Ist der Motorsport ein Auslaufmodell – MIT AUDIO

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Pascal Kamber vs. Michael Wyss

Pascal Kamber: Am nächsten Sonntag geht im englischen Silverstone das vierte Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft über die Bühne. Die Motorrad-Cracks drehten am vergangenen Wochenende in Jerez (Sp) ihre Runden. Beides sind legendäre Rennstrecken und geniessen bei den Fans Kultstatus. Bei mir ist das nicht Fall. Das hängt weniger mit den Orten an sich zusammen, sondern ist in erster Linie dem mangelnden Interesse am Motorsport geschuldet. Schon als Kind habe ich mich gefragt, warum es Menschen gibt, die Stunden damit verbringen, vor dem Fernseher zu sitzen und dabei zuzuschauen, wie sich Autos oder Motorräder im Kreis drehen. Eine kluge Antwort habe ich bis heute noch nicht erhalten.

Michael Wyss: Ein ganzes Rennen schaue ich heute auch nicht mehr. Vor ein paar Jahren habe ich mich aber zumindest für den Event in Monte Carlo begeistern können. Dort passiert normalerweise mehr als in den normalen Formel- 1-Rennen. Ausserdem sass ich immer total gespannt vor dem Computer, wenn der Rothrister Fabio Leimer in der GP2 am Start war. Speziell war vor allem die Saison 2013, in der er Gesamtsieger wurde. Wer schon einmal in Deutschland unterwegs war, kann zudem zumindest ein bisschen nachvollziehen, wenn jemand vom Geschwindigkeitsrausch spricht.

pka: Natürlich habe ich mich auch über Fabio Leimers Erfolg gefreut. Die Wochen und Monate nach seinem Triumph haben mir aber gezeigt, wie krank der Motorsport eigentlich ist. Als GP2-Champion hätte Leimer die besten Karten besitzen müssen, um in der Formel 1 unter Vertrag genommen zu werden. Sein Traum ging jedoch nicht in Erfüllung, es reichte gerade noch für ein Engagement als Ersatzfahrer. Der Grund: Leimer verfügte schlicht und einfach nicht über die nötigen finanziellen Mittel für die Formel 1. Wer also den Sprung in die Königsklasse schaffen will, braucht in erster Linie ein möglichst prall gefülltes Portmonnnaie. Wo bleibt da der Sportgedanke?

mwy: Ein solches System ist tatsächlich schlecht, aber es ist in der Sportwelt bei weitem kein Einzelfall mehr. Um es von der Strasse zum Weltstar zu bringen, braucht es viel mehr als grosses Talent. Wichtig wird immer mehr, in welche Familie man geboren wird und vor allem, in welchem Land man auf die Welt kommt. Was der Motorsport macht, ist aber sicher nicht nur schlecht! In der Verbesserung von Antrieb und im Bereich der Sicherheit von Fahrzeugen hat er viel geleistet. Wir wären im zivilen Verkehr sicher noch nicht so weit ohne gewisse Entwicklungen, die im Motorsport vorangetrieben wurden.

pka: Der Fortschritt in Ehren, dafür ist der ökologische Fussabdruck riesig. Der spanische Formel-1-Pilot Fernando Alonso kam einmal eigenen Angaben zufolge auf 200 Flüge pro Jahr. Hinzu kommen Unmengen von schädlichen Abgasen, die die Boliden während eines Rennens in die Luft lassen. Im Zuge der Klimadebatte stellt sich somit die berechtigte Frage, ob Motorsportrennen in dieser Form überhaupt noch Sinn machen. Für mich ist die Antwort jedenfalls klar: Nein.

mwy: Wahrscheinlich ist es tatsächlich kein Modell für die Ewigkeit. Die Formel E ist im Vormarsch und wird dereinst, wenn die Kinderkrankeiten beseitigt wurden, die Formel 1 hoffentlich ablösen. Bis dahin ist es mir aber immer noch lieber, wenn jemand seinem Drang nach Geschwindigkeit auf einer abgesperrten Rennstrecke oder vor dem Fernseher nachgeht statt im öffentlichen Verkehr, wo er bei Missachtung der Regeln Leben gefährdet.

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