Heinz Baumann hat ein Händchen für gefiederte Schönheiten – er züchtet Brieftauben

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Die «englische Queen» war der Baustein, mit der Heinz Baumann die gelbe Farbe in seine Zucht bringen konnte.

Idyllisch ist es hier, im Rothrister «Holz» – rundum viel unverbautes Land und der Waldrand liegt ebenfalls ganz in der Nähe. Er pflege diese Idylle rund um Weiher und Tennisplatz gerne, erzählt Heinz Baumann, der seit mehr als drei Jahrzehnten als Liegenschaftenbetreuer und Hausmeister für die Familie Barth tätig ist. Tiere sind ein wichtiger Bestandteil im Leben von Heinz Baumann, seit seiner Kindheit. Und wenn man Tiere sagt, sind nebst den Kois, der Katze und den Schildkröten vor allem Brieftauben gemeint. Denn der 62-jährige Rothrister ist ein begeisterter Brieftaubenzüchter. «Ja», bestätigt Baumann, «das Virus ‹Brieftaubenzucht› hat mir mein Vater Werner eingeimpft und bis heute hat es mich nicht losgelassen.»

Zertifizierte Kleintieranlage

Verändert habe sich im Lauf der Jahre vieles, sagt Baumann auf dem Weg zum Taubenschlag. Im ehemaligen Bauernhaus in Bottenwil, wo er aufgewachsen sei, habe man die Tauben noch auf dem Estrich gehalten. Seit vielen Jahren halte er die Tauben in einer separaten Kleintieranlage, die vom Verband Kleintiere Schweiz für vorbildliche Kleintierhaltung ausgezeichnet worden sei. «Ich bin der einzige Brieftaubenzüchter in der Schweiz, der mit diesem Zertifikat ausgezeichnet worden ist», betont Baumann nicht ohne Stolz.

«Von Oktober bis März bleiben die Tauben wegen erhöhter Greifvogel-Gefahr in der Anlage», erklärt Baumann. Da sei es wichtig, dass die Tiere genügend Raum und Bewegungsfreiheit hätten. Ebenso wichtig sei es, dass die Tauben häufig an der frischen Luft sein könnten, was dank der angebauten Voliere problem- und gefahrlos möglich sei. Im Sommer hingegen würden seine Tiere zwei Mal täglich – morgens und abends – je eine Stunde Freiflug erhalten. Das freue die Nachbarn. Gefüttert werde eine Taube hauptsächlich mit Getreide. «Mais, Weizen, Sonnenblumen, Hanf, Raps, Leinsamen sind Bestandteile des Futters», erklärt Baumann. Zudem lasse er seine Tauben zwei Mal jährlich von einem Fachtierarzt untersuchen. «Damit ich keine Viren und Bakterien im Schlag habe, sonst wirds problematisch», sagt Heinz Baumann. 

Mehr als 40 Jahre lang hat Heinz Baumann «schnelle Tauben» gezüchtet, wie er selber sagt, und mit ihnen an Wettkämpfen teilgenommen. Mit grossem Erfolg. Jahrelang galt Baumann als einer der besten Schweizer Züchter von «Rennpferden des kleinen Mannes», wie man Reise-Brieftauben auch etwa bezeichnet. Fünf Olympia-Teilnahmen, acht Auszeichnungen für die beste Taube (Schweizer As-Taube) und zahlreiche Spitzenplatzierungen bei Schweizer Meisterschaften unterstrichen die Spitzenstellung des Schlages Baumann in der Szene der Brieftaubenzüchter.

