Muss einem Neubau weichen: Das Reider Kino wird bald Geschichte sein

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Der Eigentümer des ehemaligen Kinos, Ambroz Merturi (hinten), mit dem Architekten Alexander Brun, Inhaber der BK Architekten GmbH aus Reiden. Bild: zvg
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Das dorfeigene Kino in Reiden wurde am 17. November 1933 eröffnet. Nach rund 40 Jahren war Schluss. : Hermann Keist/Dorfmuseum Langnau-Mehlsecken

Das heruntergekommene Gebäude des Reider Kinos an der Hauptstrasse 9, das schon anno 1972 schloss, soll abgerissen werden und einem Wohn- und Geschäftsgebäude Platz machen. Dies ist einem Baugesuch zu entnehmen, das bei der Bauverwaltung Reiden derzeit öffentlich aufliegt und auf der Gemeindehomepage online aufgeschaltet ist. 

Das Kino steht leer, im ersten Stock hat es eine Wohnung. Lange Zeit wurde der frühere Kinosaal, dessen Bestuhlung schon lange entfernt wurde, von Möbel Küng als Lagerraum genutzt. Eigentümer des Kinogebäudes und Bauherr ist Ambroz Merturi aus Reiden. Miteigentümer des Grundstücks links vom Kino, wo ein Einfamilienhaus steht, sind seine Ehefrau und sein Bruder. Dieses Haus soll erhalten bleiben, es gehört ebenfalls zum Bauareal.  

Gebäude mit drei Geschossen und Attikawohnung 

Laut dem Projektbeschrieb des Büros BK Architekten GmbH aus Reiden ist anstelle des Kinos ein Gebäude mit drei Vollgeschossen und einer 4½-Zimmer-Attikawohnung geplant. Im ersten Stock sollen zwei 1½-Zimmer-Studios, im zweiten Stock drei 3½-Zimmer-Wohnungen entstehen. Es werden total sechs Mietwohnungen sein. Im Erdgeschoss des Neubaus soll es Gewerberäume geben. In einen will das Architekturbüro hineinziehen. 

Das Kino soll durch einen rückversetzten Neubau ersetzt werden. «Der Neubau wird gestalterisch durch seine Rückversetzung den Strassenraum der Hauptstrasse einerseits beruhigen als auch die Sichtzonen freischalten für die gemeinsam genutzte Einfahrt der Parzellen 601 und 602», heisst es im Beschrieb. Die beiden Parzellen sollen zu einer Liegenschaft vereint werden, sobald die Baubewilligung vorliegt, und mit einer Tiefgarage erschlossen werden. Der Parkplatzbedarf wird mit 21 Plätzen ausgewiesen, davon 8 für Bewohner und deren Besucher sowie 13 für die Verkaufsgeschäfte (Personal und Kunden). Dazu sollen zusätzliche Veloabstellplätze kommen. 

Das Gespräch mit Reider Baubehörden gesucht 

Architekt des Projekts ist Alexander Brun, diplomierter Architekt ETH SIA. «Das Kinogebäude steht nicht unter Schutz und gilt nicht als erhaltenswert», sagt er auf Anfrage. Das Kino stehe am falschen Platz, und die Parzelle sei allein schwierig zu bebauen gewesen. Deshalb habe der Eigentümer auf sein Anraten mit den Nachbarn das Gespräch gesucht und das Areal vergrössern können. Frühere Projekte standen unter keinem guten Stern, erklärt Brun. Sie seien an den fehlenden Parkierungsmöglichkeiten und der Zufahrt gescheitert. «Es brauchte deshalb eine Vision. Wir vollführen mit dem vorliegenden neuen Projekt einen Befreiungsschlag», so der Architekt. 

Er habe von Anfang an das Gespräch mit den Baubehörden von Reiden gesucht. «Ich habe diese als sehr konstruktiv erlebt», sagt Alexander Brun. Nun liege ein Projekt vor, das eng mit den Behörden zusammen entwickelt worden sei, um diesmal alles richtig zu machen. 

Frühere Baugesuche sind laut Ausschreibung mit dem neuen Gesuch zurückgezogen. Das Abbruch- und Baugesuch liegt bis 30. November auf. 

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Inserat zur Eröffnung des Reider Kinos vor 87 Jahren. Bild: H. Keist

Die bewegte Geschichte des Kinos Capitol

Das Reider Kino wurde am 17. November 1933 eröffnet. 1972 flimmerte der letzte Film über seine Leinwand. Rund 40 Jahre hatte Reiden also ein eigenes Kino. Ein Fritz Plüss aus Zuchwil eröffnete das «Capitol» im damals neuen Gebäude an der Hauptstrasse 9. Das Geschäft lief aber mässig. Ein Josef Johann Schmid aus Nebikon erhielt 1936 die Konzession vom Kanton erst, nachdem er reuig versichert hatte, «dem Publikum nur gute Programme zu zeigen (und keine Verwerflichen, wie ich es bis dato getan habe)». In den folgenden Jahren gaben sich verschiedene Besitzerinnen und Besitzer die Klinke in die Hand. Die Zensur existierte bis 1966 und machte das Leben schwer. Problematisch war auch, dass die nahen Aargauer schon mit 16 Jahren ins Kino durften, die Luzerner aber erst mit 18. In Reiden wurde deshalb wohl sehr genau geschaut, wer ins Kino kam. Die erfolgreichsten Filme waren die Gotthelf-Filme. Auch Heimat- oder lustige Filme liefen gut. Ab 1959 wurden neben dem regulären Programm italienische Filme für Gastarbeiter gezeigt. Der letzte Besitzer des aktiven Betriebs, Friedrich Umbricht, hatte 1972 eine Stelle als Operateur in St. Gallen gefunden und verkaufte die Liegenschaft. (ben) 

Die ganze Geschichte des Kinos lässt sich hier nachlesen: 
www.reiden.hermannkeist.ch/kino-capitol

 

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