Schock für rund 500 Mitarbeiter von General Electric im Aargau - ihnen droht die Kündigung!

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Symbolbild (Archiv Keystone)

Wie General Electric, respektive die Sparte GE Grid Solutions, am Freitagmittag mitteilt, soll der Standort Oberentfelden nicht nach Birr verlagert, sondern aufgelöst werden. Es würden 436 Stellen in Oberentfelden wegfallen.

Dazu kommen noch die Arbeitsplätze von 126  Temporärangestellten. Laut Gewerkschaftsinformationen verlieren auch sie ihren Arbeitsplatz. Damit verschwinden total also 562 Arbeitsplätze. 

57 Stellen würden in der Schweiz beibehalten. Diese Stellen stammten hauptsächlich aus den Bereichen F&E, Fulfilment, Commercial sowie Services zur Betreuung der installierten Basis in der Schweiz, schreibt GE.

Noch im Juli hatte GE den Mitarbeitern  am Standort Oberentfelden gesagt, sie  könnten mit  ihren Jobs zum Standort in Birr wechseln. Das wurde aus Gewerkschaftskreisen bekannt. Dass dieses Versprechen nun nicht gilt, begründete GE mit einem grossen erwarteten Auftragsrückgang für 2021: ein Minus von etwa 30 Prozent.  

Ob die Stellen nach Frankreich und andere Länder verschoben werden, wie kolportiert, dazu machte das Unternehmen in der Medienmitteilung keine Angaben. Wiederum aus Gewerkschaftskreisen ist zu hören, dass ein Grossteil der verbliebenen Aufträge von Standort Oberentfelden verlagert wird nach Frankreich. Ein kleinerer Teil geht nach China, Indien und möglicherweise nach Italien. 

Diese Verlagerung nach Frankreich stösst in Oberentfelden aus besonders grosses Unverständnis. In der Schweiz ist man laut Gewerkschaftern der Ansicht, dass die Kollegen in Frankreich "es nicht bringen". Sprich es fehle dort am nötigen Knowhow und  Fachwissen, um die verbliebenen Aufträge auszuführen. Diese Einschätzung stützt sich unter anderem darauf, dass kürzlich ein Projekt aus Frankreich nach Oberentfelden verschoben werden mussten. "Weil sie es in Frankreich nicht  geschafft haben." 

Entsprechend unangenehm muss es den GE-Vertretern gewesen sein, vor die Mitarbeiter zu treten. An der Mitarbeiterinformation war Sicherheitspersonal anwesend. Offenbar hatte GE befürchtet, dass es zu Handgreiflichkeiten kommen könnte. So weit kam es aber nicht. Von Arbeitnehmervertretern heisst es auch: das Management vor Ort trage keine Verantwortung.   

Noch ist der Entscheid offenbar nicht definitiv. Die Massnahme liegt "zur Prüfung" beim Europäischen Betriebsrat des Konzerns. Das Unternehmen hält fest: Die endgültige Entscheidung (...) wird erst dann getroffen, wenn die Konsultationsverfahren des Europäischen Betriebsrats sowie auch auf lokaler Ebene in der Schweiz abgeschlossen sind." Damit wird Ende Jahr gerechnet.

Die Gewerkschaften wollen den Stellenabbau noch komplett verhindern. Weil es in Frankreich ohnehin am industriellen Knowhow fehle, werde eine Verlagerung dorthin den Gesamtkonzern zusätzlich schwächen. Nun müsse der Bundesrat "jetzt endlich Klartext reden mit GE". Es könne nicht sein, dass der Konzern weiterhin industrielles Substanz in der Schweiz zerschlage. Befürchtet wird auch, dass nun die entlassenen Mitarbeiter in der Schweiz noch die Verlagerung ihres  Jobs begleiten sollen.  

Das Unternehmen will vom Stellenabbau Betroffenen eine interne Stellenvermittlung anbieten. Bei vergleichbaren Massnahmen hätten über 90 Prozent der Mitarbeitenden am Ende ihrer Anstellung eine neue Stelle gefunden.

Grund für den erneuten Stellenabbau seien düstere Zukunftsaussichen im Markt, vor allem im Bereich "gasisolierte Schaltanlagen". 

Damit wird ein neues Kapitel geschrieben in der traurigen Geschichte seit der amerikanische Grosskonzern General Electric, vom französischen Riesen Alstom das Gasturbinengeschäft übernommen hat:

  • Mitte 2018 hatte GE angekündigt, dass in Oberentfelden 50 Stellen gestrichen würden. Die restlichen 500 würden im Frühling 2019 nach Birr verlegt, der Standort Oberentfelden werde aufgehoben.
  • Im Dezember 2019 enthüllte dann unsere Zeitung, dass GE das Areal in Oberentfelden verkauft hat. An das Transportunternehmen Dreier AG mit Sitz in Suhr. Die 500 Jobs würden nun doch nach Birr verlagert, allenfalls nach Turgi.
  • Im Februar 2020 hiess es dann: Das Werk in Oberentfelden „laufe sehr gut“, es sei voll ausgelastet und werde deshalb doch nicht geschlossen, die Arbeitsplätze würden nicht nach Birr verlegt.
    Und jetzt, heute Morgen, wurde an einer Mitarbeiterinformation erklärt, dass alles anders ist. Die Geschäfte laufen offenbar schlecht, die Jobs könnten nicht nach Birr verlagert werden, sondern würden wegfallen. Von Mitarbeiterseite her wurde die Information dahingehend gedeutet, dass Teile der Geschäfte nach Frankreich, Indien und China verlegt werden könnten, möglicherweise auch nach Italien.
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