Kleine Aargauer Firma trotzt Corona mit Yachtferien – das kommt auch bei Stars an

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Natalya und Adrian Walker vermieten Yachten, wie diesen Katamaran vom Typ Lagoon 42, hier auf dem Mittelmeer vor Griechenland. © Zur Verfügung gestellt

Adrian Walker ist ein weit gereister Mann. «Ich habe auf allen fünf Kontinenten gearbeitet und gelebt», sagt der Aargauer mit Wurzeln in England. Australien, Thailand, Indonesien, Kolumbien, Mexiko, England, Spanien, USA – Walker ist nicht nur weit herumgekommen, sondern spricht auch fliessend Englisch, Spanisch, Deutsch und Französisch.

Doch zum Tourismus kam der diplomierte Wirtschaftsprüfer über Umwege. 2013 beginnt Walker mit seinem MBA am Imperial College in London und lernt Natalya kennen. Heute sind sie verheiratet, haben zwei Buben und sind seit 2017 selbstständig.

Sie hätten zuvor beide für Grossunternehmen gearbeitet, er für Price Waterhouse Coopers, sie für eine grosse Eventagentur in England. «Wir waren beide erfolgreich, wurden befördert, aber zugleich war uns irgendwie langweilig», erzählt Adrian Walker. Also ging es ab ins Abenteuer Selbstständigkeit.

Die Nische gefunden

«Wir hatten die gleiche Leidenschaft für Wassersport, das war der Startpunkt», erinnert er sich. Lange, bevor sie sich kennen lernten. Natalya segelte, Adrian besass ein kleines Motorboot. Nach ihrer Ausbildung wollten sie Ferien machen. Auf dem Meer in Frankreich, auf einer Yacht. Ein schwieriges Unterfangen, wie sie feststellen.

Nicht, weil es zu wenig Angebote gibt, aber keines passte. Da war zum einen eine Plattform für Superyachten. Eine Woche kostet da schnell 20000 Franken und mehr. Dazu fehlte ihnen das nötige Geld. Auf der anderen Seite gibt es die Massenplattformen. Zig tausend Anbieter, kaum vergleichbar, weil die Qualität der Boote so stark variiert.

Natalya und Adrian Walker sind sie verheiratet, haben zwei Buben und sind seit 2017 selbstständig.

Natalya und Adrian Walker sind sie verheiratet, haben zwei Buben und sind seit 2017 selbstständig. © Zur Verfügung gestellt

Genauso wie die Kostentransparenz oder die Versicherungsleistungen. «All diese Plattformen haben das Ziel, zum nächsten Airbnb zu werden», sagt Walker. Sie funktionieren über Masse. Für ihn ein No-Go im Premiumsegment.

Sie hatten also ihre Nische gefunden: Individualreisen auf Premium- Yachten – und das ab 6000 Franken pro Woche für eine vierköpfige Familie. Gegen oben sind den Preisen kaum Grenzen gesetzt, auch Boataffair vermietet zum Teil Superyachten. Ein Yachttrip von vier Stunden oder eine wochenlange Tour durch die Malediven: Das Unternehmen der Walkers berät und organisiert in jedem Fall.

Boataffair peilt im Coronajahr bis zu 1500 Vermietungen an

Der Anspruch ist immer derselbe: «Wir haben nur Qualitätsyachten im Angebot. Die sind nicht älter als zehn Jahre, gut unterhalten, gut versichert und mit einer Top-Crew ausgestattet.» Und sie zeigen jedem Interessenten transparent die Kosten auf.

Die ersten Yachtvermieter haben sie selbst ausgesucht. Ihre Partner sucht man auf den grossen Plattformen, den Airbnb-Nacheiferern, meist vergebens. Auch jetzt noch, da sie Ferien auf über 2000 Yachten in 60 Ländern (auch in der Schweiz) anbieten und rund zehn Mitarbeitende haben. Nur sie beide und ein Praktikant arbeiten in der Schweiz. Der Rest ist über den Globus verstreut.

