Die Aargauer Kantonspolizei blickt zurück: «Wir hatten deutlich weniger Unfälle, Verletzte und Verkehrstote»

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Michael Leupold ist der Kommandant der Kantonspolizei Aargau. Bild: Alex Spichale

Statt im Polizeikommando begrüsste der neue Polizeidirektor Dieter Egli die Medienschaffenden virtuell, in einer Skype- Sitzung. Gemeinsam mit Polizeikommandant Michael Leupold und den Chefs der Abteilungen Mobile Polizei, Stationierte Polizei und Kriminalpolizei blickte er zurück auf das Pandemiejahr 2020. Dieses sei prägend gewesen für die Kantonspolizei, sagte Kommandant Leupold gleich zu Beginn der Medienkonferenz.

Kleine Teams und internes Contact-Tracing

Die Pandemie hat die Arbeit der Polizei beeinflusst, sowohl in betrieblicher als auch in operativer Hinsicht. In erster Linie galt es zu verhindern, dass die Einsatzfähigkeit durch Ausfälle in Frage gestellt würde: «Wir mussten sicherstellen, dass sich möglichst wenig Personen bei uns mit dem Virus anstecken und auch, dass wir Quarantänefälle möglichst eng begrenzen können. Deshalb haben wir bereits Anfang März einschneidende Massnahmen umgesetzt», sagte Michael Leupold.
 
Dies sei gelungen, indem man unter anderem kleine Teams bildete, in Einvernahmeräumen Schutzvorrichtungen installierte, oder auch ein internes Contact-Tracing aufbaute. Seit Anfang März hätten sich die Chefs der jeweiligen Abteilungen auch nie mehr gleichzeitig in einem Raum befunden.

Corona brachte neue Aufgaben für die Kantonspolizei

Die Polizistinnen und Polizisten standen wegen Covid-19 vor neuen Herausforderungen: «Wir mussten die Massnahmen und Vorschriften, die Bundesrat und Regierungsrat erlassen haben, durchsetzen und deren Einhaltung kontrollieren. Das war im Frühling vor allem im öffentlichen Raum der Fall», sagte Kommandant Leupold.

Insgesamt wurden im Aargau 2020 mehr als 2500 Ordnungsbussen verteilt, weil Personen gerade im Frühling die Covid-Vorschriften missachtet hatten: «Dabei ging es fast ausschliesslich um das Nichteinhalten der Fünf-Personen-Regelung oder des Mindestabstands», sagte Heinz Meier, Abteilungschef der Stationierten Polizei. Bussen habe man nur verteilt, wenn Verwarnungen nichts gebracht hätten, erklärte Meier. Rund 80 Gewerbetreibende sowie 150 Privatpersonen seien zudem bei der Staatsanwaltschaft angezeigt worden, weil sie eine Busse nicht akzeptieren wollten.

Häusliche Gewalt nahm um 12 Prozent zu

Die Polizeistatistik mit den definitiven Zahlen für das vergangene Jahr folgt im März. Doch im Coronajahr waren einige Trends zu erkennen. Traurige aber auch positive: So nahmen die Interventionen wegen häuslicher Gewalt um 12 Prozent zu. Im Vergleich: In den Vorjahren stiegen diese jeweils um drei bis vier Prozent. Hier sieht die Kantonspolizei einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Pandemie und der Zunahme.

Historischer Tiefstand bei Opfern im Strassenverkehr

Spürbar war Corona auch auf den Aargauer Strassen: «Wir hatten deutlich weniger Unfälle, Verletzte und Verkehrstote», sagte Kommandant Leupold. Zum ersten Mal seit 1970 ist die Anzahl Personen, die auf Aargauer Strassen ums Leben kamen, im einstelligen Bereich. 2020 starben bei Unfällen acht Menschen, im Vorjahr waren es elf und im Jahr 2018 waren es 16. Im Jahr 1970 waren es noch 148 gewesen.

