«Schliesst man Clubs und Bars, führt das zu starken Frustrationen»: Forscher empfiehlt, Jugendliche direkt anzusprechen

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Das Nachtleben ist zurück. In den Clubs wird gefeiert, wie zu jener Zeit, als «Corona» einzig in Form von Bierflaschen über die Theke gereicht wurde. Doch nun steht das Partyvolk am Pranger. Dies, nachdem in einem Zürcher Club ein sogenannter Superspreader fünf Personen angesteckt hat. Und in Bern an einer illegalen Party vor der Reitschule ausgelassen gefeiert wurde.

Das Unverständnis richtet sich just an jene Generation, die sich in der Abgrenzung gegenüber den Erwachsenen definiert, die Regeln bricht und über die sich bereits Philosophen wie Aristoteles geärgert hatten. Dass sich aber die Clubs mit Jungen füllen, wenn die Türen offen stehen, sollte nicht überraschen. Die Sicherheitskonzepte haben indes Ältere abgesegnet.

Dirk Baier von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat während des Lockdowns Jugendliche befragt: «Es war auffällig, wie rasch und wie stark sie ihre Freunde und ihre Freizeit vermissten. Der Online-Kontakt war nie Ersatz für das gemeinsame Erleben.» Nun, wo dies wieder möglich ist, holen sie auf. «Typisch für Jugendliche ist das Leben im Hier und Jetzt», sagt Baier. Das Morgen oder mögliche Infektionsrisiken – sie schwinden je ausgelassener gefeiert und getrunken wird.

Über TikTok sollen die Jungen sensibilisiert werden

Ob als dummer Scherz, bewusster Regelverstoss oder aus dem Gefühl, unantastbar zu sein, hat dabei ein Drittel der Clubgänger eine falsche E-Mail-Adresse oder Handynummer hinterlassen. Das zeigte sich, als Contact-Tracer versuchten, sie nach dem Zürcher Superspreader-Event zu erreichen. Bedeutet dies das vorläufige Ende des eben erst wieder belebten Nachtlebens? Baier lehnt dies in der momentanen Lage ab: «Schliesst man Clubs und Bars führt das zu starken Frustrationen.»

Er rät dazu, die Betreiber stärker in die Pflicht zu nehmen und etwa die Gästezahl zu reduzieren. Gleichzeitig empfiehlt er den Behörden, die Jugendlichen direkt anzusprechen. Vica Tomberga, die an der Uni Bern über das Befinden während der Pandemie forscht, schlägt sogenannte «Natural Leader» vor - bekannte Persönlichkeiten, die andere beeinflussen und an die Regeln erinnern.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) versucht das bereits: Am Samstag wurden fünf Videos auf TikTok gestellt, der populärsten sozialen Plattform der Jugendlichen. Es tritt jeweils ein Schiri auf, der pfeift, wenn eine Abstandsregel nicht eingehalten wird oder sich jemand mit Handschlag begrüssen will. Die Kampagne unter dem Banner #SwissCoronaSafety enthält auch ein Video, das vor einem Club gedreht wurde: Der Schiri mahnt einen Clubber dabei, sich in eine Liste einzutragen.

Entscheidend ist, ob sich die eigenen Freunde daran halten und vorsichtiges Verhalten gut finden: «Die Jugendlichen sollten nicht das Gefühl haben, dass Sie uncool sind, wenn sie andere nicht umarmen oder Abstand halten», sagt Tomberga.

Bei den Jugendlichen hat die Disziplin nachgelassen

Dass die Jungen mehr Mühe mit diesen Regeln haben, zeigt auch der «Covid-19 Social Monitor» des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie und des Instituts für Epidemiologie und Biostatistik der Universität Zürich. Bei diesem Monitoring wird auch gefragt, wie stark sich die Teilnehmenden an die Schutzmassnahmen halten.

Forscher Marc Höglinger sagt dazu: «Zu Beginn des Lockdowns haben sie alle Generationen sehr ernst genommen. Inzwischen werden sämtliche Altersgruppen nachlässiger.» Allerdings zeigt sich bei der Abstandsregeln, dass sich insbesondere 18- bis 29-Jährige deutlich weniger daran halten.

«Wir wissen, dass junge Leute entwicklungspsychologisch gesehen oft weniger Angst haben als ältere», sagt Charles Benoy, leitender Psychologe an den Universitären Kliniken Basel. Doch in seine Klinik kommen auch viele wegen der Coronaepidemie verängstigte junge Menschen.

Benoy glaubt, dass bezüglich Clubbing das Alter eine geringe Rolle spielt: «Es geht hier um die sogenannten ‹Sensation Seeker› – jene, welche die Aufregung suchen. Diese Gruppe ist nicht altersspezifisch.» Ischgl oder Verbier zeigten dies. Er rät dazu, die Betreiber stärker in die Pflicht zu nehmen und etwa die Gästezahl zu reduzieren. Gleichzeitig empfiehlt er den Behörden, die Jugendlichen direkt anzusprechen.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Psychologisches

Alex Grendelmeier
schrieb am 30.06.2020 17:47
Die Devise der sogenannten «Sensation Seekers» heisst: «No risk no fun.» Ja, Jugendliche müssen direkt angesprochen werden und zwar nicht von Polizistinnen und Polizisten sondern von Politikerinnen und Politikern, unterstützt von Psychologinnen uind Psychologen. Das wirkt!
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