Ein Aufführungsverbot für den Othello?

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Rassismus ist etwas, was gar nicht geht. Insofern sind die weltweiten Proteste gegen Rassismus richtig – solange nicht über das Ziel hinausgeschossen wird. Den grössten persönlichen und politischen Einsatz der letzten hundert Jahre gegen Rassismus leistete Winston Churchill. Er hat dafür gesorgt, dass Grossbritannien der Nazi-Barbarei – trotz zu Beginn schier aussichtsloser Lage – die Stirn geboten hat. Nun gilt er plötzlich als Rassist, weil er als junger Mann – wie die meisten damaligen britischen Offiziere – in der Kolonialarmee gedient hat. 

In den USA zerstört ein wütender Mob Denkmäler, die Leute zeigen, welche im Bürgerkrieg in den Südstaaten heimisch waren und nun als Freunde der Sklaverei gelten. Sucht man nach Sklavenhaltern, dann wird man auch bei George Washington, wie bei allen anderen Gründervätern der USA fündig. Eine bizarre Fussnote zu Washington ist jene, dass er eine Gebissprotese trug, welche aus Zähnen seiner Sklaven hergestellt worden war.

Sklaverei im US-Format gab es in der Schweiz nicht – aber Leute, die am Sklavenhandel und an mit Sklaven betriebenen Plantagen verdient haben. Unter ihnen auch Pfarrherren und Missionsgesellschaften. Die Kirche und das Neger-Bild: Am Eingang zur Sonntagsschule stand vor 50 Jahren ein Kässeli in Form eines Negers. Warf man eine Münze ein, nickte er. Das Geld – so wurde uns gesagt – werde dazu verwendet, damit auch die «Negerli» in den Himmel kommen.

Wie gehen die Kirchen heute mit dem Thema um? Auf irritierende Weise, wie das Wappen des inzwischen emeritierten Papst Benedikt XVI zeigt. Auf diesem ist doch tatsächlich der Kopf eines Schwarzen zu finden. Josef Ratzinger war Erzbischof von Freising, wo der Missionar Korbinian verehrt wird. Das Thema «Drei Könige» bringt etwas Licht ins Dunkel. Ein Mohr ist kein Neger, sondern ein Maure, ein Nordwestafrikaner. 

Mit anderen Worten: Ein Mohrenkopf ist kein Negerkuss – was auch für den Österreicher Nachspeise-Klassiker «Mohr im Hemd» gilt. Dennoch: Migros hat den Dubler Mohrenkopf – ein Schweizer Klassiker – aus dem Sortiment genommen und ist auch bei der Hausmarke über die Bücher gegangen. Das Produkt Moretti wird nun «Schaumkuss» genannt. Mohr – Moretti – heisst auch ein italienisches Bier aus der Provinz Friaul. Schon bald bei Coop und Co. nicht mehr im Sortiment? Konsequenterweise müssten nächste Fasnacht Cowboy- und Indianerausrüstungen im Angebot der Grossverteiler fehlen.

Was ist nach Corona mit Ferien auf Korsika? Ein No-Go. Die korsische Flagge zeigt den Kopf eines Schwarzen. Sardinien? Noch schlimmer: Gleich vier schwarze Köpfe im Wappen. Und ja keinen Kaffee von Sarotti trinken – des Firmenemblems wegen.

Sie lieben Othello? Da haben sie wie ich die Zeichen der Zeit nicht erkannt: Shakespeares «The Moore of Venice» – so der Originaltitel – ist Rassismus pur. Auf die schwarze Liste gehört auch das Schiller-Zitat «Der Mohr hat seine Arbeit getan», Hoffmanns Moritat von den schwarzen Buben, Heines Mohrenkönig ...

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Ein Spiegel der Ignoranz

Markus
schrieb am 15.06.2020 12:08
Selten so eine stupide Kolumne gelesen!

Da wird (wie am alkoholisierten Stammtisch) alles gemischt, falsch zusammengesetzt, und dann auch noch aufgeschrieben und auch noch publiziert. Echter Qualitätsjournalismus. (und selbst als Glosse nicht mal lustig)

Aber die Lösung ist versteckt gegeben: Genauso wie das Missions Kässeli mit dem Negerkind nicht mehr in unsere Zeit gehören, ist der Begriff Mohrenkopf überlebt. Punkt!

..... und das hat nur am Rand etwas mit Rassismus zu tun

Zauberflöte

Alex Grendelmeier
schrieb am 15.06.2020 09:31
Sie lieben W. A. Mozart? Was singt der Mohr Monostatos in einer Arie u. a.?

«Und ich soll die Liebe meiden,
Weil ein Schwarzer hässlich ist....
Weiss ist schön, ich muss sie küssen.
Mond verstecke dich dazu.»
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