«Die Freizeit der Kinder ist selten wirklich freie Zeit»

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Cornelia Kazis ist Autorin und langjährige Redaktorin von Radio SRF 2 Kultur. Bild: Ute Schendel

Immer mehr, immer schneller, immer effizienter – so heisst die aktuelle gesellschaftliche Maxime. In Zeiten der unfreiwilligen Entschleunigung durch Covid-19 machen alle einschlägige Erfahrungen. Die Volkshochschule Zofingen bringt in Zusammenarbeit mit dem Elternverein Schule & Elternhaus Cornelia Kazis am 23. September nach Zofingen. Sie lädt in ihrem Referat zu einer Denkpause ein und schlägt ganz konkrete Schritte zur Entstressung des Alltags mit Kindern vor. 

Frau Kazis, wie finden Sie Seelenruhe und bleiben gelassen im Alltagsstress? 

Cornelia Kazis: Schon meine Lehrer sahen in mir ein bedächtiges Kind. Meine Eltern fanden meine Bedächtigkeit allerdings bedenklich. Inzwischen weiss ich, dass in der Ruhe viel Kraft steckt. Das sehen natürlich nicht alle so. Ausserdem bin ich nun nicht mehr die Jüngste. Gelassenheit ist eine Qualität der Älteren. Und Zeitreichtum ist der neue Luxus. In diesem Zusammenhang sind Grosseltern Gold wert für die Kinder. 

Haben Sie einen einfach umsetzbaren Tipp für mehr Entschleunigung im Alltag? 

Es gibt mehrere Entschleunigungstechniken. Beispielsweise ein geschärfter Sinn für Prioritäten. Was ist wirklich wesentlich? Und was nur scheinbar dringend? Ausserdem sind Rituale gut, um die zyklische Wahrheit der Zeit erfahrbar zu machen. Immer Wiederkehrendes gibt Geborgenheit und hilft, aus dem Hamsterrad auszutreten. Ein Beispiel: Jeden Freitagnachmittag wird das Brot fürs Wochenende gebacken. Wie schön. Das dauert eine Zeit und freut einen zwei Tage lang. 

Sie schreiben «Das Burnout ist bei den Kindern angekommen». Wie zeigt sich das? 

Der Hamburger Psychiater Michael Schulte Markwort hat dazu ein Sachbuch geschrieben, das mich sehr aufgerüttelt hat. Offenbar häuft sich die Zahl der erschöpften Kinder. Diese Kinder sagen: Ich kann nicht mehr. Ich schaffe das alles nicht! Sie ächzen unter den Leistungsanforderungen unserer Zeit. Und ihre Freizeit ist selten wirklich freie Zeit. Wir müssen dringend aufpassen, dass Kinder nicht einfach zu Zukunftsprojekten gemacht werden, sondern das Recht behalten auf ihren heutigen Tag. 

Wird die Menschheit rechtzeitig merken, dass «immer mehr und immer schneller» nicht ewig so weitergehen kann? 

Keine Ahnung. Ich bin keine Prophetin. Aber ich bin auch keine Pessimistin. Ich denke, der Klimawandel gibt immer mehr Menschen zu denken und auch die aktuelle Pandemie mit den damit verbundenen Verzichten erteilt uns die eine oder andere Lektion. Wichtig ist, dass wir Verzichtleistungen nicht ausschliesslich mit Askese, sondern immer mehr mit Lust verbinden. 

Hinweis

Cornelia Kazis: «Stopp dem Nonstop!» 23. September, 19.30 Uhr, Mehrzweckraum ZU 25, Bildungszentrum Zofingen. Anmeldungen sind bis zum 19. September noch möglich.

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