Migros macht eine Kehrtwende: Nach heftiger Kritik zahlt sie Mitarbeitern in Kurzarbeit weiterhin vollen Lohn

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Archivbild (Keystone)

Gute Nachrichten für Migros-Angestellte: Nachdem das Unternehmen in die Kritik geraten war, weil es Mitarbeitenden in Kurzarbeit den Lohnausgleich von 80 auf 100 Prozent nicht mehr bezahlen wollte, krebst sie nun zurück. Die grosse Mehrheit der Mitarbeitenden erhält auch weiterhin 100 Prozent ihres regulären Lohnes. Die gesetzlich vorgeschriebene Abdeckung von 80 Prozent wird von der Arbeitslosenkasse übernommen.

«Aufgrund der positiven Entwicklung im genossenschaftlichen Detailhandel hat die Migros entschieden, den betroffenen Mitarbeitenden in diesem Bereich weiterhin die Differenz zur gesetzlich vorgegebenen Kurzarbeitsentschädigung von 80 Prozent auszugleichen», teilte die Migros zusammen mit der Umsatzmeldung mit: 2020 konnte die Migros-Gruppe ihren Umsatz um 4 Prozent auf 29,8 Milliarden Franken steigern. Unter dem Strich war das Coronajahr für die Migros also erfolgreich.

Bisher gab Migros 30 Millionen Franken für Lohnausgleich aus

Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen kam offenbar zum Schluss, dass der mit dem Thema Lohnsausgleich verbundene Reputationsschaden schlimmer wäre, als die effektiv anfallenden Kosten – für die Kompensation der Lohnlücken und die letztjährige Sonderprämie hat die Migros seit Ausbruch der Pandemie über 30 Millionen Franken ausgegeben.

Alle profitieren vom Meinungsumschwung allerdings nicht: Eine Ausnahme bilden die betroffenen Mitarbeitenden von Hotelplan, wo die Löhne bereits im Juli 2020 auf die 80 Prozent gesenkt wurden. Hingegen können sich Angestellte bei den Freizeit- und Fitnessanlagen, der Klubschule Migros sowie den Fachmärkten wie Micasa, Melectronics oder SportXX nun weiterhin über den vollen Lohn freuen.

Nicht alle Arbeitgeber gleichen Lohnausfall aus

Laut Marcel Schlatter, Leiter der Medienstelle, prüft die Migros laufend, ob von Kurzarbeit betroffene Angestellte in anderen Bereichen eingesetzt werden können, etwa in den Supermärkten. In diesem Fall hätten sie keine Lohneinbussen. Den nunmehr zurückgezogenen Entscheid, künftig nicht allen Betroffenen die Löhne auf 100 Prozent auszugleichen, begründete Schlatter vor einigen Tagen damit, dass die Migros bestrebt sei, «Arbeitsplätze langfristig zu erhalten und Kündigungen zu vermeiden».

Längst nicht alle Unternehmen gleichen die Lohneinbusse bei ihren Mitarbeitern auf Kurzarbeit freiwillig aus. Insbesondere Detailhändler im Bekleidungsbereich, die von der Coronakrise stark betroffen sind, verzichteten bereits in der ersten Welle darauf. Darunter sind etwa auch die Warenhausketten Manor und Globus.

Da die Migros im Gegensatz zu ihnen insgesamt jedoch ein sehr gutes Geschäftsjahr 2020 hatte, stiess der Entscheid, den Lohn nicht mehr auszugleichen, in der Öffentlichkeit auf Unverständnis. Allen voran kritisierte die Gewerkschaft Unia das Vorgehen als «verantwortungslos» und «unanständig». «Migros lässt Mitarbeitende im Stich», titelte die Gewerkschaft ihre Stellungnahme.

Gewinne dank Supermärkten machten andere Verluste wett

Obwohl die Migros unter dem Strich ein gutes Ergebnis vorweisen kann, sieht die Bilanz je nach Bereich aber durchzogen aus. «Geschäftsfelder wie Reisen, Gastronomie sowie Fitness- und Freizeitangebote erlitten starke Einbussen», heisst es in der Mitteilung. Bei der Hotelplan Group spricht die Migros gar vom «trübsten Ergebnis der Geschichte». Der Nettoumsatz ging dort um 38,4 Prozent auf 732 Millionen Franken zurück.

Ähnlich dramatisch sind die Rückgänge bei der Gastronomie. Dort vermeldet die Migros eine Einbusse von 41,7 Prozent respektive noch 390 Millionen Franken Jahresumsatz. Gerettet hat die Bilanz der Gruppe der Detailhandel und die Onlineshops. Die Super- und Verbrauchermärkte konnten den Umsatz um 7,4 Prozent steigern und erwirtschafteten 12,45 Milliarden Franken.

Auch die Fachmärkte sind trotz Lockdown im Plus: Micasa, SportXX, melectronics, Do it + Garden und OBI legten zusammen um 5,6 Prozent zu und kamen auf 1,7 Milliarden Franken Umsatz. Während der Ladenschliessungen hätten sich die Online-Bestellungen dort verzehnfacht, schreibt die Migros. Über die gesamte Gruppe betrachtet hätten sich die Online-Umsätze um 3 Prozent gesteigert und würden sich 2020 auf knapp 3 Milliarden Franken belaufen. Damit machen die Käufe im Internet mittlerweile mehr als 10 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

«Die Migros hat das Extremjahr gut gemeistert. Sie konnte in dieser für viele Menschen belastenden Zeit eine zentrale Rolle in der Versorgung der Schweizer Bevölkerung wahrnehmen», resümiert Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen in der Mitteilung.

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