Reider Badi-Präsident: «Das Budget reichte nicht»

Pius Schumacher zeigt den Spaten vom Badi-Bau anno 1975_preview.jpg
Pius Schumacher, VR-Präsident der Badi Reiden AG, beim wegen Corona verschobenen Spatenstich im Juni 2020. Bild: Ronnie Zumbühl

Die Kosten für die Sanierung des Hallen- und des Freibads von Reiden sind in den letzten Monaten aus dem Ruder gelaufen (Ausgabe von gestern). Statt 7,3 Millionen belaufen sich die Kosten nach heutigem Kenntnisstand bereits auf 9,5 Millionen Franken. Die Gemeinde Reiden soll nochmals einen Kredit von 1,1 Millionen sprechen. Die Differenz will die Badi selber aufbringen.

Der Verwaltungsratspräsident der Badi Reiden AG, Pius Schumacher, reagiert auf das Wort «Chaos» am Telefon empfindlich. «Wir haben das Projekt nach bestem Wissen und Gewissen umgesetzt und haben uns Mühe gegeben, alles recht zu machen», sagt er. Im Laufe des Baufortschritts habe sich aber herausgestellt, dass man tiefer in den Bau eingreifen musste als geplant. Schumacher: «Sagen wir es klipp und klar: Das Budget hat einfach nicht ausgereicht.»

«Die Mehrkosten waren für den Gemeinderat eine Überraschung», sagt der Reider Gemeindepräsident Hans Kunz seinerseits. Ziel sei es jetzt, Transparenz herzustellen und mit Fakten zu arbeiten. Laut Kunz wurde der Gemeinderat Mitte November vom Verwaltungsrat der Badi Reiden AG über die Probleme der Monate davor informiert.

Der Gemeinderat ist im Badi-Verwaltungsrat nicht vertreten

Der Gemeinderat Reiden hat keinen Vertreter im Verwaltungsrat der Badi Reiden AG, obwohl die AG in ihrem Besitz ist. Warum? Dies hätte ja eine gewisse Kontrollfunktion. «Wir haben bewusst keinen Vertreter delegiert, da er oder sie sonst immer zwei Hüte aufhätte», sagt Kunz. Er war der letzte Gemeinderatsvertreter im Gremium. Während neun Monaten war Hans Kunz Verwaltungsratspräsident der Badi Reiden. «Ich hatte die Aufgabe, durch die Badi-Abstimmung zu führen.» Was ihm 2019  gelungen ist. Gemeinderat Bruno Geiser sei heute die Verbindungsperson zur Badi als Verantwortlicher für Bildung und Freizeit. «Er nimmt jeweils an der Generalversammlung teil und erhält Informationen. Zudem wird der Gemeinderat gemäss Leistungsvereinbarung  periodisch informiert.»

Von den Reider Ortsparteien hat bisher keine reagiert. FDP, CVP, SP standen 2019 für die Sanierung ein, die SVP war skeptisch, die IG Reiden dagegen.

Ortsparteien zwischen "erstaunt" und "nicht erstaunt"

«Ich bin erstaunt, dass der Kredit nicht ausgereicht hat», sagt FDP-Präsidentin Désiree Hofmann auf Anfrage. Es sei schade um das Badi-Projekt. Doch sie sei froh, dass nun vorerst ein Stop gemacht und die Karten offengelegt würden. «Es geht schlussendlich um Steuergelder und der Bürger hat ein Recht darauf zu erfahren, was passiert ist.»

De Reider SVP-Präsident Ivo Müller hat die Neuigkeit noch nicht studieren können. Der Badi-Kredit war 2019 umstritten in der Volkspartei. Die SVP habe vor der Abstimmung Stimmfreigabe beschlossen, erklärt Müller. «Wir fanden damals, der Stimmbürger müsse das entscheiden.»

«Das war zu erwarten», ist die Reaktion von Markus Schwander, dem Sprecher der IG Reiden. Die IG war 2019 gegen den Badikredit und auch die Stilllegung. «Wir werden ein paar Millionen Franken nachschieben müssen. Das ist bitter», sagt Schwander. Schwander geht davon aus, «dass die Aktiengesellschaft schon jetzt überschuldet ist. Wahrscheinlich ist das Eigenkapital bereits aufgebraucht.» Schwander hat eine Idee, wie man die Mehrkosten alternativ finanzieren könnte. Mit einer Aktienkapitalerhöhung. «Wenn jeder Fan der Badi 5000 Franken Aktien zeichnen würde, hätte man rasch viel Geld beisammen.»

Nicht Schuldige suchen, sondern Lösungen

Lukas Brunner, Vorstandsmitglied der SP Reiden, bringt Verständnis auf, dass es bei einer 45 Jahre alten Anlage bauliche Überraschungen gibt. Es sei nachhaltiger für die Gemeindefinanzen, diese Mängel zu beheben und die Sachen gut zu reparieren als aus Spargründen darauf zu verzichten. «Die SP steht voll hinter der Badi als wichtigem Freizeitangebot in Reiden», sagt Brunner, «wir sind bereit, die Sanierung weiterhin zu unterstützen.» Er begrüsse den Baustopp und dass der Gemeinderat so seine Verantwortung wahrnehme. «Wir finden es wichtig, dass kontrolliert wird. Man sollte jedoch nicht nur schauen, wo Fehler passiert sind, sondern Lösungen finden. Eine vollständige Sanierung soll weiter das Ziel sein», sagt der Reider SP-ler.

Der Gemeinderat hat beschlossen, das Bauprojekt und dessen Kosten von einem externen Bautreuhänder und/oder Architekten untersuchen zu lassen. «Ich gehe davon aus, dass im Untersuchungsbericht auch die Rolle des früheren Architekten thematisiert wird», sagt Gemeindepräsident Hans Kunz. Gemäss Aussage des VR-Präsidenten Pius Schumacher habe der Vertrag mit diesem aufgelöst werden müssen, weil er zuwenig Kapazitäten für das Projekt hatte.

Zum Zusatzkredit von 1,1 Millionen Franken, der den Stimmberechtigten vorgelegt werden soll, meint der Gemeindepräsident: «Dessen Genehmigung wird kein Spaziergang». Der Gemeinderat und der Verwaltungsrat der Badi seien gefordert. «Wir müssen die Gründe darlegen, warum die Kostenüberschreitung passiert ist.» Hans Kunz ist zuversichtlich, dass die Stimmbürger das richtig einschätzen und zustimmen werden. «Man kann ja nicht acht Millionen Franken investieren und dann dem Projekt den Stecker ziehen. Wir müssen die Sanierung, wie bei der Abstimmung vorgestellt, abschliessen können.»

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