Pilzkontrolleur W. Siegrist: «Sobald es Frühling wird, zieht es mich in den Wald»

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Walter Siegrist ist oft im Garten und im Wald anzutreffen. Bild: Thomas Fürst

«Nichts», sagt Walter Siegrist und schüttelt den Kopf. Was soviel bedeutet, dass der Pilzkontrolleur aus Vordemwald auf seinem heutigen Waldgang keine Speisepilze gefunden hat. Die Welt der Pilze fasziniert den 79-jährigen Siegrist seit vielen Jahren. Seit seiner Schulzeit, um genau zu sein. «Mein ältester Bruder hat mich immer mitgenommen, wenn er in die Pilze ging.» 

Die Leidenschaft des Bruders hat sich auf Walter Siegrist übertragen. «Sobald es Frühling wird, zieht es mich in den Wald», sagt er. Denn obwohl die eigentliche Pilzsaison erst im August beginnt – Pilzkontrollen werden in der Zeit vom 10. August bis zum 31. Oktober angeboten – Pilze sammeln kann man schon viel früher. Im Frühling sind es die Morcheln, im Sommer dann die ersten Sommer-Steinpilze, welche Feinschmecker und Pilzsammler in den Wald locken. 

Die Ausbeute fiel bislang sehr mager aus 

Dieses Jahr ist die Pilzsaison schlecht angelaufen. «Bis jetzt musste man die Pilze regelrecht zusammensuchen», weiss Walter Siegrist. Und verweist auf die regelmässigen Bestimmungsabende im Verein für Pilzkunde in Brittnau, dem er als TK-Mitglied angehört. «Sehr, sehr wenig Material» hätte an den drei Abenden bestimmt werden können. 

Auch als Pilzkontrolleur von Vordemwald und Murgenthal sei er im Verlauf des Monats August nicht wirklich überlastet gewesen. Gerade einmal fünf Kontrollen habe er vorgenommen. Die Artenvielfalt sei dabei äusserst bescheiden gewesen. «Ein paar Röhrlinge und ein paar Täublinge – das war dann schon alles», sagt Siegrist. Trotzdem: Die Kontrollen waren richtig und wichtig, betont Siegrist. «Es hatte auch ungeniessbare Pilze wie den Schönfussröhrling oder den Gallenröhrling im vorgelegten Sammelgut». 

Pilzsaison noch nicht abschreiben 

Von einem schlechten Pilzjahr 2020 will Siegrist allerdings nichts wissen. «Die Pilzsaison dauert noch lange, da kann noch viel passieren». Momentan (das Gespräch wurde am 3. September geführt) sei der Waldboden viel zu trocken. «Wenn es einmal richtig regnet und es weiterhin warm bleibt, dann kann es immer noch richtig losgehen», ist sich der Pilzkontrolleur sicher. Aber dazu müsse die oberste Schicht des Bodens richtig durchnässt sein. 

Generell lasse sich sagen, dass sich die Pilzsaison in den letzten Jahren länger hinziehe. In den letzten Jahren sei es allgemein länger warm geblieben. Früher habe man etwa Mitte Oktober die letzten Pilze sammeln können, heute lasse sich gut und gerne auch noch Ende Oktober/ Anfang November Pilze sammeln. «Unter der Bedingung, dass kein Frost die Pilzsaison vorzeitig beendet», fügt Siegrist an. 

5500 verschiedene Arten von Grosspilzen 

Selbst für einen erfahrenen Pilzkontrolleur wie Walter Siegrist bietet die Welt der Pilze immer wieder Neues und Unbekanntes. Das ist wenig überraschend angesichts der unglaublichen Vielfalt, kommen doch in der Schweiz etwa 5500 verschiedene Arten von Grosspilzen vor. «Vor etwa fünf Jahren hat mir ein Kollege einen Pilz vorgelegt, den ich nicht kannte», erinnert sich Walter Siegrist. Dabei hätten sich in diesem Jahr im Boowald etliche Exemplare davon gefunden. «Wir fanden schliesslich gemeinsam heraus, dass es sich um den schwefelgelben Röhrling handelte». Seither habe er diesen Pilz nicht mehr gesehen. 

«Es muss eben alles stimmen, damit ein Pilz wächst», betont Siegrist. 

Wobei zu betonen ist: Was man als Pilz bezeichnet, ist nur der Fruchtkörper. Der eigentliche Pilz befindet sich in Form von feinen Fäden, die das Myzel bilden, im Boden oder unter der Rinde von Bäumen. Aus dem Myzel entstehen bei günstiger, das heisst feuchter und warmer Witterung Fruchtkörper, an deren Unterseiten sich Sporen befinden, die abgeworfen werden und im Boden wieder neues Myzel bilden. 

Pilzkontrolle ist das A und O 

Pilze sammeln will gelernt sein. Bei der Bestimmung spielten viele Faktoren eine Rolle, weiss Walter Siegrist. Farbe, Geruch oder Sporengrösse, zusätzliche Anhaltspunkte ergäben sich aus den Nachbarn wie Pflanzen und Bäumen. Auch der Standort eines Pilzes sei wichtig: Wächst er an lebendem oder totem Holz, auf dem Erdboden oder auf anderen Substanzen? Wächst er als Einzelgänger oder in Gesellschaft? «Wer Pilze nicht mit absoluter Sicherheit bestimmen kann, soll sie in jedem Fall dem Pilzkontrolleur vorlegen. Die Pilzkontrolle ist das A und O», betont Siegrist eindringlich. Auch eine Pilz-App ersetze den Pilzkontrolleur nicht. «Was hilft es, wenn die App dem Pilzsammler schlussendlich drei mögliche Pilzarten für einen gefundenen Pilz angibt?», fragt Siegrist rhetorisch. 

Drei Spitaleinweisungen in 25 Jahren 

Er habe vieles erlebt in seinen 25 Jahren als Pilzkontrolleur, gibt Walter Siegrist zu Protokoll. «Die schlimmste Erfahrung ist, wenn man jemanden ins Spital einweisen muss.» Das sei insgesamt drei Mal in 25 Jahren vorgefallen. «Solche Situationen sind für einen Pilzkontrolleur extrem belastend», führt Walter Siegrist aus, denn er müsse dem Spital in kurzer Zeit den richtigen Pilz angeben können, damit dieses das entsprechende Gegengift verabreichen könne. 

Doch zurück zu den schönen Seiten des Pilzsammelns. Er möchte Pilzfreunde dazu aufrufen, gewisse ungeschriebene Regeln einzuhalten, führt Walter Siegrist weiter aus. Es gelte, Pilze mit Mass zu sammeln, sich mit Rücksicht in der Natur zu bewegen und unbekannte Pilze stehen zu lassen. Und natürlich keine rohen Pilze zu essen sowie das Sammelgut dem Pilzkontrolleur vorzulegen. 

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