Die Aargauer suchen im Homeoffice-Zeitalter geräumigere Wohnungen: So verändert Corona die Wohn-Nachfrage

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Zu wenig Platz in den eignen vier Wänden? Aargauer suchen momentan nach grösseren Wohnungen – Grund dafür ist auch das Homeoffice. © Getty Images
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Je mehr Homeoffice, desto wichtiger wird für die Menschen eine gute Wohnsituation – möglichst noch mit etwas Garten. © Getty Images

In den vergangenen Monaten haben viele mehr Zeit daheim verbracht als in der Vergangenheit. Das dürfte sich in naher Zukunft nicht ändern, ist die Einschätzung im neusten Immobilien-Monitoring von Wüest Partner. Mehr Homeoffice sowie weniger Freizeitaktivitäten ausserhalb der eigenen vier Wände – das seien die Hauptgründe, weshalb wir vorerst häufiger zu Hause sein werden. Die Studienautoren gingen nun der Frage nach, wie dies die Ansprüche und das Suchverhalten auf dem Wohnungsmarkt ändert.

Das Ergebnis: 50 Prozent derjenigen, die im Homeoffice waren, sind häufiger nicht so zufrieden mit ihrer Wohnsituation wie Personen, die weniger zu Hause tätig waren. Dies zeigt die Befragung vom Juni. Vor allem in Bezug auf die Geräumigkeit von Mietwohnungen war die Zufriedenheit bei den Homeoffice-Leuten geringer. Dies führte im Mietwohnungsmarkt aber (noch) nicht dazu, dass sich viel mehr Personen nach neuen Mietwohnungen umsehen. Warum? Der Studienverantwortliche Robert Weinert: «Viele Unzufriedene könnten davon ausgehen, dass vermehrtes (zwingendes) Homeoffice nicht auf ewig nötig sein wird.»

Angebot im Aargau immer noch relativ günstig

Das neuste Monitoring bestätigt indes eine stark gestiegene Nachfrage nach Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern (vgl. Box). Ein Vergleich zeigt, dass im Aargau trotz deutlicher Preissteigerungen der letzten Jahre immer noch viel mehr bezahlbare Einfamilienhäuser (unter einer ­Million) im Angebot sind als in den Grossräumen Zürich/Zug/Schwyz, Luzern, im Arc Lémanique und in touristischen Topregionen.

Die Gründe für das stark gestiegene Interesse erklärt sich Wei­nert so: Zum einen bieten Wohneigentumsobjekte im Schnitt mehr Geräumigkeit, was aktuell – aufgrund von Homeoffice – vermehrt gefragt ist. Zum andern bieten Einfamilienhäuser privaten Platz im Freien. Förderlich sind auch die anhaltend tiefen Zinsen. Deshalb, so Weinert, «bleiben die Finanzierungskosten von Wohneigentum auf absehbare Zeit vielerorts tiefer als die Mieten».

Aargau: Mehr Zahlungen mit Debitkarte und Bargeld

Corona hat auch das Konsumverhalten verändert. Auch bezüglich Zahlart. Im Lockdown wurde erstmals mehr Geld mit der Kreditkarte für Onlinebestellungen ausgegeben als im stationären Handel. Dieser hat sich seither sehr gut erholt. Davon, dass viele Ferien oder Tagesausflüge in der Schweiz machten, profitierten Appenzell Innerrhoden (Alpstein), Glarus und Nidwalden besonders stark. Überdurchschnittlich mehr wurden auch im Aargau Debitkarte und Bargeld gezückt. Robert Weinert: «Das führe ich auch auf deutlich mehr Tagestouristen zurück. Und die Einheimischen blieben häufiger zu Hause und haben hier ihr Geld ausgegeben.» Zu den Verlierern zählen hier Zürich, Waadt und Genf. Sie wurden von Touristen eher gemieden.

Coworking-Plätze: Aarau unter den Top 20

Homeoffice meint nicht nur den Arbeitsplatz zu Hause. Das kann irgendwo sein. Das Bedürfnis nach mehr Flexibilität und weniger Pendlerzeit wächst, die Bedingungen für das Arbeiten zu Hause sind jedoch nicht für alle optimal. Deshalb erwarten die Wüest-Partner-Spezialisten, dass das Interesse an alternativen Arbeitsplätzen, Coworking-Spaces, wächst. Sie führen eine Rangliste der Angebote, die von der Stadt Zürich angeführt wird. Mit Abstand folgen Lausanne und Genf. Gerade noch in die Top 20 schafft es Aarau als einzige Aargauer Gemeinde (Platz 20). Da hat es noch Potenzial.

Wertschöpfungsrückgang im Aargau weniger schlimm

Wüest Partner hat bezüglich Wertschöpfungsrückgang im Jahresvergleich per Ende Juli 2020 eine Rangliste der Kantone erstellt. Die Aargauische Kantonalbank (AKB) rechnet bekanntlich mit einem unterdurchschnittlichen, coronabedingten BIP-Verlust im Aargau. Tatsächlich zeigt die Studie für den Aargau per Ende Juli 2020 einen Rückgang von «nur» rund 4,3 Prozent. Am wenigsten traf es Basel (die Pharma brummt) mit minus 3 Prozent.

Die Erholung der Gesamtwirtschaft vom Lockdown manifestiert sich nicht überall ­gleichermassen, so die Studie. Während die wertschöpfungsstarke Pharmaindustrie und ebenso die Finanz- und Versicherungsdienstleister vielerorts positive Geschäftszahlen vorlegen, ist die aktuelle Ausgangslage für andere Betriebe weiterhin existenzbedrohend. Im Gastgewerbe, in der Unterhaltungsindustrie, im Transportwesen sowie bei der – im Aargau besonders starken – exportorientierten Maschinenindustrie sind die Nachfragerückgänge «noch nicht kompensiert und damit für viele Betriebe einschneidend».

Häuser noch teurer, Mieten sinken

Das Angebot leer stehender Wohnungen in absoluten Zahlen ist bekanntlich im Aargau am grössten. Die höchste Leerstandsquote hat aber Solothurn (3,22 Prozent), gefolgt vom Tessin (2,71) und vom Aargau (2,65).

Vom zweiten Quartal 2019 bis zum zweiten Quartal 2020 zeigen sich in allen Aargauer Wirtschaftsregionen leichte Preissteigerungen bei Transaktionen von Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern.

Bei Letzteren rechnet Wüest Partner gesamtschweizerisch 2021 mit einer weiteren Verteuerung für Kaufwillige im Schnitt von 1,5 Prozent, in der Nordwestschweiz gar von 1,6 Prozent. Bei den Eigentumswohnungen dürften die Preise in der Nordwestschweiz 2021 um 0,9 Prozent steigen, bei den Angebotsmieten wird ein Minus von 1,2 Prozent erwartet. (mku)

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