Kein Turnfest in Zofingen: Das vernünftige Herz schlug stärker

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Verbindlichkeiten, finanzielle Risiken und die unsichere Planungslage zwangen Philipp Moor und sein OK-Team zur Turnfest-Absage. (Bild: Michael Wyss)

Das Kreisturnfest Zofingen ist Geschichte, bevor es überhaupt stattgefunden hat. Nachdem der ursprünglich im Juni 2020 geplante Anlass der Kreisverbände Zofingen, Brugg und Aarau-Kulm wegen der Coronapandemie bereits Ende März um ein Jahr verschoben wurde, zog der organisierende STV Vordemwald nun definitiv die Notbremse.

Philipp Moor, der das OK mit seinem Bruder Mathias im Co-Präsidium leitet, macht keinen Hehl daraus, dass dieser Entscheid weder ihm noch seinen Mitstreitern einfach gefallen sei. «Bei uns schlagen zwei Herzen in der Brust», sagt er, «hier das Turnerherz, das meint, wir müssen etwas für unsere Sportart machen und dadurch wieder ein weiteres Stück zur Normalität zurückkehren. Auf der anderen Seite pocht das Vernunftherz, immerhin tragen wir eine gewisse Verantwortung gegenüber unserem und den teilnehmenden Vereinen.»

Mehrere triftige Gründe führten zur Absage
Obwohl sich der Entscheid aufgrund der jüngsten Pandemie-Entwicklungen abgezeichnet hatte, liessen die OK-Mitglieder nichts unversucht, um das Turnfest in einem abgespeckten Rahmen doch noch durchführen zu können. «Wir haben an alle Eventualitäten gedacht und die Szenarien durchgespielt. Es handelt sich hier aber um höhere Gewalt, da kann man nichts machen», sagt Philipp Moor.

Am Ende gaben mehrere Gründe den Ausschlag für die Absage. Auf dem Turnfestgelände hätten verschärfte Hygienevorschriften umgesetzt und Schutzkonzepte eingehalten werden müssen – im Wissen, dass sich die Lage trotzdem ständig ändern kann. Mit der geplanten Infrastruktur hätte das Teilnehmerfeld auf einen Fünftel reduziert werden müssen, zudem wären keine Festaktivitäten erlaubt gewesen. Die enormen Mehrkosten hätten dem STV Vordemwald einen beträchtlichen finanziellen Verlust beschert.

Und weil mehrere Lieferanten noch in diesem Jahr eine verbindliche Zusage forderten, blieb dem OK nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beissen. «Unter Berücksichtigung dieser Aspekte war es für uns keine Option, länger zu warten und zu hoffen, dass sich die Situation zu Beginn des nächsten Jahres bessert», sagt Philipp Moor.

Selbst eine erneute Verschiebung um ein Jahr kam nicht in Frage. «2022 findet das Aargauer Kantonalturnfest in Wettingen statt», sagt Moor, «und unser Kreisturnfest weiter rauszuschieben ergibt keinen Sinn, weil die Stadt Zofingen einen Teil ihrer Anlagen demnächst sanieren möchte.»

Hoffen auf finanzielles Entgegenkommen
Mit der Absage entgehen dem STV Vordemwald, der heuer sein 125-Jahr-Jubiläum feiert, auch budgetierte Einnahmen. Nur schon die gemeldeten 5900 Festkarten bei den Aktiven und 2800 bei den Jugendlichen hätten für einen stattlichen Betrag in der Kasse gesorgt. Stattdessen bleibt der Organisator auf Auslagen im mittleren fünfstelligen Bereich sitzen. «Wir mussten einige Dinge wie die Leiterpreise bereits bestellen», sagt Philipp Moor.

Der 45-jährige Hägendorfer hofft, dass sie diese Auszeichnungen verkaufen können und dass man vom Sport-Stabilisierungspaket, für das der Bundesrat im Mai die rechtlichen Grundlagen verabschiedet hat, einen Unterstützungsbeitrag zugesprochen erhält. Ausserdem stellt Moor den angemeldeten Vereinen die Solidaritätsfrage: «Wie stark kommen sie uns beim Start- und Haftgeld entgegen?», sagt er.

Als «Alles für die Katze» will Philipp Moor die zweieinhalb Vorbereitungsjahre nicht bezeichnen. «Wir haben noch nie so viel in Sachen Organisation gelernt wie jetzt», sagt er. Im OK seien viele junge Leute dabei, die dieses Wissen weitertragen werden. Und mit etwas Glück kann der STV Vordemwald 2021 dennoch als Gastgeber amten. «Es laufen Überlegungen, einen kleineren Anlass durchzuführen», sagt Moor, «das sind wir dem Verein und dem Turnsport irgendwie schuldig.»

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