Übersterblichkeit, volle Aufbahrungshallen und ausgelastete Krematorien: Bestatter haben alle Hände voll zu tun

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Persönliche Beratungen im Ausstellungsraum des Bestattungsinstituts Jöri werden zurzeit kaum nachgefragt. Bilder: Ronnie Zumbühl
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Vor drei Jahren gründete das Ehepaar Toni und Nicole Jöri die Jöri-Bestattungen GmbH.

Toni Jöri arbeitet seit 30 Jahren im Bestattungswesen. Vor drei Jahren gründete er zusammen mit seiner Frau Nicole die Jöri-Bestattungen GmbH in Egolz­wil. Mittlerweile kamen Zweigstellen hinzu, 2019 in Schötz und letztes Jahr an der Baselstrasse in Dagmersellen. Den Journalisten empfängt das Ehepaar dort in den schlicht eingerichteten Räumen an einem schwarzen Tisch, maskiert mit schwarzen Schutzmasken. «Ich habe so etwas noch nie erlebt», sagt Toni Jöri und verweist auf die Zustände im Krematorium Langenthal, wo sie die verstorbenen Menschen jeweils kremieren lassen. Der Betrieb ist dort zurzeit voll ausgelastet – unter anderem wegen der zweiten Corona-Welle.

Abdankungsfeiern werden einfach gehalten

Das Ehepaar, das noch zwei weitere Angestellte beschäftigt, hatte über die Festtage viel zu tun. Und ihre Arbeit hat sich verändert. «Gespräche werden nun oft über Telefon und E-Mail geführt, da Angehörige aus Angst vor Infektionen keinen persönlichen Kontakt wollen. Das ist sehr schade», sagt Toni Jöri. Seine Frau Nicole ergänzt: «Die Kunst der Bestattung ist, viel Mitgefühl den Trauernden gegenüber aufzubringen. Ohne persönliche Kontakte ist das zurzeit jedoch schwierig.» Bestattungen und Abdankungsfeiern werden seit Beginn der Corona-Pandemie einfach gehalten. Das sei sehr speziell, sagt Nicole Jöri, denn gerade auf dem Land nehme normalerweise das halbe Dorf an einer Beerdigung teil. «Der Bezug zu den Trauernden fehlt uns ganz klar», sagt Toni Jöri.

Gleichzeitig ist ihre Arbeit komplizierter geworden: Weil das Krematorium in Langenthal ausgelastet ist und jenes in Olten gerade saniert wird, müssen sie die verstorbenen Menschen länger aufbahren. Das sorgt auch für Engpässe bei den Aufbahrungshallen der Gemeinden, wo von den verstorbenen Menschen Abschied genommen werden kann. Die Bestattungsinstitute stehen deshalb regelmässig mit den Gemeinden in Kontakt, um verfügbare Plätze zu koordinieren. «Vor kurzem waren in der Region sämtliche Aufbahrungshallen voll. Einzig in Pfaffnau gab es noch einen freien Platz», sagt Toni Jöri. Nun habe sich die Situation wieder ein wenig beruhigt. Dass die Gemeinden intensiv mit den Bestattungsinstituten zusammenarbeiten, um freie Plätze in den Aufbahrungshallen zu koordinieren, bestätigt Daniel Loosli, der in der Gemeinde Reiden für das Bestattungswesen zuständig ist. Die Gemeinde traf sogar Abklärungen zur Miete einer mobilen Kühlzelle, falls sich die Lage weiter zuspitzen würde.

Zwischen Weihnachten und Neujahr durchgearbeitet

Stressig ist es zurzeit auch für Mikel Rüegger, Geschäftsleiter des Alfred Jost Bestattungsinstitutes. «Die Corona-Pandemie ist für uns extrem spürbar», sagt er am Telefon. Er ist gerade unterwegs und hat zwischen Weihnachten und Neujahr quasi durchgearbeitet. «Meine Kinder habe ich zeitweise drei Tage nicht mehr gesehen.» Die Nachfrage sei ungefähr um das Doppelte gestiegen. «Ich schaue, dass wir vor allem unsere Hauptarbeit gewährleisten können. Wichtig ist mir, dass die Menschen auch in dieser Zeit pietätvoll von dieser Welt gehen können.» Um genügend Zeit dafür zu haben, gebe er beispielsweise Anfragen für Grabgestecke zurzeit lieber einem Blumengeschäft ab. Die Alfred Jost Bestattungsinstitut GmbH mit Geschäftsleiter Mikel Rüegger und den Geschäftsinhabern Alfred und Andrea Jost beschäftigt vier Pikettangestellte, die mehrheitlich an Randzeiten und Wochenenden im Einsatz stehen. «Damit wir uns nicht mit Covid-19 anstecken, tragen wir doppelte Lagen Handschuhe und Masken, sagt Rüegger. Eine Ansteckung ist beim Bewegen von Corona-Toten möglich. Er selbst musste im Dezember eine «Zwangspause» einlegen, weil er selbst an Covid-19 erkrankt war.

Luzerner Wiggertal ist kein Corona-Hotspot

Die Alfred Jost Bestattungsinstitut GmbH hat ihren Hauptsitz in Zofingen und verfügt über Zweigstellen in Reiden und Oftringen. Anhand der Nachfragen seien in Reiden kaum Menschen an Covid-19 verstorben, sagt Rüegger. Mehr Fälle verzeichnete er im Aargau. Auch in Dagmersellen scheint die Corona-Situation nicht dramatisch zu sein: Das Ehepaars Jöri musste noch keine an Covid-19 verstorbene Person aus Dagmersellen bestatten. Das Luzerner Hinterland ist von der Pandemie mehr betroffen als das Wiggertal.

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