Das Aarburger Stimmvolk sagte an der Gemeindeversammlung zweimal deutlich Ja

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Die Aarburger möchten ihr Nostalgie-Bad sanieren. Dies ist eine Aufnahme von 1931. (Bild: Sammlung Heimatmuseum Aarburg)

Pünktlich konnte Gemeindeammann Hans-Ulrich Schär am Freitag 153 Stimmberechtigte zur verschobenen «Sommergmeind unter nicht ganz einfachen Voraussetzungen» in der Mehrzweckhalle Paradiesli begrüssen. Weil die kritische Grenze von 210 Personen nicht erreicht wurde, bei der man den Mindestabstand nicht mehr hätte einhalten können, konnte auf eine allgemeine Maskentragpflicht verzichtet werden. 

Kein Kostendach von 4,8 Mio. Franken für die Badi 

Drei Varianten «Mini – Midi – Maxi» mit Kosten zwischen 3,53 und 6,33 Mio. Franken hatte der Aarburger Gemeinderat dem Souverän an der Gmeind vom 21. Juni 2019 vorgestellt, worauf die Variante Midi ausgearbeitet worden war. «Wir müssen heute ehrlicherweise sagen», gab Gemeinderat Rolf Walser bei der Präsentation des Badigeschäfts zu, «dass unsere Kostenschätzungen zu optimistisch waren». Der Kostenrange zwischen den Varianten sei zwar geblieben, der Kostenrahmen sei aber nach oben gerückt. Ebenso offen deklarierte Walser, dass die Eintrittspreise nach der Sanierung «massvoll angehoben werden». Damit nahm der Aarburger Bauminister allfälligen Kritikern bereits bei der Präsentation des Geschäfts viel Wind aus den Segeln. Mit einer Ausnahme: Seitens der FDP sprach deren Präsident, Werner Steiger, die Kostensteigerung an. «Heute haben wir eine Midi-Variante zum Maxi-Preis.» Es gelte, die Badi zu erhalten, nicht Mehrwert zu schaffen, führte Steiger weiter aus. Deshalb stellte er seitens der FDP den Antrag, für die Badisanierung ein Kostendach von 4,8 Mio. Franken zu schaffen. Einzelne Elemente der geplanten Sanierung streichen – das wollten die Stimmberechtigten aber nicht. Sie erteilten dem Antrag mit 15 Ja- zu 116 Nein-Stimmen eine deutliche Absage. Noch deutlicher – mit 126 Ja- zu 12 Nein-Stimmen folgten sie dem gemeinderätlichen Antrag für eine Sanierung des Nostalgiebads aus dem Jahr 1931 zu Bruttokosten von 6,18 Mio. Franken. Wird kein Referendum ergriffen, soll der Baubeginn im August 2021 erfolgen. Bauende und Eröffnung sind auf Mai/Juni 2022 geplant. 

Aufwertung des Ortsbilds statt «Pflästerlipolitik» 

Beim zweiten gewichtigen Traktandum des Abends setzte sich die Finanz- und Geschäftsprüfungskommission (FGPK) dem gemeinderätlichen Antrag für die Sanierung des Rathauses und den Ausbau des Winkelgebäudes entgegen. FGPK-Sprecherin Daniela Leibbach fand das Projekt grundsätzlich gut und weiterverfolgbar. Angesichts der nicht absehbaren Covid-19-Folgen lehne die Kommission das Projekt aber ab. Seitens des Gemeinderats sprach Dino Di Fronzo hingegen von einem Projekt mit Entwicklungschancen, welches gleichzeitig auch das Ortsbild aufwerte. Zudem würde mit einem Rathausumbau auch ein wichtiges Signal an die Wirtschaft ausgesendet, so der Aarburger Finanzminister. «Damit kann die Wirtschaft in einer Krisensituation gestützt werden.» 

