Quarantäne-Kontrolle: Aargau bezieht Passagierlisten von Zürich – weil der Bund zu langsam liefert

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Reisende aus Risikoländern müssen zehn Tage in Quarantäne. (Bild: Keystone)

Wer in einem Land in den Ferien war, das auf der Coronarisikoliste des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) steht, muss dies beim Kanton melden und sich danach isolieren. Nach dem letzten Ferienwochenende begaben sich gemäss den aktuellen Zahlen des Kantons 445 Reiserückkehrer neu in Quarantäne. Seit Mitte Juli hatten sich 4894 Reiserückkehrer gemeldet und in Quarantäne begeben (davon rund 4500 aus dem Balkan).

Um die Quarantänepflicht zu kontrollieren, war der Kanton Aargau bis Ende letzter Woche auf Listen des BAG mit Angaben zu Rückkehrern, die per Flugzeug oder Fernbus in die Schweiz einreisten. Seit Freitag bezieht das kantonalen Gesundheitsdepartement die Daten von Passagieren, die am Flughafen Kloten ankommen, nun direkt von der Kantonspolizei Zürich.

Bundesamt lieferte die Daten zu Passagieren nicht schnell genug

«Für eine schnelle Um- und Durchsetzung der Quarantänepflicht nach Einreise müssen die Daten schnell zugänglich sein», sagt Michel Hassler, Sprecher des Aargauer Gesundheitsdepartements. Die vom BAG zur Verfügung gestellten Listen für die Stichproben hätten diese Anforderung bisher nicht immer erfüllt. «Andererseits sind wir an einer breiten Datenbasis interessiert, um zu sehen, wie die Massnahme umgesetzt wird», ergänzt Hassler. Wie viele Passagierdaten der Kanton vom BAG erhielt, und wie viele nun die Kantonspolizei Zürich liefert, kann Hassler noch nicht sagen. «Für diesen Vergleich ist es zu früh. Wir werden die Daten in den kommenden Tagen überprüfen und evaluieren.» Auch auf die Frage, wie viele Aargauer Reisende sich nicht beim Kanton melden, die eigentlich in Quarantäne müssten, gibt es derzeit noch keine Antwort. «Die Auswertungen laufen, diese basieren ja nicht zuletzt auf den nun eintreffenden Daten aus Zürich», sagt Hassler.

Restaurants und Baustellen: Bisher nur wenige Einzelfälle

Wie trifft die Quarantänepflicht für Rückkehrer aus Risikoländern die Aargauer Wirtschaft? In der Gastronomieszene gibt es bisher keine bedeutenden Ausfälle von Mitarbeitern, sagt Bruno Lustenberger, Präsident von Gastroaargau: «Es ist davon auszugehen, dass es sich um Einzelfälle handelt.» Meldungen von Betrieben, die gleich mehrere Ausfälle wegen rückkehrenden Mitarbeitern aus Risikoländern hatten, gab es keine. «Gastroaargau hat seine Mitglieder vor den Sommerferien so beraten, dass diese ihre Mitarbeiter im Voraus darüber informieren sollten, was eine Quarantäne bedeutet.» Sprich: Ein unbezahlter Ausfall.

Lustenberger selber hatte in seinem Restaurant Krone in Aarburg quarantänebedingt einen einzigen Ausfall zu verzeichnen, den er aber im Voraus genehmigt hatte: «Wir haben mit unserer Mitarbeiterin vor ihren Ferien das Gespräch gesucht. Sie wollte ihre Familie in ihrem Heimatland besuchen.» Momentan sei die Frau noch in unbezahlter Quarantäne. Ein Coronatest fiel bei ihr negativ aus. Zu Engpässen beim Personal kam es wegen dieser Abwesenheit aber nicht.

Auch in der Baubranche stellt die Quarantänepflicht für Rückkehrende aus Risikoländern bis jetzt kein Problem dar, sagt Pascal Johner, Geschäftsführer des Baumeisterverbandes. «Wir hatten diesbezüglich bisher keine Rückmeldungen oder Anfragen von unseren Mitgliedern.» Vor Beginn der Sommerferien hätte er vereinzelte Anfragen gehabt, was die Lohnzahlung während der Quarantäne betrifft. «Wir erwarten nicht, dass es wegen der Quarantäne noch zu Engpässen bei den Arbeitern kommt.»

Lehrerinnen und Lehrer in letzter Ferienwoche meist in der Schule

Am Montag hat auch der Schulunterricht wieder begonnen. Einige Schülerinnen und Schüler fehlen noch, weil sie in Quarantäne sind. Offizielle Zahlen dazu gibt es allerdings keine. Es seien vermutlich eher Einzelfälle, sagt Lehrerverbandspräsidentin Kathrin Scholl. Diesen Eindruck habe sie mindestens nach der Rückmeldung einiger Schulen bekommen. Ähnlich tönt es, wenn man Philipp Grolimund anfragt, Co-Präsident des Schulleiter-Verbandes.

Lehrerinnen und Lehrer fehlten praktisch gar keine, zumindest nicht aufgrund der Einreise-Quarantäne, sagt Scholl. Auch dazu gibt es keine offiziellen Zahlen. «In der letzten Ferienwoche waren die allermeisten Lehrpersonen aber sowieso in der Schule, um den Unterricht vorzubereiten.» Ausserdem seien diese in der Regel so verantwortungsbewusst, dass sie nicht in ein Risikogebiet verreisten oder dann rechtzeitig nach Hause gekommen seien. «Fehlende Lehrpersonen wegen Quarantänepflicht sind im Moment kein Problem», so Scholl. Auch diesen Eindruck teilt Schulleiter-Co-Präsident Grolimund. Sorgen macht sich Scholl hingegen im Hinblick auf den Herbst, wenn die saisonale Grippe kommt und Menschen, die husten, vorsichtshalber zu Hause bleiben müssen, bis die Resultate der Coronatests vorliegen.

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