Rollstuhlschützin Nicole Häusler: Arzttermine statt Paralympics-Eröffnungsfeier

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Immer im Schuss: Nicole Häusler ist statt in Japan in Langenthal anzutreffen, wo sie im Spital arbeitet. (Bild: Manuel Stettler)

Wer sie kennt, weiss: Nicole Häusler versucht, aus jeder Situation das Beste zu machen. Auch jetzt. Hätte das Corona-Virus keinen Strich durch die Rechnung gemacht, wäre die Pfaffnauerin am Sonntag nach Tokio geflogen - sofern sie alle Selektionskriterien erfüllt hätte. In der japanischen Hauptstadt hätte sich die 41-Jährige an den Paralympics mit Schützen aus aller Welt gemessen. Der Quotenplatz für die Olympischen Spiele der Behindertensportler war für die Schweiz gesichert.

Im März wurde der Grossanlass um ein Jahr verschoben. «Das war der richtige Entscheid», sagt Nicole Häusler, «es wäre heuer unmöglich gewesen, einen fairen Wettkampf durchzuführen.» Die Luzernerin, die mit Multipler Sklerose lebt, spricht die unterschiedlichen Trainingsbedingungen an und dass es kaum möglich war, Wettkampfpraxis zu sammeln. In gewissen Ländern waren die Schiessanlagen monatelang geschlossen, «ich hingegen konnte regelmässig trainieren.»

Mehr als geplant auf dem Vorspannbike unterwegs

Für die Paralympics wollte Nicole Häusler den Fokus aufs Luftgewehr legen, griff nun aber doch hin und wieder als Ausgleich zum Kleinkaliber. Und sie absolvierte den internationalen Home-Range-Cup, bei dem sie innerhalb eines Zeitfensters im Schützenhaus ein bestimmtes Pensum schiessen muss und jene Resultate mit anderen vergleichen kann. «Das simuliert zumindest ein wenig den Wettkampfdruck.»

Oft drehte die EM- und WM-Teilnehmerin Runden auf dem Vorspannbike, bei dem man mit den Armen pedalt. Grinsend erzählt sie, dass ihre ohnehin eng geschnittene Spezial-Schiess-Jacke an den Ärmeln vergrössert werden musste. «Das lege ich mir als positiven Effekt der Radfahrten und der Corona-Zeit zurecht», sagt sie. Bei Menschen mit Multipler Sklerose heisse es, sie könnten kaum Muskeln aufbauen, sondern nur erhalten, «da freut mich jeder Millimeter mehr an Armumfang.»

Von der Pandemie war die Luzernerin auch im Job betroffen. Die mehrfache Schweizer Meisterin im Sportschiessen ist im Spital Langenthal als Radiologiefachfrau tätig. «Langsam laufen auch hier die Prozesse wieder einfacher ab.» Ihre Ferien, die für die Paralympics gedacht waren, nahm sie teilweise trotzdem. Statt Wettkämpfe bestreitet sie Arzttermine, die später geplant gewesen wären. «In Gedanken bin ich ab und zu in Tokio», sagt sie, etwa, wenn sie «Sehtest» in die Agenda einträgt, wo zuvor «Eröffnungsfeier Paralympics» stand.

Am Sonntag schiesst Nicole Häusler in Thun die Kleinkaliber-SM. «Tokio habe ich immer noch im Visier, halt erst 2021.»

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