Warum die Prämien trotz Corona nur um 0,5 Prozent steigen werden

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Bundesrat Alain Berset erklärt, wieso die Prämien um 0,5 Prozent ansteigen. © Anthony Anex / KEYSTONE

1. In sieben Kantonen sinken die Prämien

Im Schweizer Schnitt zahlen die Versicherten 2021 rund 1,50 Franken mehr Krankenkassenprämien pro Monat. Das entspricht einem durchschnittlichen Wachstum von 0,5 Prozent. Die mittlere Prämie liegt bei 316,50 Franken. Über die letzten 24 Jahre wuchsen die Prämien im Schnitt um 3,7 Prozent, zuletzt flachte das Wachstum deutlich ab. Die gute Nachricht: In sieben Kantonen sinken die Prämien im nächsten Jahr: Im Aargau, in Appenzell Innerrhoden, Neuenburg, Obwalden, Schaffhausen, Schwyz und Zürich. Stabil bleiben sie in Basel-Stadt und Appenzell Ausserrhoden. Nur im Jura und im Tessin steigen sie über 2 Prozent. In den restlichen Kantonen liegt das Wachstum zwischen 0,1 und 1,6 Prozent. Allerdings gibt es auch innerhalb der Kantone deutliche Unterschiede je nach Versicherer und je nach Alter.

2. Corona-Effekt ist bisher nicht spürbar

Noch zu Beginn der Pandemie vor sechs Monaten warnten Beobachter vor einem massiven Anstieg der Gesundheitskosten. Je nach Schwere des Krankheitsverlaufs bei einem Covid-19-Patienten kostet die Behandlung mehrere zehntausend Franken. Allerdings konnten die Corona-Kosten weitgehend über die Reserven der Versicherer gedeckt werden. Laut Krankenkassenverband Curafutura soll das auch in Zukunft so gehandhabt werden.

Bundesrat Alain Berset weist auf eine zufriedenstellende Entwicklung hin: Die aktuellen Prämien können die bisherigen Ausgaben decken: «Unter dem Strich resultiert im ersten Halbjahr eine Null», so Berset. Inwiefern dies mit dem Verhalten während der Coronakrise zusammenhängt, ist unklar. Im April und im Mai gingen deutlich weniger Menschen zum Arzt und ins Spital, der Bundesrat hat nicht zwingende Eingriffe zeitweise verboten. Wie sich dies auf die Kosten auswirkt, lässt sich nicht abschliessend sagen, weil entsprechende Daten noch nicht evaluiert wurden. Es gibt aber zwei unterschiedliche Wahrnehmungen: Die Spitäler klagen über einen Verlust von rund 2,6 Milliarden Franken zu Beginn der Krise. Gesundheitsminister Berset verweist hingegen auf äusserst stabile Spitalkosten, wie die Zahlen der Krankenversicherer zeigen. So sind die Kosten gegenüber 2019 im ersten Halbjahr nahezu unverändert und die Spitalbehandlungen mehr oder weniger stabil: Im stationären Bereich minus 0,2 Prozent, im ambulanten Bereich plus 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für den Gesundheitsminister ist es deshalb zurzeit kein Thema, die Spitäler für Corona-Verluste abzugelten. «Wenn sich die Situation ändert, müssen wir nochmals darüber reden.»

3. Die Entwicklung der Kosten ist komplett offen

Im Grundsatz gilt: Die Prämien müssen die Gesundheitskosten decken. Dass für 2021 nur ein moderater Anstieg vorausgesagt wird, hat aber nichts mit Corona zu tun. «Die Berechnung der Prämien 2021 erfolgte Corona-neutral», sagt Pascal Strupler, Chef des Bundesamts für Gesundheit (BAG). «Die Versicherer haben keine Corona-Kosten eingerechnet.» Denn das mache auch keinen Sinn. Die Situation lasse sich unmöglich vorhersehen, so Strupler. Falls ein Impfstoff oder ein Medikament plötzlich verfügbar sei, ändere sich die Ausgangslage.

4. Einzelne Massnahmen schenken zwar ein, die Gesundheitskosten wachsen trotzdem

Bereits in den letzten zwei Jahren sind die Prämien im Schnitt nur wenig gestiegen. Zwei Massnahmen wirken besonders: Der Bundesrat hat sowohl die Medikamentenpreise gesenkt und spart so laut eigenen Angaben über eine Milliarde Franken pro Jahr. Zweitens beziffert er den zweiten Eingriff in den Ärztetarif Tarmed mit Einsparungen von bis zu 500 Millionen jährlich. Das entspricht gemäss Berset rund 6 Prämienprozenten. Für den Bundesrat und die meisten Parteien ist damit die Arbeit nicht getan, sie fordern weitere Reformen. Zwei Massnahmenpakete des Bundesrats sind unterwegs: Das Parlament berät über eine weitere Senkung von Medikamentenkosten und der Bundesrat schlägt eine Kostenbremse vor. Beide Pakete könnten laut Angaben von Bundesrat Berset zusammen eine weitere Milliarde jährlich einsparen. Nur sind auch beide Pakete höchst umstritten. Sicher ist nur: Die Kosten im Gesundheitswesen wachsen weiter.

5. Den Krankenkassen geht es (fast zu) gut

Dass die Krankenkassen über so gute Reserven verfügen, ist ein gutes Zeichen: Sie sind für Notfälle gerüstet und können auf Schwankungen reagieren. Doch die 11 Milliarden, welche die Versicherer an Reserven angespart haben, sind laut Berset zu viel: Die Kassen könnten so vier Monate ohne Prämienzahlungen überleben. «Das ist sogar in unsicheren Zeiten zu viel», sagt Berset. «Zwei oder drei Monate würden ausreichen.» Deshalb habe der Bundesrat eine Verordnungsänderung beantragt: Er will die Versicherer dazu bringen, die Reserven zugunsten der Versicherten abzubauen. Berset: «Wir bitten die Versicherer so knapp als möglich zu kalkulieren und die Prämien nicht allzu stark zu erhöhen.» Denn unter den Versicherern hat sich eine Mode eingeschlichen, die dem Bundesrat nicht gefällt: Anstatt die Prämien möglichst knapp zu berechnen, zahlen die Versicherer den überschüssigen Betrag des Vorjahres an ihre Versicherten zurück. Aktuell geht es um 211 Millionen Franken. Berset: «Wir versuchen, das zu verhindern, weil es für die Prämienzahler nicht transparent ist.»

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