Experten warnen: In zwei Wochen sind alle Spitalbetten voll

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Schon bald könnten in der Schweiz alle verfügbaren Betten auf der Intensivstation belegt sein. © CH Media

Er habe «leider keine guten Nachrichten», sagte Andreas Stettbacher, Delegierter des Bundesrates für den Koordinierten Sanitätsdienst (KSD). Er präsentierte am Dienstag vor den Medien die aktuellen Spitalauslastungszahlen. Die schlechten Nachrichten bedeuten hierbei: Die Betten werden voller. Konkret führte Stettbacher aus, dass die Akutbetten bei gleichbleibender Dynamik noch 14 Tage ausreichen würden, die Intensivbetten gar nur noch 11 Tage – hier aber nur, wenn die Kapazität von knapp 1000 auf 1400 erhöht werde.

Martin Ackermann, Präsident der Wissenschafts Task Force, rechnete vor: «Wenn wir 200 zusätzliche Betten schaffen, gibt das eine Entspannung für 32 Stunden.» Für Ackermann gibt es «keine Alternativen zu einschneidenden Massnahmen.» Die Schweiz sei jetzt bezüglich den Fallzahlen ähnlich wie bei der Situation Mitte März – also kurz bevor der Bundesrat den Lockdown verhängte. Anders als damals reduziere die Bevölkerung aber ihren Bewegungsradius nicht genügend: Eine Auswertung der Bewegungsdaten vergangene Woche habe gezeigt, dass Herr und Frau Schweizer bezüglich Mobilität ihr Verhalten nur um 25 Prozent gegenüber der Vorpandemiezeit einschränken. Darum seien jetzt weitere Massnahmen nötig: «Wir haben keine Zeit zu verlieren.»

Ohne Massnahmen leidet die Wirtschaft auch

«Die jetzige Situation ist für die Wirtschaft Gift», sagte Jan-Egbert Sturm, von der Konjunkturforschungsstelle KOF und Mitglied der Task Force. Er mahnte, dass es der Wirtschaft unter Umständen sogar mehr schade, wenn nun keine Massnahmen ergriffen werden. «Die ausländischen Gäste bleiben aus, wenn wir nichts dagegen machen und auch wir schränken unsere Reisefreiheit ein», so Sturm.

Auch forderte er die Bevölkerung auf, sich stärker einzuschränken: «Wir können uns immer noch treffen – einfach virtuell.» Das seien zwar gravierende Einschränkungen, aber es sei immer noch besser als die Auswirkungen, wenn man die Pandemie einfach geschehen lasse und die Wirtschaft an die Wand fahre. Er nannte das Beispiel Schweden, wo die Wirtschaft auch ohne grössere Einschränkungen grossen Schaden erlitten habe. Auf die Nachfrage, ob sich die Schweiz weitere Hilfspakete leisten könne, sagte Sturm, dass er zwar einen Anstieg der Verschuldung beobachte, aber das könne die Schweiz in den nächsten Jahren gut abbauen.

«Die Kommunikation muss transparent bleiben»

Auch ein Mahner in der Runde war Thomas Steffen, Kantonsarzt Basel-Stadt, aber er zeigte sich optimistischer. «Wir müssen es nicht schönreden: In den nächsten Wochen werden noch schwierige Zeiten kommen. Wir haben aber noch die Möglichkeit gut durch diesen Sturm zu kommen.» Steffen richtete sich auch ganz konkret an die Kritiker der Massnahmen: «Manche neigen dazu, die Planken aus dem Schiff zu reissen und dann zu hoffen, dass da weder Schiff noch Sturm sind.» Er kritisierte aber nicht nur die Kritiker, sondern auch die Behörden: «Es ist wichtig, dass die Kommunikation weiter transparent bleibt und nicht zu einem Teil der Krise wird.»

Immerhin etwas bessere Nachrichten konnte Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), präsentieren. Eine Konkurswelle sehe man derzeit anders als eine zweite Pandemiewelle nicht anrollen. Er stellte auch in Aussicht, dass die Umsetzung des Härtefallfonds beschleunigt und dieser schon vor Februar eingesetzt werden könnte. Dieser soll etwa Betriebe in der Gastronomie oder im Kulturbereich unterstützen. Ebenfalls sieht Zürcher derzeit keine Notwendigkeit für weitere, neue Massnahmen für die Wirtschaft.

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