Eine 126-jährige Geschichte geht zu Ende

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Der Vorstand des Gemeinnützigen Frauenvereins Zofingen (von links): Laura Kost (Kassierin), Erika Spataro (Beisitzerin), Irène Zimmerli (Vizepräsidentin), Silvia Schweizer (Aktuarin). Es fehlt: Silvia Zimmermann (Präsidentin). (Bild: kpe)

Ende Jahr ist Schluss: Die Brockenstube des Gemeinnützigen Frauenvereins Zofingen beim Pulverturm schliesst ihre Türe definitiv. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Die Schliessung der Brocki ist die logische Konsequenz der Vereinsauflösung, die voraussichtlich im März 2021 an der Generalversammlung beschlossen wird.

Gegründet wurde die Sektion Zofingen im Jahr 1894 – eine 126-jährige Geschichte scheint nun ihr Ende zu finden. Kassiererin Laura Kost (62), die seit 19 Jahren Vorstandsmitglied ist, sagt dazu: «Das tut uns Vorstandsfrauen weh. Viele schöne Freundschaften sind durch den Verein entstanden.» Ausserdem hatten sie immer das Gefühl, in ihrer Freizeit etwas Sinnvolles zu tun. «Wir konnten unbürokratisch Soforthilfe leisten.» Dass es nun so weit gekommen ist, habe verschiedene Gründe, allen voran die erfolglose Suche nach Nachfolgerinnen im Vorstand für zwei scheidende Vorstandsmitglieder. An den Generalversammlungen hätte der fünfköpfige Vorstand regelmässig auf die Problematik hingewiesen. Im Frühling wurden alle Mitglieder (rund 200) über die schwierige Situation schriftlich informiert und zweimal schalteten sie ein Inserat in den Printmedien – vergebens, wie Aktuarin Silvia Schweizer (64) erzählt: «Wir erhielten nur wenige Rückmeldungen und für die Vorstandsarbeit keine einzige Interessentin.»

Frauenvereine auf dem Land haben es einfacher

Der Vorstand setzte sich eine Frist bis Oktober, die nun verstrichen ist. Die Kündigung für die Räumlichkeiten am Pulverturm sei eingeleitet und das Bestehen des Frauenvereins ohne seine Brocki als Einnahmequelle mache keinen Sinn: «Die Brocki war seit Beginn das Herzstück des Vereins», so Laura Kost. Laut Eigentümer der Liegenschaft, Björn Siegrist, sollen die Räumlichkeiten Platz für ein junges Architekturbüro bieten. Ausserdem sei ein Arbeitsatelier angedacht, in dem man auch wohnen kann. 1888 wurde der Schweizerische Gemeinnützige Frauenverein gegründet. Sein Grundsatz war «Hilfe zur Selbsthilfe». Im Ersten Weltkrieg war der Verein federführend bei der Sammelaktion für die Nationale Frauenspende, die vor allem der Finanzierung der Soldatenfürsorge diente. Die Aargauische Sektion besteht seit 1939. In der Gründungsversammlung griffen die Frauen drei Hauptaufgaben auf. Sie halfen, Hilfspersonal für Not- und Armeespitäler sowie für die Zivilbevölkerung auszubilden. Ausserdem engagierten sie sich für die Umschulung von Frauen zur Wiederbesetzung der verwaisten Arbeitsplätze von Wehrmännern in Industrie, Wirtschaft und Verwaltung. Hinzu kam die Verteilung der Bundesfeierspende an bedürftige Mütter, deren Ehemänner im Militärdienst nicht für den Unterhalt der Familie sorgen konnten.

In den Nachkriegsjahren übernahmen vorwiegend gut betuchte Damen der Gesellschaft leitende Funktionen in den Frauenvereinen. Laura Kost weiss: «Das Gesellschaftsbild hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert.» Das Modell des Vereins sei so nicht mehr zeitgemäss. Allerdings bleibe gemeinnütziges Engagement aktuell und sei erwiesenermassen auch ein wichtiger, wirtschaftlicher Faktor. Frauenvereine in ländlichen Gebieten hätten ausserdem mehr Möglichkeiten, mit ihren Angeboten die Menschen zu erreichen als im städtischen Zofingen, in dem das Angebot an Aktivitäten und Anlässen sehr vielfältig sei. Auch die Idee der Brockenstube bekam Konkurrenz. In den letzten Jahren seien sehr viele private Brockis aufgegangen. Hinzu kommt das Internet. Heute versuche man vermehrt, aus allem Profit zu schlagen und alte Sachen zuerst im Internet zu verkaufen. «In den letzten Jahren haben wir häufig aussortierte Ware erhalten. Früher war das anders», so Laura Kost.

Künftig keine Spenden mehr an Musikschule

Mit der Auflösung des Frauenvereins entfallen auch jährlich namhafte Beträge an Spenden, die an Institutionen in der Region gingen. So erhielten beispielsweise die Musikschule und der Mittagstisch Zofingen pro Jahr einen dreistelligen Betrag. Ausserdem wurden die sozialen Dienste und diverse sportliche und kulturelle Anlässe unterstützt.

Das verbleibende Vereinsvermögen wird bis zur Generalversammlung 2021 vom Vorstand nach bestem Wissen und Gewissen an Projekte und Institutionen gespendet. Auch der Grossteil der Ware in der noch proppenvollen Brockenstube soll bis Ende Jahr neue Besitzer finden. Vieles werde an die Brockenstuben der benachbarten Sektionen der aargauischen Frauenvereine verteilt.

Obwohl das Herz schmerzt, sind die verantwortlichen Vorstandsfrauen überzeugt von der Richtigkeit ihres Entschlusses. Auch bei ehemaligen Vorstandsmitgliedern sei der Entscheid auf Verständnis gestossen.» Für Schweizer, die seit 14 Jahren im Vorstand mithilft, seien verschiedene Faktoren zusammengekommen, die zu diesem Entschluss geführt hätten. Schlussendlich habe die Pandemie ihnen den Entscheid abgenommen. Laura Kost resümiert: «Es war eine sehr schöne Zeit, viel Gutes wurde getan. Der Zeitpunkt zum Aufhören ist der richtige.»

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Der Verein beteiligte sich an der Kinderkleider-Tauschbörse. (Bild: zvg)
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