Wenn Teiche abgefischt werden, ist «Karpfenschmaus» angesagt

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Mit zweieinhalb Jahren wiegt der Karpfen 1,5 bis 2 kg. (Bild: zvg)
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Karpfengericht des Gasthofs Löwen in Melchnau. (Bild: zvg)

Zwischen St. Urban und Altbüron liegt der Äschweiher. Er war 2004 der erste naturnah gebaute neue Weiher des Projekts «Karpfen pur Natur». Derzeit ist der Teich zwar nur mit einem Drittel Wasser gefüllt, und weit und breit sind keine Karpfen zu sehen. Wenn sich etwas an der Wasseroberfläche bewegt, so sind das Amphibien oder andere Lebewesen. Denn der Teich und seine Umgebung ist viel mehr als nur Lebensraum für ein regionales Produkt wie den Karpfen. Er bietet auch verschiedensten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum.

Der jüngste und siebte Weiher liegt bereits auf bernischem Boden, nämlich in Melchnau. Dort hat ein Landwirt grosszügigerweise 40 Aren Wiesland zur Verfügung gestellt. Damit gehört der Fluebergweiher zu den grössten Teichen, die der gleichnamige Verein «Karpfen pur Natur» und seine Helfer in ein paar Jahren bewirtschaften können. Nur der Eichmattweiher in Brittnau ist in etwa gleich gross. Der Fluebergweiher ist erst wenig bewachsen. Es finden sich aber bereits viele Versteck- und Lebensraumnischen in Form von Baumstrünken und Steinhaufen im und am Wasser.

In unmittelbarer Nähe des grossen Weihers ist ein weiterer kleiner Teich zu sehen. Der soll allerdings als fischfreies Gewässer vor allem den Amphibien dienen. Das friedliche Idyll wird nur durch das Surren der Libellen gestört.

Biologe Manfred Steffen erklärt: «Bis die Karpfen abgefischt werden können, dauert es zwei Jahre. Dann bringen sie rund 1,5 bis 2 Kilogramm auf die Waage.» Denn sie würden bewusst auf eine Fütterung der Fische verzichten und setzen daher nur so viele Karpfen in einen Teich ein, wie dieser zu ernähren vermag. Das bedeutet, dass erst nach Erhalt der kantonalen Bewilligung im Fluebergweiher in Melchnau frühestens im Herbst 2021 mit dem Besatz von Jungkarpfen gestartet werden kann. Dann wird es laut Manfred Steffen für den Fischbeobachter spannend, wie sich der gold-bronzene Spiegelkarpfen entwickle.

Grösste Teichlandschaft der Schweiz im Mittelalter

Karpfenzucht hat eine lange Tradition. Einst lebten die Zisterziensermönche des Klosters St. Urban asketisch. «Sie durften während des ganzen Jahres kein Fleisch von Warmblütern essen», erzählt Projektleiter Steffen, «doch allein von Buchenlaubsuppe wird man kaum satt …». Daher wurde der Fisch ein wichtiger Proteinlieferant. Auch die Bewohner von Stadt und Land mussten – während der Fastenzeit – strenge Essensregeln befolgen. Seit dem Konstanzer Konzil (1414–1418) stand dann fest: Alles, was im Wasser lebt, wird als Fisch gezählt. Und Fische essen war erlaubt. Um ihren Eiweissbedarf zu decken, legten die Mönche in der Gegend rund um das Kloster St. Urban deshalb naturnahe Teiche an und zogen darin Karpfen gross. Der Wasserreichtum und die lehmig-dichten Böden kamen den Mönchen entgegen. Dass sie im Mittelalter vermutlich die grösste Teichwirtschaft der Schweiz betrieben, davon zeugen heute noch existierende Dämme. Die Dämme der trockengelegten Teiche, die im Mittelalter bis zu zehn Hektaren gross waren, hätten ihn als Buben, der in St. Urban aufgewachsen sei, fasziniert, erzählt Manfred Steffen.

Anfang der 1990er-Jahre konnte Steffen schliesslich mal einen Karpfen-Zucht-Betrieb in Deutschland besuchen, welcher extensiv bewirtschaftet wurde. Er liess sich davon und von der Geschichte der alten Teiche inspirieren und suchte Gleichgesinnte, etwa im Verein Lebendiges Rottal, sowie bei Landeigentümern. Sie halfen mit, die naturnahe Karpfenzucht in der Region der drei Kantone wiederzubeleben.

Am Rottaler Erntefest können die Karpfenspezialitäten, in normalen Jahren, als «Knusperli» genossen werden. Auch der Wirt des Gasthofs Löwen in Melchnau freut sich laut Steffen, dass er künftig noch mehr Karpfen anbieten kann. Mit der Inbetriebnahme des siebten Weihers wird dies in frühestens zwei Jahren möglich sein. Heuer werden, nebst dem Houeteweiher in Altbüron, auch der Eichmattweiher in Brittnau und der Gfillmoosweiher in Rothrist abgefischt. Manfred Steffen: «Ich rechne mit rund 100 Karpfen.» Nach dem Karpfenschmaus im November wird die Karpfen-Saison so richtig lanciert. Ein Ziel des Vereins ist es, «weitere Teiche zu bauen, um die Saison jeweils bis Ostern zu verlängern». Der Karpfen aus naturnaher Zucht ist laut Manfred Steffen fettärmer und bekömmlicher, als wenn er zugefüttert wird.

Weitere Informationen zum Projekt sind hier zu finden.

Sommerserie Luzerner Spezialitäten

Einheimische Produkte sind nicht erst seit der Corona-Krise gefragt. In einer Sommerserie stellen wir Spezialitäten und Raritäten aus Luzerner Gemeinden sowie die Menschen, welche sie herstellen, in den Fokus. Wir starteten mit dem Beitrag über die Dagmersellerli (25. Juli), dann ging es mit Yak-Biospezialitäten (31. Juli), wilden Apfelsorten (4. August) und der Honiggans aus Sursee (7. August) weiter. Haben Sie Feedback zur Sommerserie? Schreiben Sie uns an luzern@ztmedien.ch (red)

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Manfred Steffen vor dem Äschweiher in St. Urban, der 2004 noch unter dem Partnerverein «Lebendiges Rottal» entstand. (Bild: Kathrin Aerni)
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