Boataffair wuchs schnell. Im Startjahr 2017, vermietete die Firma bloss einige Dutzend Yachten, schon im Folgejahr waren es rund 200, dann 400 und jetzt, im Coronajahr, peilen die Walkers 1000 bis 1500 Vermietungen an. Wie ist das möglich? Mit viel Mut und Einsatz, finanzieller Unterstützung und ein bisschen Glück. «Zu Beginn hatte ich einige schlaflose Nächte», gesteht Walker. Aber schon nach wenigen Monaten finden sie einen Privatinvestor, der auch gleich mit einsteigt.

Regelmässige Anfragen von Hockeyspielern

Und dann hatten sie 2018 auch ein Quäntchen Glück. Eine Reiseagentur, die Ferien für NHL-Stars organisiert, stiess auf der Suche nach einer Yacht auf Boataffair. Die Walkers organisieren für den Hockeyspieler Victor Hedman eine Motoryacht in Split.

Und der schwedische Verteidiger in Diensten des neuen Stanley-Cup-Siegers Tampa Bay Lightning ist begeistert von seinen Ferien vor Kroatiens Küste. Seither erhalten die Walkers regelmässig Anfragen von Hockeyspielern. Zuletzt vermieteten sie eine Superyacht der Marke Ferretti für drei Tage und 20000 Franken an zwei NHL-Stars.

Corona verstärkt den Trend zu kleineren, privaten Booten

Das sogenannte B2B-Geschäft, also das Geschäft in Zusammenarbeit mit anderen Agenturen und Reiseanbietern, hat seither an Bedeutung gewonnen. Erst im Juli haben die Walkers mit dem Schweizer Schiffsreiseanbieter Kuoni Cruises einen Exklusivvertrag abgeschlossen. Geschäftsführerin Cornelia Gemperle sagt: «Wir registrieren im Schiffsreisen-Segment einen Trend hin zu Reisen auf kleineren Booten und Yachten.»

Kuoni Cruises hat schon vor zwei Jahren angefangen, Angebote für 12 bis 34 Gäste ins Sortiment aufzunehmen. Dann kam die Coronapandemie und verstärkte den Trend hin zu noch kleineren Booten. Und so sind die Yachten aus dem Netzwerk von Boataffair derzeit gefragt wie noch nie. Der Privatsphäre wegen. Weil man die Möglichkeit hat, die Route selbst zu bestimmen, gar nie anzulegen oder nur in sonst kaum besuchten Buchten.

Und weil man auf allen Yachten ein rigoroses Schutzkonzept einhält. Alle Crews sind geschult in Bezug auf Hygienevorschriften. Sie werden ausserdem regelmässig auf das Coronavirus getestet. Die Boote werden peinlichst genau geputzt, die Bettwäsche wird vakuumverpackt angeliefert und selbst für den Fall einer Erkrankung eines Gastes gibt es ein genaues Protokoll.

Auf der Yacht statt im Hotel: Vermietung auch im Lockdown

Schon vor Corona lief das Geschäft von Boataffair gut. Bis zu zwölf Anfragen kamen pro Tag rein. Dann kam der Lockdown und eine Zeit der Ungewissheit. Aber schon in dieser Zeit hätten sie eine Yacht auf den Malediven an eine reiche Familie vermieten können, so Walker. Diese Leute hätten es vorgezogen, sechs Wochen auf einer Privatyacht zwischen den Inseln umherzutuckern, statt sie in einer Hotelanlage mit vielen anderen Leuten zu verbringen.

Seit Ende des Lockdowns brummt der Motor wieder. Boataffair macht so viel Umsatz wie noch nie. Wobei der grösste Teil im Ausland anfällt. Lediglich 10 bis 15 Prozent des Umsatzes erzielen sie im Heimmarkt Schweiz. Aber das soll sich ändern. Hier gibt es zahlungskräftige Kunden. Und je länger Corona das Leben einschränkt, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass Leute auf ein Angebot wie jenes von Boataffair einsteigen.

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