Ob ein Patient überlebt, hängt auch davon ab, wie voll das Spital ist

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Die hohen Corona-Zahlen bringen die Intensivstationen an ihre Grenzen. © Keystone

Bereits moderat volle Spitäler schädigen die Überlebenschancen von Corona-Patienten. Das zeigen zwei diese Woche veröffentlichte Studien. Das Phänomen ist bereits lange nachweisbar, bevor die vielzitierte «Überlastung» der Intensivstationen eintrifft, also alle Betten belegt sind. Bei moderat-hoher Patientenbelegung liegt das Sterberisiko rund 20 Prozent höher als bei normaler Anzahl
Patienten.

Die Studien stammen von renommierten Forschungszentren, dem Weizmann-Institut in Israel sowie der Universität von Warwick und dem Imperial College London. Sie basieren auf Daten des letzten Jahres in den beiden Ländern. 

Die Resultate sind potenziell schlechte Nachrichten für die Schweiz. Die Auslastung der Schweizer Spitäler bewegt sich seit Beginn der zweiten Welle im November auf sehr hohem Niveau. Zwischenzeitlich vermeldete die Gesellschaft der Intensivmediziner sogar, alle regulären Betten seien belegt; übrig blieben nur nicht-zertifizierte zusätzlich bereitgestellte Intensivplätze. Seit einigen Wochen sinken die Belegungszahlen wieder, sind aber immer noch hoch.

Gemäss der Studie war in Israel die Sterberate in Wochen mit hoher Belegung zwischen 22 und 27 Prozent höher, als normalerweise zu erwarten gewesen wäre. Die israelische Regierung definierte 800 schwer kranke Patienten als Grenze, ab der Qualitätsverluste zu erwarten wären. Gemäss den Wissenschaftlern stieg die Sterblichkeit bereits ab 500 schwer erkrankten Patienten auf den Corona-Stationen des Landes.

70-Jähriger hat das Risiko eines 80-Jährigen

Um die Werte zu messen, kreierten die Forscher ein Modell, das die erwartete Sterblichkeit berechnete. Faktoren wie Alter, Geschlecht und Krankheitsschwere wurden so aus dem Resultat herausgefiltert.

In Grossbritannien kamen die Studienautoren auf eine leich tiefere Zahl als die Israelis. Nämlich eine 19 Prozent höhere Sterblichkeit als bei normaler Belegung. Die Überlebenschancen eines 70-Jährigen entsprechen denen eines 80-Jährigen bei wenig Auslastung.

Schmälerten hohe Zahlen in der Schweiz Überlebenschancen?

Die Studien sind Vorab-Veröffentlichungen (sogenannte Pre-prints). Sie durchliefen also noch nicht den üblichen Überprüfungsprozess durch andere Fachleute.

Die Autoren aus Israel schreiben: «Unsere Arbeit unterstreicht, dass selbst in Ländern, in denen das Gesundheitssystem nicht einen bestimmten, als Überlastung definierten Punkt erreicht hat, der Anstieg der Arbeitsbelastung in Krankenhäusern mit einer höheren Patientensterblichkeit verbunden war».

Diese Beschreibung scheint auf die Schweiz zuzutreffen. Möglicherweise haben die hohen Zahlen hierzulande also nicht nur zu mehr Toten geführt, sondern auch das Sterberisiko der einzelnen Erkrankten erhöht.

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