Naveen Hofstetter: «Ich passe nicht ins Weltbild der Linken»

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Naveen Hofstetter, Präsident der SVP Rothrist, findet die Diskussion rund um die Mohrenköpfe idiotisch. ​Bild: Remo Wyss

Der indischstämmige Naveen Hofstetter kam als Säugling zu Adoptiveltern in die Schweiz. Seit zehn Jahren lebt er in Rothrist, ist mittlerweile Präsident der dortigen SVP und führt eine Firma für Beleuchtungstechnik. Obwohl auch der 38-Jährige Rassismus erlebt, findet er die Diskussion um die Mohrenköpfe idiotisch.

Naveen Hofstetter, mögen Sie Mohrenköpfe?

Naveen Hofstetter: Ja, sehr. Mohrenköpfe sind ja wie die Rüeblitorte eine Aargauer Spezialität. Ich esse sehr gerne Mohrenköpfe und hole regelmässig welche in Waltenschwil.

Haben Sie ein Problem mit dem Namen des Süssgebäcks?

Nein, ganz und gar nicht. Wenn ich einen Mohrenkopf esse, kann ich es als das geniessen, was es ist: ein Süssgebäck. Ich muss mir nicht vorstellen, dass ich hier angeblich auf dem Kopf eines Schwarzen herumkaue. Das wäre ja krank.

Der auf den Kolonialismus spezialisierte ETH-Geschichtsforscher Bernhard C. Schär sagt ganz klar, dass das Wort Mohrenkopf rassistisch ist. Sie sehen das nicht so?

Ich verstehe es, wenn jemand das Wort als rassistisch empfindet. Es gibt wie zu allem unterschiedliche Meinungen und das respektiere ich. Andere Wörter, die früher im normalen Sprachgebrauch waren – wie etwa Neger – werden heute auch nicht mehr verwendet. Das ist ja gut so. Ich habe aber das Gefühl, dass beim Mohrenkopf die rassistische Bedeutung heute nur noch relevant ist, weil immer der Mahnfinger gehoben wird. Ohne das wäre es kein Problem. Ich empfinde überhaupt die ganze Rassismusdebatte und Protestiererei rundherum als idiotisch.

Sie wurden also noch nie als Mohrenkopf betitelt?

Doch, aber nur in der Kindheit. Da ging es halt drum, etwas Fieses zu sagen. Die Hautfarbe ist bei mir einfach augenscheinlich. Gäbe es die Mohrenköpfe nicht, wäre ich halt der Schoggichopf gewesen. Wenn ich dick wäre, dann wäre ich der Fettsack gewesen. Nur weil jemand etwas «Rassistisches» sagt, heisst es nicht, dass tatsächlich Rassismus dahintersteckt.

Wie meinen Sie das?

Ab und zu geht es auch bei Erwachsenen darum, einander mit Worten zu verletzten. Was direkt auffällt – wie die Hautfarbe oder das Gewicht – ist ein einfaches Ziel und wird als Beleidigung genutzt. Problematisch ist es, wenn jemand wirklich meint, dass alle Dunkelhäutigen faul sind oder Sachen sagt wie: «Wir müssen alle so und so vernichten.» Ehrlich gesagt denke ich, dass bei Rassisten nicht Rassismus das Hauptproblem ist, sondern dass die sonst wo einen Schaden haben. Rassismus ist einfach ein Ausdruck davon. 

Ist es nicht paradox, dass die SVP auf der einen Seite für freie Marktwirtschaft steht und auf der anderen Seite der Migros vorschreiben will, was sie zu verkaufen hat?

Wir wollen der Migros ganz sicher nicht vorschreiben, was sie zu verkaufen hat. Uns geht es um die Grundsatzdiskussion. Die Schweiz hat kein Rassismusproblem – das sage ich als Dunkelhäutiger. Egal was die Linken aufbauschen wollen.

Institutionellen Rassismus oder «Racial Profiling» haben Sie selbst noch nie erlebt?

Nein, im Gegenteil sogar. Ich finde, dass ich viel zu wenig kontrolliert werde (lacht). Sind wir ehrlich: Die Statistiken lügen nicht. Drogendealer sind häufig dunkelhäutig. Es macht doch Sinn, wenn die Polizei da genau hinschaut, oder nicht? Wenn ich viel kontrolliert werde, weiss ich, dass die Polizei ihre Hausaufgaben macht. In der Berufsschule wurde uns gelehrt, dass ein Polizist immer nach meinem Ausweis fragen darf. Da gibt es nichts zu motzen, sondern den Ausweis zu zücken und zu kooperieren. Ich wiederhole mich: Die Schweiz hat kein Rassismusproblem.

