Spätsommer? Gibt es nicht!

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Symbolbild (Susann Basler, TZ)

Ist man noch ein Sommerkind, wenn man wie ich seinen Geburtstag am 10. September feiert? Das Datum ist weder Fisch noch Vogel. Der kalendarische Herbst beginnt am 21. September, der meteorologische bereits am 1. September. Also heute. «Du hast im Spätsommer Geburtstag», versuchten mir meine Eltern jeweils zu erklären. Spätsommer? Ich wollte immer im «richtigen Sommer» Geburtstag haben. Spätsommer klang für mich wie eine Art Trostpreis: «Du hast es nicht ganz in den richtigen Sommer geschafft, aber du warst nahe dran. Vielleicht klappt es im nächsten Leben.» Und sowieso: Den Spätsommer gibt es nicht! Es gibt genau VIER Jahreszeiten. Das wusste schon Antonio Vivaldi. Und in der Pizzeria bestelle ich eine «Quattro Stagioni» und keine «Dodici Stagioni», auf der von jeder Jahreszeit noch eine Früh- und eine Spätversion vorhanden ist. Diese Pizza würde nicht in meinen Magen passen. Und ich esse viel! 

Als Alternative ziehe ich dem Spätsommer viel lieber den Altweibersommer vor. Niemand behauptet hier, es sei eine zusätzliche Jahreszeit. Vielmehr handelt es sich um eine sogenannte Wettersingularität. Das sind meteorologische Phänomene, die häufig zu einer ähnlichen Zeit im Jahr auftreten. Beispiele dafür sind auch das Weihnachtstauwetter und die Eisheiligen. Wenn ich vom Altweibersommer höre oder lese, dann habe ich sofort das Bild eines sonnigen und warmen Tages im September oder Anfang Oktober vor Augen. Dafür, wie das Wort entstanden sein könnte, gibt es mehrere Theorien: 

1. Junge Spinnen produzieren im September und Oktober ihre Flugfäden, die optisch an das Haar älterer Damen erinnern. Im Althochdeutschen sagte man dem Knüpfen von Spinnweben «weiben». 

2. Das Aufflammen des Sommers erinnert an Frauen, die ihre zweite Jugend erleben, welche jedoch nur kurz andauert. Man sprach auch vom «Wittesömmerli». 

3. Der Sommer ist noch da, aber bereits alt und schwach. Deshalb war früher auch «Ähnelsummer» (Grossvatersommer) geläufig. 

Ein deutsches Gericht entschied einst, dass «Altweibersommer» die Würde älterer Damen nicht verletzt. Wer aus politischen Gründen auf den Begriff verzichten will, kann auch die nordamerikanische, geschlechtsneutrale Variante wählen: Indian Summer. Ob Indian Summer oder eben doch Altweibersommer: In der zweiten Hälfte dieser Woche hält er Einzug! Am Wochenende dürfen wir schönes Wetter mit bis zu 25 Grad erwarten. Nun hoffe ich, dass diese Verhältnisse bis nächste Woche Bestand haben. Denn dann kann ich mit Stolz behaupten, dass ich im Altweibersommer Geburtstag feiere. Und sonst ist es halt einfach September. Für mich der schönste Monat im Jahr. Egal, in welcher Jahreszeit er sich befindet. 

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