Trotz den vielen Erfolgen und seiner unbestrittenen Fachkompetenz: Von der Zucht von Reise-Brieftauben hat Heinz Baumann Abstand genommen, seit drei Jahren züchtet er nun sogenannte Schönheits-Brieftauben. Der Hintergrund zu diesem Wechsel ist ein unschöner. Nur schon darüber sprechen zu müssen, belastet den Rothrister Brieftaubenzüchter sichtlich. «Ich wurde damals um den Schweizer Meistertitel betrogen und es ging bei dieser Geschichte vor allem um Neid», sagt Baumann mit stockender Stimme. Sechs seiner Tauben, die damals zu den besten Tauben der Schweiz zählten, wurden beim letzten Wettkampf verschleppt, als Baumann überlegen in Führung lag. Die Machenschaften konnten aufgedeckt, die Schuldigen verurteilt werden. Baumann aber wurde nach dem Abschluss des Prozesses aus dem Schweizerischen Brieftaubensport-Verband (SBV) ausgeschlossen. «Die Verbände ‹Rassetauben Schweiz› und ‹Kleintiere Schweiz› haben in der Folge eine gute Grundlage geschaffen, damit ich meinem Hobby weiter nachgehen konnte», zeigt sich Baumann dankbar über die Unterstützung, die er aus den Kreisen von Taubenzüchtern aus verwandten Verbänden erfahren durfte.

Eine Schönheit aus dem englischen Königshaus

Im Gegensatz zu einer Reise-Brieftaube, die zwischen 300 und 350 Gramm schwer sei, sei eine Schönheits-Brieftaube muskulöser, rund 500 Gramm schwer und von der Erscheinung her allgemein auch pompöser und farbiger, ihre Gefiederqualität seidiger, erläutert Heinz Baumann. Der Ehrgeiz, zu den erfolgreichsten Züchtern von Brieftauben in der Schweiz zu gehören, ist Baumann auch nach den unschönen Erfahrungen im Brieftaubensport nicht abhanden gekommen. Bereits kann der Rothrister schöne Erfolge vorweisen. An den beiden nationalen Ausstellungen 2018 und 2019 wurde Baumann mit der höchsten Auszeichnung, dem Ehrenband, ausgezeichnet und an der kantonalen Ausstellung 2019 in Wallbach durfte er zwei Mal das Siegerband entgegennehmen. Weitere Ziele sind die Teilnahmen an der Deutschen Brieftauben-Ausstellung in Dortmund im Januar 2021, wo Baumann 12 silberfahle und 12 gelbe Brieftauben zeigen möchte, falls das Coronavirus die Reise überhaupt zulässt, sowie die Teilnahme an der nationalen Ausstellung im Dezember in Langenthal.

Apropos gelbe Brieftauben: Um die gelbe Farbe in seine Zucht zu bringen, hat Heinz Baumann tatsächlich eine Brieftaube aus dem englischen Königshaus erworben. Diese nennt er denn auch «englische Queen».

Geld stand nie im Vordergrund

Wer nun denkt, dass die «englische Queen» ein Vermögen gekostet haben müsse, liegt falsch. «Für Schönheits-Brieftauben gibt es keinen Markt», sagt Heinz Baumann, «da liegt der Preis im Durchschnitt bei etwa 100 Franken.» Anders sei das bei Reise-Brieftauben. Erst kürzlich sei eine Reise-Brieftaube bei einer Auktion für 1,25 Mio. Euro nach China versteigert worden. Das findet Baumann «nur absurd». Ihm sei es nie ums Geld gegangen, als er noch Reise-Brieftauben gezüchtet habe, betont er. «Ich war einfach froh, wenn ich das Futter mit dem Verkauf von Tauben finanzieren konnte.» Und betont dann abschliessend, dass die Tauben bei ihm auch das Gnadenbrot erhalten würden, wenn sie nicht mehr zeugungsfähig, das heisst älter als etwa 10 Jahre, seien.

So orientiert sich eine Brieftaube

«Eine Brieftaube fliegt grundsätzlich an ihren Geburtsort zurück», sagt Heinz Baumann. Fremde Koordinaten könne eine Brieftaube – ähnlich wie ein Kompass – in Relation zu ihren Geburtskoordinaten und mithilfe des Erdmagnetfelds ansteuern. Dabei fliegt die Taube den Weg des geringsten Widerstands, also oft entlang von Flussläufen oder Autobahnen. Schlechtwetterzonen umfliegt sie grossräumig. Brieftauben suchen sich für ihren Flug die beste Luftschicht aus, bei gutem Wetter in einer Höhe von 300 bis 400 Metern, bei schlechtem auf Hausdachhöhe. Eine gesunde Reise-Brieftaube kann bei guten Verhältnissen 1000 Kilometer zurücklegen. 

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