Sara Agner: «Mutterschaft existiert im Luzerner Parlamentsrecht nicht»

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Sara Agner aus Dagmersellen tritt per Ende Juni 2020 vorzeitig aus dem Luzerner Kantonsrat zurück. Anja Meier aus Willisau wird ihre Nachfolge antreten, teilte die SP Kanton Luzern vor zwei Wochen mit. Agner war seit 2016 Mitglied des Kantonsrates und hatte Einsitz in der staatspolitischen Kommission. Im März 2019 wurde sie von der Stimmbevölkerung des Wahlkreises Willisau wiedergewählt. 

Frau Agner, am Montag ist ihre letzte Session als Kantonsrätin. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf diesen Tag?

Sara Agner: Es wird sicherlich ein anstrengender Tag, an dem ich verabschiedet werde. Es stehen viele Corona-Vorstösse an – die Session ist von 8 Uhr morgens bis 10 Uhr abends angesetzt. Je nachdem muss ich mich auch kurz ausklinken, weil ich ein viermonatiges Kind zu Hause habe.

Fällt Ihnen der Rücktritt schwer?

Ja, ich habe die Arbeit gerne gemacht und fand das Mandat eine wertvolle Erfahrung. Als ich vor vier Jahren vereidigt wurde, stand ich einer Überzahl von Männern und Personen über 50 Jahren gegenüber. Dabei dachte ich: Es ist wichtig, dass ich jetzt in diesem Rat bin. Dass nun mit Anja Meier wieder eine junge Frau für die SP und für den Wahlkreis Willisau nachrutscht, erleichterte mir den Rücktritts-Entscheid.

Die SP Kanton Luzern teilte mit, dass Ihr Entscheid privater und beruflicher Natur sei. Was heisst das konkret?

Ich übernehme ab August bei meinem bisherigen Arbeitgeber, der Stadt Langenthal, eine Leitungsfunktion im Sozialdienst. Das bringt eine Erhöhung meines Pensums von 50 auf 65 Prozent mit sich. Zudem bin ich zweifache Mutter. Für mich und meinen Mann kommt es nicht infrage, dass jemand alleine diese Verantwortung stemmt.

Ärgern Sie sich, dass Sie Beruf, Familie und Politik nicht vereinbaren können?

Nein, Ärger ist es nicht, aber der Entscheid fiel mir nicht leicht. Es ginge vielleicht schon, die drei Aufgaben zu vereinbaren, aber ich müsste überall extreme Abstriche machen. Mit zwei kleinen Kindern möchte ich das momentan nicht. Und ich freue mich darauf, mich im Beruf weiterzuentwickeln. Dass ich nicht alles unter einen Hut bekomme, sehe ich nicht als mein persönliches Versagen.

Ist das Milizsystem im Luzerner Parlament zu wenig familienfreundlich?

Es gibt Dinge, die durchaus familienfreundlich sind – zum Beispiel der Zeitpunkt der Sessionen: Sie finden nicht eine ganze Woche und nicht abends statt.

Aber?

Ich frage mich eher, wie frauenfreundlich das Luzerner Parlament ist. Mutterschaft existiert im Parlamentsrecht nicht. Ein Beispiel: Ich bin im Februar zum zweiten Mal Mutter geworden. Wenn im März und April eine Session stattgefunden und ich teilgenommen hätte, hätte ich befürchten müssen, meine Mutterschaftsentschädigung zu verlieren. Letztes Jahr gab es einen Vorstoss zur Stellvertreterregelung im Kantonsrat. Da sagte jemand allen Ernstes, das Problem existiere nicht. Ich sass zu dieser Zeit im Rat – schwanger! 

Der Regierungsrat muss nun eine Standesinitiative zu Politikerinnen im Mutterschaftsurlaub ausarbeiten (siehe Kontext).

Der Entscheid vom Dienstag geht sicher in eine richtige Richtung. Das muss bundesweit gelöst werden und die Kantone sollten Druck machen. Für eine Gleichberechtigung von Parlamentarierinnen und Parlamentariern muss aber noch einiges mehr passieren. Ein Elternurlaub könnte Mütter und Väter in den ersten Wochen und Monaten extrem entlasten.

Was nehmen Sie mit von Ihrer Erfahrung als Kantonsrätin?

Ich habe eine gewisse Hartnäckigkeit entwickelt und gemerkt, wie wichtig es ist, an Themen dranzubleiben.

Die meisten Ihrer Vorstösse in den vier Jahren waren nicht erfolgreich. War das frustrierend?

Nein, das ist wie gesagt etwas, das ich gelernt habe: Themen anstossen und den Druck hoch halten. So bringt der Regierungsrat zum Beispiel diesen Herbst das kantonale Öffentlichkeitsprinzip wieder aufs Tapet. Ich habe dem Thema vor zwei Jahren mit einer Motion Vorschub geleistet.

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