Ein Stier hinderte sie nicht, Corona aber schon: Oberentfelder fahren mit Velo bis nach Gibraltar

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Wegen Corona konnten der Oberentfelder Fouad Tilaoui (l.) und sein Bruder Mohamed nicht wie geplant bis nach Marrakesch fahren. Ab Gibraltar blieb ihnen nur der Blick über die Meeresenge nach Marokko. © Zur Verfügung gestellt

Er wollte lediglich das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden, sagt der sportbegeisterte Fouad Tilaoui. Beruflich arbeitet der 40-Jährige aus Oberentfelden als Trainer in der Tennisschule Aarau-West oder dem Tennisclub Baden, privat hatte er schon vereinzelt Velotouren durch Westeuropa unternommen, fast immer zusammen mit seinem jüngeren Bruder Mohamed (34), der im Elsass wohnt.

Die längste Tour haben die beiden aber für diese Sommerferien ins Auge gefasst: Von Basel aus fuhren sie mit dem Velo über das französische Jura und Rhonetal bis ans Mittelmeer, dann meistens der Küste entlang über die Pyrenäen, Valencia, Murcia und durch die Wüste von Tabernas bis nach Gibraltar.

Nach Plan hätten sie dann mit der Fähre die Meeresenge nach Afrika überquert und wären die restlichen rund 650 Kilometer bis nach Marrakesch geradelt, genauer bis zum Kinderdorf Dar Bouidar, dem Hilfswerk für die «Atlas-Kinder», das der Schweizer Hansjörg Huber vor fünf Jahren gegründet hat.

Die Not der Waisenkinder gesehen

Doch wegen Corona sind die Städte in Marokko derzeit abgeschirmt, und auch der Rückflug in die Schweiz wurde abgesagt. «Ab Montag arbeite ich wieder. Das Risiko, trotzdem nach Marokko zu gehen, wurde mir zu gross», sagt Fouad Tilaoui. Die Leistung der beiden Brüder kann sich trotzdem sehen lassen: Laut GPS-Gerät haben sie 2173,5 Kilometer in 20 Tagen zurückgelegt. Fouad Tilaoui hatte versprochen, für jeden zurückgelegten Kilometer zwei Franken an die Atlas-Kinder zu spenden – insgesamt also 4347 Franken.

«Ich habe 2006 in Marokko ein Kinderheim besucht, zusammen mit der Stiftung von Mohamed Mjid, dem früheren Präsidenten des marokkanischen Tennisverbands», erzählt er. Dort habe er die Not der Waisenkinder gesehen. Die Stiftung für die Atlas-Kinder spricht etwa von 9000 Babys, die jedes Jahr von ledigen Müttern weggegeben werden. Fouad Tilaoui entschied deshalb, die von einem Schweizer gegründete Organisation zu unterstützen.

Berge, Wüste und ein ausgesetzter Stier

Die Brüder fuhren mit normalen Velos mit je 25 Kilogramm Gepäck. Zweimal mussten sie Löcher im Pneu reparieren. Ansonsten waren sie vor allem froh um gute Bremsen. Übernachtet haben sie meistens in kleinen Hotels oder Campings. Die schönste Nacht erlebten sie im französische Gruissan unter wunderbarem Sternenhimmel. 

Die schönsten Begegnungen hatten sie in Spanien, in der Region von Valencia, wo viele Einheimische die beiden spontan zu sich nach Hause zum Essen und Übernachten einluden. Spanien sei überraschend hügelig gewesen, sagen sie. Der schwierigste Teil der Strecke war der Weg von der Küste weg über Murcia ins Landesinnere bis nach Gibraltar: An der Wüste, die dazwischenliegt, kamen die Brüder an ihre Grenzen: «Dort war es sehr, sehr, sehr heiss», beschreibt Fouad Tilaoui die grosse Herausforderung.

Die Velos als Schutzschild benützt

Um den Routenplan einzuhalten, fuhren sie teils schon um vier oder fünf Uhr morgens los, machten eine lange Mittagspause bis nach 16 Uhr und fuhren dann weiter bis spät in die Nacht hinein. «Wir haben manchmal über acht Liter Wasser am Tag getrunken», erzählt er. Den grössten Schrecken erlebten sie ausgerechnet am letzten Tag, als sie auf den Höhen von Las Lomas wenige Meter auf einen Stier stiessen, der ausserhalb seines Geheges stand.

«Wir sind dann abgestiegen und mit unseren Velos als Schutzschild ganz behutsam an ihm vorbeigelaufen», sagt Fouad Tilaoui. Belohnt wurden sie mit der atemberaubenden Aussicht über die wilden Strände. «Wir mussten unsere Velos über den sandigen Weg schieben, aber das war es mehr als wert.» Endstation war Gibraltar, mit dem ursprünglichen Ziel Marokko in Sichtweite. «Wir hoffen, unsere Tour nächstes Jahr vollenden zu können.»

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