FC Aarau: Hoch hinaus mit Leon Bergsma

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Leon Bergsma verschafft sich vom Alpzenzeiger einen Überblick über seine neue Heimat Aarau. (Bild: Britta Gut)

Der 2. September 2020 ist der Tag, an dem Donny van de Beek für 45 Millionen Franken von Ajax Amsterdam zum Fussballgiganten Manchester United wechselt. Und es ist der Tag, an dem der vereinslose Leon Bergsma einen Zweijahresvertrag beim FC Aarau unterschreibt.

Zwei Transfers in zwei Welten. Der Berührungspunkt ist die Freundschaft der zwei Spieler. Van de Beek und Bergsma haben 13 Jahre lang Seite an Seite die Jugendabteilung von Ajax Amsterdam durchlaufen. Ein Etikett, das Erwartungen schürt, aber keine Garantie ist für den Schritt in den Fussballhimmel.

«No bad feelings», sagt Bergsma, «ich spielte mit Donny, Frankie de Jong (mittlerweile bei Barcelona; d. Red.) und Matthjis de Ligt (Juventus Turin;. d. Red.). Aber es war klar: Sie sind viel besser als die anderen. Das haben sie dann erstmals bewiesen, als sie mit Ajax 2018 den Europa-League-Final und 2019 den Champions-League-Halbfinal erreicht haben.»

Selbstkritik, aber auch die Frage: «Warum hatte ich keine Chance?»

Beim Treffen mit Bergsma lernen wir einen ruhigen, anfangs etwas scheuen jungen Mann kennen. Doch wenn er spricht, bis auf weiteres will er das auf Englisch tun, dann mit klaren Worten und Gedanken. Zum Beispiel, wenn er die Gründe für die krasse Entzweiung der Wege von ihm und seines Freundes van de Beek zu erklärt: «Das damalige Profiteam von Ajax war ein Level zu hoch für mich. Also ging ich 2018 zu AZ Alkmaar, in der Hoffnung, über diesen Umweg den Sprung in eine Topliga zu schaffen.

Dass es anders kam, lag einerseits an mir, meine Trainingsleistungen waren nicht gerade unwiderstehlich. Aber andererseits: Wie soll ich meine Qualitäten im Wettkampf demonstrieren, wenn man mir keine faire Chance gibt?» Gar absurd sei es mit dem zweiten Trainer in Alkmaar gewesen: Dieser habe sich im Sommer 2019 während der Vorbereitung intensiv mit ihm austauscht, um ihm dann vor dem ersten Saisonspiel zu eröffnen: «Leon, du bist sehr gut. Aber du bist unerfahren, darum spielt ein anderer.»

Klischee bestätigt: «Für uns ist das ein Berg!»

Bergsma beschliesst ein Jahr nach der Unterschrift, Alkmaar zu verlassen. «Anfangs war ich überzeugt, im Nachhinein war Alkmaar ein Fehler.» Doch weil das Transferfenster bereits zu ist, muss er bis im Winter warten: Schliesslich lässt er sich in die zweite holländische Liga zu Den Bosch ausleihen. Sechs Spiele dauert die Rückrunde, vier Mal steht Bergsma in der Startelf, ehe Corona den Fussball auch in Holland zum Erliegen bringt.

Wir fahren mit Bergsma für das Fotoshooting auf den Alpenzeiger, ein Aussichtspunkt mit Blick auf Aarau und Umgebung. «Ganz schön hoch hier oben ...» Wir grinsen, er sagt: «Für uns Holländer ist das ein Berg!» Dann erzählt Bergsma von der Coronapause, und wie in diesen Monaten der Beschluss gereift sei, Holland zu verlassen. «Ein Jahr nach dem Weggang von Ajax war das Interesse noch gross, in diesem Sommer nach der Vertragsauflösung in Alkmaar meldete sich kaum ein Verein. In Holland bin ich abgestempelt als gescheitertes Talent.»

Er habe es kaum erwarten können, vom ersten Interesse aus dem Ausland zu erfahren. Dieses kam ausgerechnet vom FC Aarau – und zwar so: Der Audio- und Videoverantwortliche im Stadion Brügglifeld traf sich wegen der Installation von LED-Werbebanden mit einem holländischen Geschäftsmann. Der wiederum war einst ein hohes Tier bei Ajax und hat bis heute einen engen Draht zu Bergsma. Als ihm der Gast aus Aarau beim Feierabendbier erzählte, dass der FCA dringend einen Innenverteidiger suche, nahm alles seinen Lauf. Kurz darauf landete Bergsmas Dossier auf dem Tisch von Sportchef Sandro Burki, der ihn für einige Probetrainings zum gegenseitigen Kennenlernen einlud und schnell den Vertrag vorbereitete.

Ein 23-jähriger, bei Ajax Amsterdam ausgebildeter Spieler, der ablösefrei zu haben ist und auf den Neustart der Karriere brennt – der FC Aarau musste einfach zugreifen. Spieler dieses Prädikats wechseln normalerweise in die Super League oder in die 2. Bundesliga.

Und wie waren Bergsmas erste Eindrücke? «Ehrlich gesagt war ich skeptisch: Zweite Liga Schweiz? Doch dann war das Niveau im Training sehr hoch, und als wir im ersten Testspiel den letztjährigen Tabellenvierten Kriens mit 5:1 geschlagen haben, entschied ich mich für den Schritt nach Aarau. Ich denke, beide Seiten profitieren voneinander: Für mich ist es eine gute Chance, auf viele Spiele zu kommen und mich zu präsentieren. Gleichzeitig kann ich mit meinen Qualitäten dem FC Aarau helfen.»

Die Schweiz soll zum neuen Lebensmittelpunkt werden

Er traue seiner neuen Mannschaft in der Saison einiges zu, verweist aber auf die dünne Personaldecke: «Ich zum Beispiel bin momentan der einzige gelernte und gesunde Innenverteidiger. Ein paar Neuzugänge würden uns sicherlich guttun: Es kann wegen des engen Spielplans mehr Verletzungen geben, wegen Corona könnte immer mal wieder ein Spieler in Quarantäne müssen, und die vielen jungen, teils noch minderjährigen Spieler brauchen die nötige Zeit.»

Dank Corona, das im unteren Segment die Preise drastisch purzeln lässt, kann sich der FC Aarau Leon Bergsma überhaupt leisten. Er sagt: «Der finanzielle Verlust hält sich in Grenzen, weil in der Schweiz die Steuern viel tiefer sind als in Holland.» Für ihn sei die Challenge League eine Durchgangsstation. Hält Bergsma, was er verspricht, wird der FC Aarau im nächsten Sommer mit ihm Geld verdienen. Spätestens in zwei Jahren will er in eine höhere Liga, am liebsten in die Super League. Denn: «Der Gedanke, länger in der Schweiz zu bleiben, gefällt mir. Im Januar kommt meine Freundin nach, und sie hat angekündigt, für mehr als ein Jahr zu packen.»

Auf der Fahrt zurück zum Brügglifeld will Bergsma wissen, wie wir die anderen Mannschaften in der Challenge League und die Chancen des FC Aarau einschätzen. Auf die Antwort, dass der FC Aarau in diesem Jahr eher nicht zu den Aufstiegsfavoriten gehöre, entgegnet er grinsend: «Abwarten!»

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