Corona-Impfung erst im Herbst 2021? Wieso es trotz Fortschritten noch so lange dauern könnte

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Stefan Kuster vom Bundesamt für Gesundheit: «Für eine Prognose, wann in der Schweiz ein sicherer Impfstoff zur Verfügung stehe, ist es noch viel zu früh.» © Peter Schneider / Keystone

Die Impfung schützt zu mehr als 90 Prozent vor einer Ansteckung mit Covid-19: Die Börsen haben gejubelt über die Medienmitteilung des US-Pharmakonzerns Pfizer und dessen deutschen Partner Biontech. Die Covid-19-Taskforce des Bundes hingegen dämpft die Euphorie. Es sei allergrösste Vorsicht angebracht, viele Aspekte dieses Zwischenergebnisses seien noch unklar, sagte Taskforce-Vizepräsidenten Samia Hurst am Dienstag vor dem Medien in Bern.

 

Und nein, trotz der positiver Nachrichten sei jetzt nicht der Moment, bei den Anstrengungen im Kampf gegen die Verbreitung des Coronavirus nachzulassen und Massnahmen zu lockern. Hurst geht davon aus, dass bis Mitte nächsten Jahres wissenschaftliche Daten vorliegen, welche die Zulassung eines oder mehrerer Impfstoffe erlauben. Die Produktion und die Verteilung derselben gilt es dann zu regeln.

 

Offensiver gibt sich die Kommunikationsabteilung des Amts: «Wir gehen davon aus, erste Impfungen im ersten Halbjahr des nächsten Jahres durchführen zu können», teilt eine Sprecherin mit. Nimmt man den Zeitplan von Samia Hurst zum Nenner, wäre wohl erst im Herbst 2021 mit einem Impfstoff zu rechnen.

Moderna will in der Schweiz einen Antrag für eine Zulassung stellen

Eine weitere wichtige Frage: Wird der Bund auch mit dem Duo Pfizer/Biontech einen Vertrag abschliessen? Das BAG gibt sich dazu zugeknöpft. «Wir sind nach wie vor mit verschiedenen Herstellern in Kontakt», sagte Kuster.

Bereits seit Mai wird die Impfung des Duos Pfizer/Biontech in klinischen Studien der finalen Phase der Entwicklung getestet.

Bereits seit Mai wird die Impfung des Duos Pfizer/Biontech in klinischen Studien der finalen Phase der Entwicklung getestet. © AP

Die Schweiz hat bisher zwei Verträge abgeschlossen. Im August sicherte sich das Land 4,5 Millionen Impfdosen der US-Biotechfirma Moderna. Vor gut drei Wochen kam ein Vertrag mit dem Pharmakonzern Astrazeneca hinzu. Hier schloss der Bund einen Vertrag über die Lieferung von bis zu 5,3 Millionen Impfdosen ab. Insgesamt hat der Bundesrat 300 Millionen Franken für die Beschaffung der Corona-Impfstoffes gesprochen.

Interessant dabei: Im Gegensatz zu Astrazeneca und Pfizer hat Moderna für ihren Impfstoff keinen Antrag auf eine Zulassung in der Schweiz gestellt. Dieser Schritt stehe nun jedoch unmittelbar bevor, wie CH Media erfahren hat. Moderna werden in Kürze einen Antrag einreichen. Die US-Firma wollte auf Anfrage keine Stellung dazu nehmen.

Kann sich die Schweiz bei der Pfizer-Impfung der EU anschliessen?

Die Europäische Union ist derweil mit dem Duo Pfizer/Biontech handelseinig geworden. Die EU-Kommission hat einen Vertrag mit den beiden Firmen fertig ausgehandelt, wie es laut der Nachrichtenagentur DPA aus Verhandlungskreisen heisst. Konkret geht es um 200 Millionen Dosen. Die Ankündigung des Vertrags ist für Mittwoch vorgesehen.

Dies ist auch mit Blick auf die Schweiz interessant. Denn der Bund verwies beim Vertrag mit Astrazeneca explizit auf die EU: «Basis des Vertrags ist die Vereinbarung zwischen der Europäischen Kommission und AstraZeneca über die Lieferung von bis zu 400 Millionen Dosen für Europa.»

Diese Dosen könnten von einzelnen Staaten abhängig von der Bevölkerungszahl bestellt und bei erfolgreicher Zulassung bezogen werden, schrieb das Bundesamt für Gesundheit damals. Für EU-Nichtmitglieder, also EWR- und EFTA-Staaten, werde Schweden die Dosen bestellen und gewinnfrei an die entsprechenden Länder weiterverkaufen. Es wäre also gut möglich, dass sich die Schweiz beim EU-Vertrag mit Pfizer/Biontech erneut anschliesst.

