Viel Lob für den FC Aarau, aber bis jetzt zu wenig Zählbares

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Symptomatisch für die Aarauer Harmlosigkeit: Olivier Jäckle verschoss beim 0:1 gegen GC einen Penalty. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus)

Kriens-Trainer Bruno Berner sagte nach dem Spiel im Brügglifeld: «Der FC Aarau hat ein super Team, da steckt enormes Potenzial drin. Aarau wird in dieser Saison ganz vorne mitspielen.» Und GC-Trainer Joao Pereira sagte nach dem Spiel im Brügglifeld: «Ein grosses Lob und viel Respekt für den FC Aarau. Wir mussten gegen einen sehr, sehr starken Gegner leiden.»

Kriens und GC waren in den vergangenen zwei Spielen die Gegner des FC Aarau. Wer die Endresultate nicht kennt, muss gemäss den Worten von Berner und Pereira annehmen: Beide Male ist der FCA als Sieger vom Platz gegangen. Falsch! Auf das 2:2 gegen Kriens folgte ein 0:1 gegen GC. Was indes nicht heisst, dass Berner und Pereira Schmeichler sind. Nein – was sie sagen, hat durchaus Hand und Fuss. Zumindest, wenn man die Resultate mal ausser Acht lässt.

Der FC Aarau praktiziert wohl den gepflegtesten und anschaulichsten Fussball aller zehn Challenge-League-Teams. Aber so gekonnt die Spieler den Ball durch die Reihen passen, so schlecht stellen sie sich im Verwerten der Torchancen an.

Der FC Aarau wie anno dazumal der FC Barcelona?

Kleiner Exkurs: Im Herbst 2012 trat der FC Barcelona in Schottland gegen Celtic Glasgow an und verzeichnete bis zum Schlusspfiff 89 Prozent Ballbesitz, der höchste je gemessene Wert der Uefa. Doch 2:1 gewonnen hat Celtic, dem in der zweiten Halbzeit 47 Sekunden Ballbesitz genügten, um ein Tor zu erzielen. Die Auswertung mit Daten der Swiss Football League zeigt: So überlegen wie damals Barcelona den Celtics war der FC Aarau seinen Gegnern im ersten Saisonviertel nicht. Auch wenn sich in allen neun Partien der Ball länger in Aarauer Besitz befand. Mehr Eindruck machen da schon die insgesamt 151 Abschlussversuche (auf und neben das Tor) – mit grossem Abstand Liga-Höchstwert. Weil jedoch der Vergleich der absoluten Zahlen wegen der unterschiedlichen Menge absolvierter Spiele nicht taugt, der Blick auf die Durchschnittswerte: 16,7 Mal pro Spiel hat der FC Aarau versucht, ein Tor zu erzielen. Gefolgt von Stade Lausanne-Ouchy mit 15,2 Abschlüssen pro Match.

Doch ist dies ein Bestwert, mit dem sich der FC Aarau, ausser ein bisschen Anerkennung, nichts kaufen kann. 13 Tore sind aus den 151 Versuchen entstanden, heisst: Lediglich rund 8Prozent der Chancen haben zum Erfolg geführt. Deutlich weniger Gefahr als Aarau produziert etwa GC mit 11,6 Schüssen pro Spiel, ist mit knapp 16 Prozent genutzter Chancen aber doppelt so effizient.

Abhängig von Shkelzen Gashi – und der fehlt länger

Ein weiteres Problem: Der FC Aarau ist abhängig von Shkelzen Gashi. Sechs der 13 Saisontore gehen auf das Konto des Stürmers. Von den anderen Spielern hat keiner mehr als zweimal getroffen. Und nun muss ausgerechnet Gashi mindestens drei Monate pausieren – kein anderer Ausfall als jener des Topskorers würde den FCA sportlich mehr schmerzen. Hat dann der Trainer auch noch ein unglückliches Händchen bei der Wahl der Alternativen, kommt ein Resultat wie das 0:1 am Montag gegen GC zu Stande: Fünf Topchancen aus dem Spiel heraus und ein Penaltygeschenk des Schiedsrichters waren nicht genug, um gegen den Tabellenführer mindestens den einen Punkt in Aarau zu behalten.

Symptomatisch auch die Statistik aus dem Hinspiel gegen den heutigen Gegner: 2:5 hat der FCA am zweiten Spieltag auf der Schützenwiese verloren – trotz mehr Ballbesitz (56:44), mehr Abschlussversuchen (14:13) und mehr Grosschancen (8:6). Winterthur, nach Verlustpunkten die beste Mannschaft der Liga, wird mit breiter Brust ins Brügglifeld reisen. Was, ausser hübschen Ballstafetten, haben die Aarauer ihrem Gegner dieses Mal entgegenzusetzen?

FC Aarau drei Monate ohne Topskorer Gashi

Bester Torschütze und bester Vorbereiter des FC Aarau: Seit Beginn dieser Saison ist Shkelzen Gashi endlich fit und wird den sportlichen Erwartungen an seine Person gerecht. Vergangenen Montag gegen Tabellenführer GC (0:1)  fehlte der 32-Jährige krank, die Absenz des sechsfachen Torschützen war offensichtlich. Nun kommt raus: Der FC Aarau muss sich an Spiele ohne Gashi gewöhnen. Mindestens zwei bis drei Monate werde Gashi ausfallen, teilt der Verein am Donnerstag mit. Die Befunde aus den in dieser Woche gemachten medizinischen Untersuchungen lassen momentan keine sportliche Belastung zu. Details zum Zustand des Stürmers teilt der FCA bis dato keine mit. Die Entwicklung ist ein grosser Rückschlag für Gashi, der eben erst seine Topform erreichte. Und ebenso für den FC Aarau, dem nicht nur die offensive Lebensversicherung wegbricht (6 von 13 Aarauer Saisontoren hat Gashi erzielt), sondern auch ein wichtiger Führungsspieler. 

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