Neue Studie zeigt: Zuviel Handyzeit schadet dem Schlaf der Kindergärtler

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Da stehen dem Hirnforscher die Haare zu Berge. Das Smartphone raubt Kleinkindern den Schlaf. © Imago Stock&people / imago stock&people

Für den bekannten Hirnforscher, Psychiater und Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm Manfred Spitzer ist der Fall klar: Kleinkinder gehören nicht vor Bildschirme. Das Smartphone sei der grösste Freiheitskiller für Kinder. Und es erzeuge in jedem Alter des Kindes Störungen. Den älteren raube es die Wörter aus dem Hirn, bei den kleinen verursache es Schlafstörungen, sagte er unlängst an der Universität St.Gallen.

Zumindest das zweite bestätigt eine Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), welches den Medienumgang von Vorschulkindern untersucht hat. In dieser Adele+-Studie wurde zum einen analysiert, wieviel Zeit Kinder zwischen vier und sechs Jahren vor einem Bildschirm verbringen, welche familiären Bedingungen den Medienkonsum fördern und welche gesundheitlichen Auswirkungen dieser hat.

Eines der vielen Studienresultate zeigt, dass höhere Handyzeiten wie von Spitzer erwähnt tatsächlich mit häufigeren Schlafproblemen einhergehen. «Möglicherweise wirkt sich die erhöhte Handyzeit negativ auf den Schlaf aus oder umgekehrt können Schlafprobleme zur Folge haben, dass Vorschulkinder mehr Zeit mit einem Handy verbringen», schreiben die Studienautoren. Guter und ausreichender Schlaf ist aber enorm wichtig für die Entwicklung der Vorschulkinder.

Mag das Handy die Schlafqualität negativ beeinflussen, die Analyse ergab aber, dass die Intensität der gesamten digitalen Medien- respektive Bildschirmnutzung, also mit TV und PC, nicht mit dem psychischen oder dem körperlichen Wohlbefinden der Vorschulkinder zusammenhängt. Allerdings wurde auch hier ein schwacher Zusammenhang zwischen der Bildschirmzeit und der Schlafqualität der Kinder gefunden. Aber nicht so stark wie bei der reinen Handynutzung. Eltern sollten also auf die Bildschirmzeiten ihrer Sprösslinge achten, schreiben die Studienautoren, denn wer zuviel vor einem Bildschirm sitzt hat nicht nur Schlafprobleme, sondern oft auch Übergewicht.

Dreimal mehr kreativ als digital

Doch bevor wir nun in Kulturpessimismus verfallen: Die Studie zeigt, dass die Bildschirmpräsenz der allermeisten Vorschulkinder gar nicht so gross ist. Die Kinder verfügen nur selten über eigene Geräte, ihr Alltag ist viel stärker von nicht-medialen Aktivitäten geprägt als von digital-medialen. Mit 5,5 Stunden pro Tag nehmen Spiel, Sport und kreative Tätigkeiten durchschnittlich drei Mal mehr Platz ein als die Bildschirmzeit.

Je höher das Bildungsniveau in einer Familie, umso geringer ist die Bildschirmzeit des Kindergärtlers. Bücher haben bei den 4-6-jährigen die grösste Bedeutung, danach folgen Musik- oder Radiohören und an vierter Stelle das Fernsehen. Vor dem TV verbringen die Kleinen die meiste ihrer Bildschirmzeit, 70 Prozent aller Kinder schauen regelmässig, das heisst täglich, fern.

Verantwortungsvolle Eltern

Zum Schluss des Berichts, der im Auftrag des Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) erstellt worden ist, schreiben die Studienautoren, dass beinahe alle Eltern in der Schweiz ihre Verantwortung bezüglich des Medienkonsums ihrer Kinder wahr nähmen und den Kinder Grenzen setzten. Aber halt nicht alle.

Sie empfehlen grundsätzlich, vor allem vor dem Schlafengehen Bildschirme zurückhaltend zu nutzen. Dem natürlichen Bewegungsdrang der Kinder müsse Raum geboten werden. Da sind die Autoren wieder beim Hirnforscher Spitzer: «Freude, Selbstvertrauen, soziale Bindung. Das bringt’s. Und das muss draussen, im Freien stattfinden.»

Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.

Digitales im Alter

B. Hofer
schrieb am 17.09.2020 13:45
Eine weitere interessante Studie beweist ja auch, dass übermässiger Computer-Konsum im Alter - vor allem bei FrührentnerInnen - zu einer starken «Persönlichkeitsveränderung» führt. Zum Teil wurde festgestellt, dass ProbandenInnen plötzlich eine andere Identität annahmen. Zum Glück sind das laut Studie aber nur wenige Ausnahmen.
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