Das haben Sie auch in der Vergangenheit immer wieder gesagt. Aber dennoch wurden Sie selbst auch Opfer von Rassismus. Wie passt das zusammen?

Solche Äusserungen gibt es immer wieder. Nach Wortmeldungen oder Videos von mir erhalte ich immer wieder Hassnachrichten und sogar Morddrohungen. Darauf gehe ich aber gar nicht ein – weil ich schlicht keine Zeit habe. Rassismus erfahre ich höchstens von den Linken und Ausländern.

Wie das?

Ohne zu generalisieren: Es gibt viele Balkanstämmige in der Schweiz, die ein Problem mit dunkelhäutigen Menschen haben. Das merke ich an den Reaktionen auf meine Videos, Posts und so weiter. Leute aus dieser Region bestätigten mir das auch. Da frage ich mich: Wir haben euch so offen empfangen in der Schweiz, wieso könnt ihr nicht auch so offen sein für andere? Die Linken sagen mir: «Du gehörst nicht in die SVP. Was willst du da?» Ich frage mich dann, weshalb ich nicht in die SVP gehören soll. Etwa wegen meiner Hautfarbe? Genau das ist eben auch Rassismus. Ich passe nicht ins Weltbild der Linken. Die Herkunft bestimmt doch nicht, wo jemand politisieren soll.

Aber als Dunkelhäutiger in der SVP sind Sie doch in der Höhle des Löwen.

Ganz im Gegenteil. Seit Jahren wird von linker Seite behauptet, die SVP sei fremden- oder ausländerfeindlich. Ich und jedes andere Parteimitglied mit ausländischen Wurzeln, kann Ihnen aber bestätigen, dass das überhaupt nicht so ist. 

Es gab also noch nie Fragen zu Ihrer Herkunft?

Doch, natürlich. Und das ist ja auch gut so. In einem privaten Gespräch kommen wir doch alle schnell einmal auf die Herkunft zu sprechen. Bei mir ist es wegen der Hautfarbe vielleicht etwas früher. Mir ist es lieber, wenn mich jemand fragt: «Hei, vo wo bisch eigentli?» Weil dann kann ich darüber sprechen und es ist geklärt. Leider musste ich die Erfahrung machen, dass die Linken sehr schnell schubladisieren. Sie schauen mich an und denken: «Oh, der arme Flüchtling, dem müssen wir helfen. Der hatte bestimmt eine schwere Kindheit.» 

Das stimmt ja eigentlich nicht.

Genau! Das erzählen sie dann hinter meinem Rücken herum, statt mich geradeheraus zu fragen, von wo ich bin. Spricht mich jemand auf Hochdeutsch oder Englisch an, weil er denkt, ich kann wegen meiner Hautfarbe kein Schweizerdeutsch, empfinde ich das auch nicht als rassistisch. Für mich zeigt das vielmehr die Offenheit der Schweiz, dass eine fremd aussehende Person direkt in einer besser verständlichen Sprache angesprochen wird.

Hatte Ihre Hautfarbe oder Ihre politische Einstellung schon negative Auswirkungen auf Ihre berufliche Tätigkeit?

Nein, das denke ich nicht. Vielleicht gibt mir jemand wegen meiner Hautfarbe oder meiner politischen Einstellung einen Auftrag nicht. Aber das bekomme ich ja nicht mit. Im Gegenteil eigentlich, ich kann mich nicht über meine Auftragslage beschweren. Mir ist klar, dass ich wegen meiner Hautfarbe eher auffalle. Mit meiner Einstellung und Arbeitshaltung kann ich etwaige Vorurteile aber schnell entkräften.

Als Politiker treten Sie als Hardliner am rechten Flügel der SVP auf. Seit zehn Jahren sind Sie in der SVP Rothrist und in der Aargauer Politik bekannt. Kandidieren Sie im Herbst für den Grossen Rat?

