Neue Besen kehren gut – oder etwa doch nicht? – MIT AUDIO

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Pascal Kamber vs. Michael Wyss.

Pascal Kamber: Letzten Donnerstag hat sich der FC Rothrist von Trainer Oscar Muino getrennt und ihn durch Nicola Nocita ersetzt. Obwohl der Schritt des Zweitligisten nach den ungenügenden Resultaten nicht überrascht, bezweifle ich, ob er auch Sinn macht. Mir scheint, dass sich die Rothrister Verantwortlichen zu stark von der Panik um den möglichen Abstieg in die 3. Liga – der bei einem coronabedingten Saisonabbruch in der Winterpause drohen würde – haben leiten lassen. Nicola Nocita ist dazu verdammt, ab sofort Erfolg zu haben. Wie er das mit einem Team schaffen will, die er weder in- und auswendig kennt noch sportlich bisher den hohen Erwartungen gerecht geworden ist, bleibt sein Geheimnis. Die erste Gelegenheit, über den Strich zu klettern, haben Nocita und Rothrist beim 1:3 gegen den FC Oftringen vergeben. Was ja irgendwie beweist, dass neue Besen nicht immer automatisch gut kehren.

Michael Wyss: Spezielle Situationen erfordern spezielle Massnahmen – und Erfahrungen mit einer Pandemie wie Corona hat nun einmal niemand. Deshalb kann ich irgendwie nachvollziehen, dass die Angst vor dem Abstieg beim FC Rothrist grösser ist als sie normalerweise wäre. Ob neue Trainerbesen immer gut kehren, bezweifle ich auch, aber oft bleibt den Vereinen kaum eine andere Möglichkeit. Obwohl die Aussage, dass man ja schlecht die ganze Mannschaft austauschen kann, so alt ist wie die Erkenntnis, dass der Ball rund ist, steckt auch ein Funken Wahrheit drin. Der Trainer ist nicht unbedingt das schwächste Glied, aber es ist einfacher eine Person zu ersetzen als fünf oder noch mehr. Eine Erfolgsgarantie ist das keineswegs, wie die Sportgeschichte zeigt, aber es ist eine Möglichkeit, etwas anderes zu versuchen. Führt der eine Weg in eine Sackgasse, ist es ratsam, es mit einem anderen Weg zu versuchen.

pka: Leider ist es meistens die naheliegendste Option. Im Gegensatz zum Profifussball, bei dem in finanzieller Sicht deutlich mehr auf dem Spiel steht, stört mich aber, dass auch im Amateurbereich bei jeder Baisse schnell die Rufe nach einem Trainerwechsel laut werden. Erstens sollte auf diesem Niveau der Hobbygedanke im Vordergrund stehen, und zweitens dürfte der Mann von der Seitenlinie hier einen begrenzteren Einfluss haben als jene, die dieses Amt hauptberuflich ausüben. Ich bin ohnehin der Meinung, dass man mit Geduld und Vertrauen mehr erreicht als mit kurzfristigen Entscheidungen, die man nur trifft, weil sie eben zur gängigen Methode gehören. Und: Natürlich schmerzt ein Abstieg. Manchmal macht ein Schritt zurück aber mehr Sinn, um danach erfolgreich vorwärts zu marschieren. Im Falle des FC Rothrist könnte so der Nachwuchs behutsam im Fanionteam aufgebaut werden, ohne jedes Wochenende einem hohen Druck ausgesetzt zu sein.

mwy: Das mag grundsätzlich stimmen, aber wer vor der Saison mit soviel Vorschusslorbeeren geschmückt worden ist – ob der Verein das selbst iniziiert hat oder nicht, spielt eigentlich keine Rolle –, von dem muss auch etwas kommen. Die Gründe für die unerwartete Talfahrt dürften wie immer vielschichtig sein, was das Ganze kompliziert macht. Da ist es doch am einfachsten, sich vom am ehesten als Schuldigen auszumachenden Trainer zu trennen und damit die Gemüter im Umfeld etwas zu beruhigen. Ausserdem nimmt man damit den Spielern für die Zukunft die Berechtigung, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Deine romantischen Vorstellungen vom reinigenden Abstieg oder vom Hobbysport gefallen mir, sie entsprechen aber meines Erachtens nicht ganz der Realität. Die 2. Liga ist nahe am interregionalen «Geschäft» und das liebe Geld ist schon in der sechsthöchsten oder vierttiefsten Liga ein Thema. Ob das gut ist, sei einmal dahingestellt.

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