Erster Monatsmarkt nach Corona-Notstand: «Jammern bringt nur schlechte Stimmung»

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Junior Reis verkauft selbst gemachte Duftsäckchen und Sträusschen aus Lavendel (Patrick Lüthy)
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Helga Frühwirth aus dem Thurgau verkauft Unterwäsche (Patrick Lüthy)
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Desinfektionsmittel für Kunden (Patrick Lüthy)

Nach dem unerwarteten Regenguss kurz vor elf Uhr herrschte am Montagmorgen richtiges Marktwetter: Nicht zu heiss, aber trotzdem sonnig. Das konnten die rund 40 Marktfahrer am ersten Monatsmarkt in Olten nach dem Corona-Notstand gut gebrauchen. Das ist für einen Sommertermin «recht viel», wie es Nhuc Khoan Chang von der Stadtverwaltung als stellvertretender Bereichsleiter Gewerbe sagte. Die Einschränkungen durch das Schutzkonzept waren kaum noch bemerkbar und sind einem inzwischen vertraut: Unter anderem war pro 1,5 Laufmeter Marktstand nur ein Kunde erlaubt, Desinfektionsmittel musste bereit stehen und die Selbstbedienung war verboten. Grössere Abstände zwischen den Marktständen waren indes nicht mehr nötig.

Trotz Corona und den zum Teil starken Umsatzeinbussen wollte keiner der befragten Marktfahrer ins Jammen einstimmen. «Das bringt nur schlechte Stimmung», sagt Heinz Peter aus Däniken stellvertretend dazu, der mit seiner Frau Roswitha seit Jahrzehnten am Oltner Monatsmarkt anzutreffen ist und dort Bettwäsche und Tischdecken verkauft. «Wir Marktfahrer sind wie ein Chamäleon und passen uns an.» Er sagt aber ganz klar, dass 2020 wegen Corona «ein verlorenes Jahr» ist. Sie hätten von den Reserven gelebt und hoffen auf einen Beitrag für Selbstständigerwerbende vom Bund. In seinen Augen sind die Marktfahrer gegenüber den Verkaufsläden benachteiligt worden, weil im Freien die Ansteckungsgefahr viel kleiner wäre. Er kenne darum viele Kollegen, die sich in der Zwischenzeit einen anderen Job gesucht haben. Auch er und seine Frau wollen kürzertreten, aber nicht wegen Corona, sondern altershalber, sagen die beiden 59-Jährigen. Bereits gebe es zwei bis drei Interessenten.

Ebenfalls optimistisch trotz schwierigen Zeiten zeigt sich Helga Frühwirth aus dem thurgauischen Freidorf, die Unterwäsche verkauft. Der Umsatz sei zwar «im Keller», auch weil sie keinen Onlineshop habe. Sie lebte von den Reserven, hatte aber keine unmittelbaren Existenzängste. Aber nun sei sie «dankbar, dass wir in Olten sein dürfen». Viele Stammkunden freuten sich, dass es wieder losgehe.

Einen Teil des Umsatzverlusts mit der Website kompensieren konnte hingegen die Firma Spycher-Handwerk AG aus Huttwil BE, die Beat Loosli mit seinem Marktstand mit Woll- und Fellwaren vertritt. «Im Onlineshop stiegen die Verkäufe.» Er versuche nun aus der Situation das Beste zu machen. Das Bedürfnis der Marktfahrer sei da; es gebe so viele Stände wie selten an einem Sommertermin.

Dies zeigt etwa das Beispiel von Nadja Scheidegger aus Welschenrohr. Sie ist das erste Mal überhaupt an einem Markt mit ihren Produkten aus selbst gefärbter Wolle und Filz, die sie seit rund fünf Jahren über den Onlineshop www.kuschelfasern.ch verkauft. «Ich will mit dem Stand etwas Werbung machen», sagt die 38-Jährige, die sich just zu Beginn des Notstands im März selbstständig gemacht hat. Entgegen den Erwartungen lief es online «eher schlecht». Dazu kam, dass sie auch ihre Spinnkurse nicht durchführen konnte.

Erst das zweite Mal in Olten dabei ist Junior Reis. Der «Reisende», wie er sich selbst nennt, verkauft Lavendel von seinem eigenen Feld aus der Provence in selbst hergestellten Duftsäckli, als Seifen oder in Sträussen. Lavendel sei «das beste Elixier für alle Aspekte im Leben». Er reiste am Montag spontan nach Olten und erhielt von der Stadt noch einen Platz zugeteilt. Dafür sei er sehr dankbar. Er will seine Produkte verkaufen, aber auch gute Stimmung verbreiten – und schenkt dem Journalisten als Tatbeweis ein paar Duftsäckli.

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