Ja, meinen Namen findet man tatsächlich auf der Liste der SVP – wenn denn niemand etwas dagegen hat. Weil keine Nominationsversammlung stattfinden kann, liegt die Liste aktuell noch bei den Ortsparteipräsidenten auf.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Bravo

Susanne Jaeggi
schrieb am 21.06.2020 19:25
Herr Hofstetter gut gesprochen wäre schön wenn mehrere so denken würden viel Erfolg bei der Kandidatur

Kurt Busenhart

Busenhart Kurt
schrieb am 21.06.2020 12:37
Das ist die wahrheit !!!!! gute aussage von Naveen Hofstetller einfach super !!!!

@Ilse Hartmann

rg
schrieb am 21.06.2020 12:04
Weil es anscheinend im "Land der Verwöhnten" keine ernsteren Probleme gibt.

Rassismus?

Ilse Hartmann
schrieb am 21.06.2020 08:19
Wenn sogar nicht einmal Herr Hofstetter dies als Rassistisch betrachtet wieso wird dennoch diese Diskussion geführt?

Rothrist

Beatrice Iransen Meyer
schrieb am 20.06.2020 12:14
Naveen Hofstettler ist einfach super

Black Lives Matter ist rassistisch! ALL Lives Matter!

Daniel M.
schrieb am 20.06.2020 11:09
Menschen mit schlechtem Charakter gehe ich aus dem Weg, egal welche Hautfarbe sie haben und welche Nation.

widerspiegelt eine Normalität

Adi37
schrieb am 19.06.2020 15:23
Wenn ich (ich denke das geht vielen so) Jemanden treffe und komme mehr oder weniger zufällig ins Gespräch, was mich immer freut und bereichert, spreche ich die Person an, oder sie spricht mich an, so bin ich, besonders bei dunkelhäutigen Menschen, angenehm überrascht, wenn sie Dialekt sprechen, was heute bereits oft vorkommt. Im Gespräch kommt die Frage nach der Herkunft vielfach zur Sprache und hat mit Rassismus gar nichts zu tun! Im Gegenteil, jeder Mensch hat, gemäss seiner Herkunft, mindestens gefühlsmässig eine Zuneigung zu seiner Herkunft, oft auch Stolz, und verleugnet sie nicht! Selbst wir, in der kleinräumigen Schweiz, pflegen unsere Herkunft, wenn wir in einem anderen Kanton leben, als wo wir geboren wurden und aufgewachsen sind! So gibt es in jeder grösseren Stadt Vereine verschiedener Kantone! Und das wird auch europaweit, ja sogar weltweit praktiziert. Alle Leute, die mit einer ausländischen Erscheinung «auffallen», dürfen «anständige Reaktionen» nach Warum, Woher, Wieso?, nicht als rassistisch, oder diffamierend betrachten. Sie sollen sich aber zu Wehr setzen, wenn sie angepöbelt werden! Eine Verallgemeinerung irgend einer Eigenschaft, geht gar nicht. Es ist immer die einzelne Person, für das was sie machen, verantwortlich! Und das, nur das haben wir Ansässige zu beurteilen.

die Schuldfrage ..........

Armin
schrieb am 19.06.2020 13:26
Wer ist schuld an meinem Unglück? da ich es nicht sein kann, nehmen wir einfach das naheliegenste wie zum Beispiel mein Geschlecht (Frau), meine Hautfarbe (nicht hellhäutig), mein Übergewicht, meine Herkunft usw. Das sind nichts als billige Ausreden für das eigene Versagen! es gibt mehr als genug Beispiele von erfolgreichen Frauen oder nicht dunkelhäutigen Präsidenten. Ein gutes Beispiel ist ja auch Hr.Hofstetter. Anstatt zu jammern, hat er etwas getan UND darum auch etwas erreicht.

Persönlich gemeint...

rg
schrieb am 19.06.2020 11:20
Natürlich meine nur Herrn Hofstetter persönlich und nicht die SVP. Zur Zeit sind nämlich die "Linken" wie die "Rechten" nur noch zum Heulen :-(

Danke Herr Hofstetter!

rg
schrieb am 19.06.2020 11:08
Endlich wieder mal ein Realist und kein "Schwarzmaler".

Gehört in die Arena!

psu
schrieb am 19.06.2020 11:02
Hat Herr Hofstetter eine Einladung in die Arena erhalten? Seine Meinung und seine Erfahrung zu Rassismus wären sehr interessant.
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