Wie sinnvoll war das Besuchsverbot in Pflegeheimen?

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Pflegeheime und Spitäler waren wochenlang abgeriegelt. Bild: big

Am 16. März 2020 wusste niemand, wie sich die Corona-­Pandemie entwickeln würde. Auf den Intensivstationen wurden Plätze für Covid-Patienten geschaffen und der Kanton hat auf Empfehlung des Bundes ein Besuchsverbot in Pflegeheimen und Spitälern verfügt. Nicht einmal mehr die nächsten Angehörigen durften ihre Liebsten besuchen, es sei denn, sie lagen im Sterben. Um die Pflegeheimbewohner und Patientinnen vor dem Virus zu schützen, wurden sie regelrecht abgeschottet. Fast zwei Monate dauerte es, bis im Kanton Aargau das Besuchs­verbot – zumindest in den Pflegeheimen – gelockert wurde. Nach langen Wochen konnten ab Mai Patientinnen und Pflegeheimbewohner ihren Angehörigen – manchmal getrennt durch eine Plexiglasscheibe – wieder in die Augen sehen.

Anfangs regte sich kaum Widerstand gegen das Besuchs­verbot. Auch FDP-Grossrätin und Apothekerin Martina Sigg hat Verständnis dafür. «Mit dem Besuchsverbot konnten Risikogruppen geschützt werden.» Ausserdem sei zu Beginn der Pandemie das Schutzmaterial knapp gewesen. «Es war durchaus sinnvoll, dieses für die Mitarbeitenden zu sparen», sagt sie.

Angehörige spielen eine wichtige Rolle

Inzwischen sieht Martina Sigg aber auch die negativen Folgen des Besuchsverbots. Sie fragt sich, ob eine so einschneidende Massnahme wirklich nötig war. Sie weiss beispielsweise von einem Patienten, der sich nach einer grossen Operation nicht richtig erholt hatte und immer schwächer wurde. Er wartete über einen Monat sehnsüchtig auf einen Besuch seiner Liebsten. «Das Spital hat den Angehörigen einen Besuch aber erst erlaubt, als er im Sterben lag und kaum mehr ansprechbar war», sagt Sigg. Fälle wie dieser haben sie dazu veranlasst, das Thema Besuchsverbot aufs politische Parkett zu bringen. Sie will vom Regierungsrat wissen, ob die Menschenwürde durch eine solche Praxis aufrechterhalten werden könne. Ob er anerkenne, dass das Besuchsverbot den kognitiven und körperlichen Abbau der Bewohner beschleunigen könne. «Ich will den Verantwortlichen keinen Vorwurf machen», stellt sie klar. «Aber ich erwarte, dass der Kanton zusammen mit den Heimen und Spitälern für eine allfällige zweite Welle oder spätere ähnliche Ereignisse ein Konzept hat.» Ein Konzept, das allen Bedürfnissen gerecht wird und Menschen im Spital oder im Pflegeheim nicht diskriminiert. «Angehörige haben eine wichtige Rolle», sagt Sigg. Sie würden ihre Liebsten immer noch am besten kennen. Ihnen würde auffallen, wenn etwas nicht stimme oder sich die Person anders verhalte. Auch bei wichtigen Entscheidungen seien viele Patientinnen um eine Einschätzung oder den Beistand ihrer Nächsten froh. «Während des Besuchsverbots mussten sie solche Entscheidungen mehr oder weniger alleine fällen», sagt Sigg. «Ein Gespräch am Telefon ist in dieser Situation kein Ersatz.» Sie will von der ­Regierung wissen, ob sie sich vorstellen könne, das Besuchsverbot bei einem nächsten Fall anders zu regeln. «Es könnte ja zum Beispiel einfach ein Angehöriger das Besuchsrecht erhalten», schlägt sie vor.

Leben schützen – aber zu welchem Preis?

In Bezug auf das Besuchsverbot und dessen Nutzen stellt sich die Frage, was höher zu gewichten ist: der Schutz der Patientinnen und Pflegeheimbewohner oder deren Lebensqualität beziehungsweise deren Recht auf Selbstbestimmung. Über hundert Medizinethikerinnen und Medizinethiker haben kürzlich mit Blick auf eine erneute Pandemiewelle zehn Postulate formuliert. Sie verlangen etwa, dass enge Angehörige stets Zugang zu urteilsunfähigen Personen haben. Weiter fordern sie eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung, die klären soll, warum während der ersten Welle so viele Covid-Patienten in Pflegeheimen gestorben sind.

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Richtig

Ueli Bühler
schrieb am 16.07.2020 13:21
Ja M.L. Niemand weiss wie viele von den Internierten Menschen. Wie Gefangene gehaltene, in den Lagerhäusern für Alte oder Verwahrungsanstalten unserer Zivilgesellschaft. Allgemein auch Altersheime genannt Aus Kummer oder aus Gram gestorben sind! Es sind wohl sehr viele. Auch die Seelischen und körperlichen Leiden dürften in dieser Zeit rapide zugenommen haben! Die selben Menschen, die man ja explizite schützen wollte! Bei denen ist ein riesiger Schaden angerichtet worden. Ich bin nach wie vor überzeugt, wenn man diese Menschen gefragt hätte. "Wollt ihr dermassen geschützt werden?" Die meisten hätten gesagt nein Danke! Aber leider wurde über ihre Köpfe von Politikern entschieden! Sie sind auch diejenigen die verantwortlich sind für diesen Massenfreiheitsentzug! Genau das war es im Endeffekt. Exit ist über die Zunahme der Mitglieder überrascht worden. Niemand will sich an Maschinen anhängen lassen. Auch wenn das die verantwortlichen gerne anders hätten!

Besuche immer noch eingeschränkt

M.L.
schrieb am 16.07.2020 12:05
Und dann gibt es noch die Altersheime, welche den Zugang für alle Grosskinder/ Urgrosskinder unter 12 Jahren immer noch verweigern. Diese müssen nach wie vor hinter die Plexiglasscheibe. Meiner Meinung mach wäre auch hier dringend eine andere Lösung nötig. Die Heimbewohner brauchen diese sozialen Kontakte dringend.

Besuche immer noch eingeschränkt

M.L.
schrieb am 16.07.2020 08:39
Und dann gibt es noch die Altersheime, welche den Zugang für alle Grosskinder/ Urgrosskinder unter 12 Jahren immer noch verweigern. Diese müssen nach wie vor hinter die Plexiglasscheibe. Meiner Meinung mach wäre auch hier dringend eine andere Lösung nötig. Die Heimbewohner brauchen diese sozialen Kontakte dringend.

?

Felix
schrieb am 16.07.2020 07:51
Wieso werden solche Kommentare,, die aber auch gar nichts mit den Artikeln zu tun haben, trotzdem aufgeschaltet?

Suchspiel

Kempi
schrieb am 15.07.2020 14:15
Ja wo sind sie denn, die Fehler? Such, such die Fehler! Es ist nicht nur einer .... :-)

Neuer versuch

H . M.
schrieb am 15.07.2020 11:52
Die alten Menschen wurden über Monate iher Rechte beraubt. Ohne sie zu Fraģen wurden sie in den Altersheimen eingesperrt! Dass steht niemandem zu. Hoffentlich habe ich keine Fehler gemacht
Sonst rückt mir Kempi oder Hofer auf die Pelle.

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