Impfexperten sind zurückhaltend

Ohnehin scheint eine möglichst flächendeckende Impfung der Bevölkerung aktuell aber nicht auf der Agenda zu stehen. Dies sei erst dann vertretbar, wenn zum Impfstoff genügend Daten über einen genügend langen Beobachtungszeitraum vorlägen, sagte Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen, den Tamedia-Zeitungen.

Claire-Anne Siegrist hält eine Durchimpfung der Bevölkerung derzeit für falsch. Siegrist war früher Präsidentin der Kommission für Impffragen.

Claire-Anne Siegrist hält eine Durchimpfung der Bevölkerung derzeit für falsch. Siegrist war früher Präsidentin der Kommission für Impffragen   Martial Trezzini / Keystone

Auch Claire-Anne Siegrist, ehemalige Präsidentin der Kommission, hält eine Durchimpfung derzeit für falsch. «Zur Erinnerung: Unsere einzige Datenbasis ist derzeit eine Medienmitteilung mit Zwischenergebnissen zu freiwilligen Probanden, die während rund sechs Wochen beobachtet wurden», sagt das Mitglied der Covid-19-Taskforce.

Das Ziel laute nicht, Corona zu eliminieren. Das sei praktisch unmöglich. Das Hauptziel einer Impfung sei, Komplikationen, Spitaleinweisungen und Todesfälle zu verhindern. Deshalb müsse man zuerst möglichst viele Personen der Risikogruppen, deren Umfeld und das Gesundheitspersonal für eine Impfung gewinnen. «In einer nächsten Etappe könnte man dann sagen, es sollen sich alle impfen lassen, die es wünschen», sagt Siegrist.

Einige Impfstoffe müssen stark gekühlt werden

Fest steht: Hinter den Kulissen arbeiten Bund und Kantone schon seit längerer Zeit an einer Corona-Impfstrategie. Dabei werden verschiedene Szenarien durchgespielt. Diese hängen auch davon ab, wie viel Impfstoffe zur Verfügung stehen werden. Wer Priorität geniessen wird, liegt für Kuster auf der Hand: Die Risikogruppen und deren Umfeld.

Eine Herausforderung wird die ganze Logistik. Sowohl der Impfstoff von Pfizer als auch jener von Moderna müssen stark gekühlt werden. Für dies braucht es entsprechende Kapazitäten, die nicht überall vorhanden sind. Gerade beim Pfizer-Impfstoff, der auf -70 Grad gekühlt werden muss, kann dies zu einem Problem werden.

Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen sieht grosse Herausforderungen bei der Verteilung des Impfstoffs.

Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen sieht grosse Herausforderungen bei der Verteilung des Impfstoffs.  Anthony Anex / Keystone

Die Kantone erarbeiten derzeit verschiedene Szenarien, sagte der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen an der Medienkonferenz. Müsse ein Impfstoff auf -70 Grad gekühlt werden, so würde dies über Impfstoffzentren geschehen müssen. Denn Arztpraxen und Apotheker sind in der Regel nicht mit solchen Kühlgeräten ausgerüstet. Daher brauche es eine eigenständige Logistik, sagte Steffen. Dies führe lokal zu einer zusätzlichen Herausforderung.

Auch das Bundesamt für Gesundheit arbeitet derzeit an diesen Fragen. Sobald ein gekaufter Impfstoff von Swissmedic zugelassen worden sei, müsse dieser in die Schweiz transportiert und gelagert werden, sagt eine Sprecherin. Danach beginne die Verteilung in die Kantone. Das BAG plane die logistischen Prozesse gemeinsam mit dem Verteidigungsdepartement und den Kantonen.

Derzeit laufen Vorbereitungen bezüglich Lagerungs- und Transportkapazitäten. Auch das BAG sagt, dass die Kühlkette der Impfstoffe sichergestellt werden müsse. Transport, Lagerung und Verteilung würden wesentlich vom jeweiligen Impfstoff abhängen.

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Bundesrat Maurer

Ueli Bühler
schrieb am 12.11.2020 08:02
hat es doch tatsächlich gewagt die Experten Task Force zu kritisieren. Weil diese den Bundesrat sofort nach den Entscheiden kritisiert hatten. Sie sagten man hätte viel härtere Massnahmen ergreifen müssen. Und sofort ist wieder eine SP Politikerin zur Stelle um Maurer zu massregeln. Herr Maurer sagte ja nur man müsse alle Zweige im Blick haben, wenn man Entscheidungen fällt. Er weiss und hat auch öfters gesagt, dass ein 2. Lock Down unsere Wirtschaft nicht verkraften könne. Deshalb ist diese Option auch noch nicht gekommen. Ich Frage mich warum die Parlamente sich nicht selber um die Massnahmen kümmert. Ist ja klar. Weil die Fehler im Nachgang der Krise sie treffen könnte.
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