht», habe ich mir gedacht. Dass es mal mehr und mal weniger ist, das ist klar und darauf kann man reagieren. Aber einfach keine Einnahmen mehr, damit habe ich nicht gerechnet. Das ist eine neue Herausforderung. Aber auch das gibt es im Unternehmerleben. Es geht nicht nur nach oben, es kann auch nach unten gehen. Wir werden das schon irgendwie meistern.

Strategien, um die Corona-Krise zu meistern hat sich Konrad Schibli einige überlegt. Die Frage war, wie trotz Veranstaltungsverbot, Versammlungsverbot und den geltenden Hygienemassnahmen Einnahmen generiert werden können. Ein Autokino sollte die Lösung sein. Drei Mal hat Schibli ein Konzept bei Gemeinde und Kanton eingereicht, das erste noch im März. Denn schon zwei, drei Wochen vor dem Lockdown seien immer weniger Leute ins Kino gekommen. «Und als dann klar war, dass es einen Lockdown geben wird, da wussten wir, wo es geschlagen hat», sagt Schibli. Das Konzept fürs Autokino habe die Covid-19-Massnahmen berücksichtigt: Ticket zu Hause online buchen, das Auto nur in dringenden Fällen verlassen und kein Snackverkauf. «Trotzdem wurde das Konzept jedes Mal abgelehnt, vermutlich wegen dem Versammlungsverbot.» Erst seit den Lockerungsmassnahmen vom 6. Juni hat Schibli die Bewilligung zum Betrieb eines Autokinos bis Ende September auf dem Gelände des You Event Centers erhalten. 70 Autos haben Platz. Am Donnerstagabend ist es mit «Le Mans» gestartet.

Haben Sie keine Angst, dass sie mit dem Autokino das herkömmliche Kino im Saal kannibalisieren?

Wir zeigen im Autokino vor allem Klassiker, alte Filme. Die neuen Filme, die Blockbuster, bleiben im Kinossaal.

Haben Sie selber schon ein Auto­kino besucht?

In Luterbach hat eines noch während der Corona-Zeit stattgefunden. Der Kanton Solothurn war da wohl etwas offener bei der Bewilligung. Erst hatte ich Angst, dass wir nun mit unserem Autokino hinterherkommen wie die alte Fasnacht. Doch dann habe ich festgestellt: Das ist wirklich Fun, das ist lustig! Und so haben wir uns entschieden, unser Autokino trotzdem auf unserem Parkplatz durchzuführen.

Auf diesem Parkplatz zeugt nicht nur die grosse LED-Wand des Autokinos von Konrad Schiblis Innovationskraft. Seit einem Jahr lassen hohe Profile die Parkplatznutzer Slalom fahren. Auf 4500 m2 ist eine Indoor-Sporthalle mit Indoor Skydiving, Indoor-Surfwelle, Kletterwand, Ninja-Warriors-, Trampolin-, Bowling-, Minigolf- und Lasertag-Anlage sowie ein Softplay-Kinderspielplatz für Kinder bis 5 Jahre geplant. Baustart sollte Ende dieses Jahr sein, Beginn des Betriebes im nächsten Jahr.

Wann ist Baubeginn für die Indoor-Sporthalle auf dem Gelände des You Event Centers?

Wir werden die Bewilligung für den Aktivpark erhalten – allerdings in einer redimensionierten Form. Es wird keinen Windkanal für Bodyflying geben und vermutlich auch keine Surfwelle. Aber es ist weiterhin ein Ninja-Warrior-Park, ein Trampolin-Park, Laser-Tag, eventuell Bowling und eine Indoor-Minigolf-Anlage geplant. Das Gebäude wird nicht mehr 4500 m2 umfassen, sondern eher 2500 bis 3000 m2. Auch den grossen Turm für den Windkanal wird es nicht mehr geben. Baubeginn dürfte im nächsten Jahr sein.

War Ihnen bei der Ersteigerung des damaligen Fun-Maxx vor bald acht Jahren klar, dass sich das Gebäude und das Gelände so entwickeln wird, dass es in dieser Art diversifiziert wird?

Wir hatten mit der Bank entsprechende Vereinbarungen getroffen, es war klar dass die Quadratmeter neu entwickelt werden müssen. Ich wusste, dass es in diese Richtung gehen wird mit den Standbeinen Kino, Gastronomie, Events und Raumvermietung, jedoch natürlich nicht im Detail. Allerdings müssen wir nun schauen, dass das Gebäude nicht nur als Kinocenter, sondern als You Event Center bekannt wird mit Food-Outlets und Freizeitangeboten. Dafür wird eine Neupositionierung nötig sein. Das gehen wir nun nach und nach an. Auch mit einer neuen Homepage, auf der das Gebäude im Mittelpunkt steht, nicht mehr das Kino. So können wir das Gebäude besser vermarkten.

Die Entwicklung des You Event Centers ist fast abgeschlossen. Welche neuen Projekte fassen Sie ins Auge?

In Olten habe ich ein Boutique-Kino, das KINOKONI, realisiert. Das ist ein luxuriöses Kino, in dem Drinks, aber auch Food an den Platz serviert werden. Das würde ich gerne weiterentwickeln und auch in anderen Städten realisieren. Und dann habe ich eine Anfrage, an einem anderen Standort etwas ähnliches wie das You Event Center zu realisieren. Das ist aber noch ganz weit weg.

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