Auf die Dringlichkeit der Sanierung wies mit Peter Gruber eine gewichtige Stimme hin. Als Statiker sei er seit 1984 mit dem Haus beschäftigt, in seinem Gutachten habe er 2007 eine Sanierung gefordert – 13 Jahre lang sei «Pflästerlipolitik» betrieben worden. Wenn man jetzt nichts mache, müsse das Haus ausgekernt werden. «Und das kommt dann viel teurer». Diesem Aufruf schlossen sich die Anwesenden deutlich an – auf eine genaue Auszählung der Stimmen wurde verzichtet. 

Ohne Gegenstimmen passierten alle übrigen Traktanden des Abends. Die beiden Kreditabrechnungen zur Erneuerung Kanalisation und Einführung Teil-Trennsystem Gishalde, Steinrain und Brüschholz, sowie Sanierung Tunnelweg mit Einführung Teil-Trennsystem wiesen dabei eine Kreditunterschreitung, beziehungsweise -überschreitung von 25,4 und 5,6 Prozent aus. 

Gehört, gesagt, gedacht – Die etwas andere Nachlese 

«Buebe» und «Meitli» Auf den ersten Blick erschienen Reto Andres die geforderten 4,8 Mio. Franken für die «Rathaus-/Winkel-Vorlage» viel zu viel Geld. «Die Buebe det vore händ jo en Flick ab, hani z’erscht dänkt», meinte Andres etwas gar salopp. Aber heute finde er die Vorlage gut ausgearbeitet und unterstütze sie. Gemeindeammann Hans-Ulrich Schär nahm die Äusserung wohlwollend entgegen und betrieb als (Gemeinde-)Vater gleich auch noch etwas Aufklärungspolitik. «Es het übrigens ned nume Buebe do vore», gab er zu verstehen und stellte Andres die «Dame in Rot links aussen» als Frau Vizeammann und Nationalrätin Martina Bircher vor. 

Baustellenbericht Wohl noch nie wird man an einer Gemeindeversammlung eine derart euphorische Stellungnahme eines FGPK-Mitglieds zu einer Kreditabrechnung gehört haben, wie sie Walter Wiederkehr zu Traktandum 5 des Abends lieferte. Als Anwohner des Tunnelwegs überbrachte Wiederkehr nicht nur die Zustimmung der Kommission zur vorgelegten Kreditüberschreitung, sondern liess gleich auch noch die Bauzeit Revue passieren. Schlagfertig verdankte Gemeindeammann Schär dem FGPK-Mitglied Wiederkehr denn auch den gelieferten «Baustellenbericht». 

 

Mit fremden Federn geschmückt Seinem Ärger freien Lauf liess an der Gemeindeversammlung Schulpflege-Mitglied Daniel Hochuli. In letzter Zeit seien in der Presse vermehrt Darstellungen aufgetaucht, nach denen Gemeinderat Dino Di Fronzo für die Aufstockung des Doppelkindergartens Paradiesli hauptveranwortlich sei. Er weise darauf hin, dass eine mögliche Aufstockung des Kindergartens schon beim Bau des Kindergartens vorbereitet worden sei. Von der Baukommission um Gemeinderat Rolf Walser. Stimmt: Walser sitzt seit 2006 im Gemeinderat, Di Fronzo seit 2018. Der Kindergarten wurde 2014 gebaut.  

 

Adam Riese 10,98 Mio. Franken brutto bewilligten die 153 Aarburger Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung in gut 2½ Stunden. Ergibt nach Adam Riese den stolzen Betrag von gerundet 71 765 Franken pro Anwesenden. Gut zu wissen, dass die Gemeinde finanziell auf dem richtigen Weg ist, wie Dino Di Fronzo ausführen konnte. «Wir haben zwar stürmische See, aber weil wir die Segel richtig gesetzt haben, kommen wir sehr schnell vorwärts», sprach Di Fronzo den substanziellen Schuldenabbau in den letzten drei Jahren an. (tf)  

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