Die tiefe Zahl an Unfällen im 2020 sei eindeutig auf die niedrige Verkehrsfrequenz während des Lockdowns zurückzuführen. Einen deutlichen Rückgang stellte die Polizei bei den Unfällen mit Beteiligung von Senioren fest. Auch hier vermutet man, dass sich die älteren Verkehrsteilnehmer an die Bestimmungen im Rahmen der Pandemie hielten und weniger auf die Strasse gingen.

Poser und Raser nutzten die leeren Strassen aus

Gleichzeitig hatte die Coronapandemie aber einen negativen Einfluss auf sogenannte Raser- und Poserdelikte im Aargau: Diese haben laut Kantonspolizei markant zugenommen. Die freieren Strassen und die fehlenden Freizeitaktivitäten könnten eine Erklärung dafür sein, sagte Rudolf Scherer, Abteilungschef der Mobilen Polizei.

Auf der Notrufzentrale gingen besonders im Frühling viele Reklamationen aufgrund von Lärmemissionen durch aufheulende Motoren und laute Auspuffe ein. Die Polizei beschlagnahmte 2020 mehr als 70 Fahrzeuge zur technischen Prüfung und ermittelte 49 qualifizierte Raserdelikte.

Während die Verkehrsdelikte zunahmen, stellte die Polizei einen deutlichen Rückgang bei den Einbrüchen fest. Dies sowohl im Wohn- als auch im Geschäftsbereich. «Das hängt zum einen damit zusammen, dass die Leute mehr zu Hause waren, und zum anderen, dass im Frühling die Grenze auch geschlossen war», sagte Kommandant Michael Leupold.

10-Millionen-Betrug bei der Vergabe von Covid-19-Krediten

Die Pandemie brachte auch neue Deliktsformen an den Tag, so den Betrug bei der Vergabe von Covid-19-Krediten: «Man hat für Unternehmen grosszügig Kredite gesprochen. Die Leute nutzten die Tatsache aus, dass die Auszahlung jeweils sehr rasch passierte», so Leupold. Bis Ende Jahr gingen 48 Strafanzeigen ein, der Deliktsbetrag dürfte sich auf über 10 Millionen Franken belaufen. Die Kantonspolizei geht von mehreren hundert solcher Fälle aus, die sie im neuen Jahr beschäftigen werden.

Auch online seien 2020 anhaltend viele Fälle von Cyberbetrug festgestellt worden. Die Betrüger spielten mit der Angst vor der Pandemie und verkauften unter anderem angebliche medizinische Produkte gegen Corona.

Denunzianten meldeten Verstösse auf der Notrufzentrale

Während des ersten Lockdowns im Frühling, als sich die Verbote vor allem auf den öffentlichen Raum bezogen und Schul- oder Sportanlagen gesperrt waren, meldeten sich viele Menschen bei der Polizei, um Verstösse zu melden. Dieser Trend sei inzwischen wieder zurückgegangen, sagte Leupold. Das Verständnis der Bevölkerung für die Massnahmen habe sich unterschiedlich entwickelt: «Immer, wenn die Zahlen steigen und die Massnahmen neu verfügt werden, ist die Befolgung relativ gut», so Leupold. Mit den steigenden Temperaturen habe das Verständnis abgenommen: «Das Verständnis der Leute für die damaligen Versammlungsverbote und Abstandsvorschriften nahm Stark ab mit jedem Tag, an dem die Fallzahlen zurückgingen und die Temperaturen stiegen.»

Bussenbudget der Kantonspolizei Aargau ist tief

Der neue Polizeidirektor Dieter Egli sprach sich wie sein Vorgänger Urs Hofmann für eine personelle Verstärkung der Kantonspolizei aus: «Der Ausbau der letzten Jahre reicht nicht aus.»

Im schweizweiten Vergleich ist das Bussenbudget der Kantonspolizei Aargau mit 5 Millionen Franken sehr tief. Auf die Frage, ob die Kantonspolizei plane, dieses Budget zu erhöhen, entgegnete Regierungsrat Egli, dass dies nicht der Weg sein könne: «Vorrangiges Ziel ist es nicht, Bussen einzutreiben, sondern die Sicherheit im Aargau zu gewährleisten.»

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