Sanierung Kugelfang: Bereits 1000 Tonnen Erdreich abgetragen

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Das Erdreich, das zuvor vom Wurzelwerk gesäubert werden muss, wird je nach eingeteilter Klasse abgetragen. Bilder: Emil Stöckli
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Dieser Abschnitt weist sichtlich eine starke Konzentration mit Blei auf.

Wo während rund 80 Jahren Schüsse ins Erdreich hinter den Zielscheiben einschlugen, werden seit einigen Tagen Erdarbeiten ausgeführt. Die mit Blei und andern Schadstoffen belastete Erde wird in verschiedene Deponien abgeführt und der nicht mehr benötigte Zeigerstand abgebrochen (das ZT berichtete am 8 Mai 2020 über das Projekt). 

Vor Jahren stand das Schiesswesen vergleichbar mit dem Schwingsport hoch im Kurs. In der fusionierten Gemeinde Reiden waren nicht weniger als sechs Schützenvereine aktiv. Im Laufe der Zeit schlossen sich die verschiedenen Gewehrsektionen jedoch der Feldschützengesellschaft Richenthal an. Der Pistolenschützenbund Reiden blieb nach wie vor ein eigenständiger Verein. Als Erinnerung an die Blütezeit des Schiesssportes blieben vier, nun unbenutzte Schiessanlagen (Langnau, Reiden, Reidermoos, Richenthal) mit schadstoffbelasteten Kugelfängen zurück. Im Gegensatz zu Langnau reicht bei den drei andern Standorten eine Umzäunung, um die Bewirtschaftung der betroffenen Flächen zu verhindern. Der Langnauer Kugelfang, in der Nähe vom Grundwasservorkommen gelegen, bedarf hingegen gemäss gesetzlichen Vorgaben einer kostspieligen Sanierung. 

Die Triage wird vor Ort vorgenommen 

Im Jahre 2019 besorgte die Firma Porta AG, Sempach, unter Federführung von Projektleiter Adrian Michel, die notwendigen Vorabklärungen. Diese ergaben belastete Flächen in der Landwirtschafts- und teilweise auch in der Waldzone. Besonders bei den Einschusslöchern hinter den Scheiben ist die Schadstoffbelastung gross. Gemäss Nachforschungen befinden sich rund 1,37 Millionen GP-11-, und 210 000 GP-90-Projektile im Erdreich, was einer ungefähren Bleimenge von leicht mehr als 12 000 Kilogramm (Gewicht von zwei ausgewachsenen männlichen afrikanischen Elefanten) entspricht. Seit einigen Tagen wird die mit Schadstoffen belastete Erde mittels eines Baggers abgebaut. Zuvor bestimmt Baustellenleiter Jörg Schlicht von der Porta AG mit der Röntgenfluoreszenz-Methode mit einem speziellen Messgerät die relevanten Schadstoffelemente. «Je nach Ergebnis dieser Messung wird das Erdreich in drei verschiedene Klassen (leicht, mittel oder schwer belastet) eingeteilt und vor Ort mit verschiedenen Farben aus Spraydosen gekennzeichnet», erklärt Schlicht. Diese Triage ist für die Entsorgung, die an drei verschiedenen Standorten erfolgt, wichtig. Ebenso für den Baggerführer der Firma Peyer, Willis­au, damit sich beim Beladen der Lastwagen keine «Mischungen» ergeben. Die stark verschmutzte Erde wird von einer Spezialfirma im zürcherischen Rümlang einer Bodenwäsche unterzogen und in einer grossen Waschanlage ausgeschwemmt und gesiebt. Das zurückgebliebene Blei lässt sich ebenso wie Kies und Sand wiederverwerten. Der Boden beim Langnauer Kugelfang enthält viel Sand, der für die Herstellung von Recyclingbeton benutzt wird. Das Abtragen der Erdmassen ist nicht einfach, müssen doch Wurzelwerk und andere grössere Fremdkörper vor dem Aufladen aussortiert werden. 

Nach erfolgter Sanierung werden noch einmal Kontrollmessungen durchgeführt und anschliessend das betroffene Gebiet rekultiviert. Danach wäre eine eingeschränkte landwirtschaftliche Nutzung möglich. Gemäss Aussagen des zuständigen Gemeinderates Willi Zürcher, soll im Gebiet des ehemaligen Langnauer Kugelfangs eine artenreiche Wiese mit Sträuchern und kleinen Weihern entstehen. 

Damit zur bestehenden Belastungssituation kein zusätzlicher Sanierungsbedarf entsteht, darf ab 2021 nicht mehr direkt in den Boden geschossen werden. Andernfalls entfallen die Subventionen einer Sanierung. Gemeinden, welche ihren Schiessbetrieb aufrechterhalten wollen, haben deshalb in den letzten Jahren künstliche Kugelfangsysteme installieren lassen. Im Inneren der Kugelfangkästen werden die Projektile in Kleinstteile zerlegt. Diese fallen in eine Schublade, die periodisch entleert werden muss.  

Bund und Kanton zahlen mit an die Sanierung

Die Kosten der Sanierungsarbeiten, die nur bei trockener Witterung durchgeführt werden können, belaufen sich auf rund 335 000 Franken. Der Bund steuert dazu 120 000 Franken aus dem VASA-Altlasten-Fonds bei, was einem Beitrag von 8000 Franken pro ehemalige Scheibe entspricht. Als Mitbenutzer der Anlage übernimmt das VBS 15 Prozent der Kosten (zirka 50 000 Franken). Der Restbetrag wird je zur Hälfte vom Kanton Luzern und der Gemeinde Reiden (je 82 000 Franken) übernommen. (i.-)

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