Öffentliche Defibrillatoren in Reiden: Diese Apparate können Leben retten

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Der Defibrillator beim Gemeindehaus Reiden. Er hängt neu draussen vor der Türe. Bild: Katrin Petkovic
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Helge Regener aus Wikon mit Gerät vor seinem Haus. Bild: zVg
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Die private Karte defikarte.ch mit den Standorten. Sie ist noch im Aufbau und wird laufend nachgeführt. Bild: Screenshot defikarte.ch

Die Apparate mit dem unaussprechlichen Namen können über Leben oder Tod entscheiden. Die Gemeinde Reiden weist auf ihrer Homepage deshalb auf deren Wichtigkeit hin. «Ein Defibrillator kann Leben retten. Deshalb ist es wichtig, dass auch Sie wissen, wo diese zu finden sind», heisst es. Die Defibrillatoren der Gemeinde seien jetzt öffentlich zugänglich gemacht worden und rund um die Uhr verfügbar.

«Die sechs Geräte, für welche die Gemeinde zuständig ist, waren bisher inhouse montiert», sagt Bruno Meyer, Leiter Betrieb und Unterhalt. Eine Privatperson habe den Defibrillator beim Gemeindehaus einmal für einen Notfall gebraucht. «Dies hat uns bewogen, die Geräte draussen aufzuhängen.»

Auf dem Gemeindegebiet von Reiden gibt es insgesamt zwölf Defibrillatoren. Zehn befinden sich im Dorf Reiden, je einer in Langnau und Richen­thal bei den Schulhäusern (siehe Box unten mit Standorten). Unter www.defikarte.ch findet man eine Übersicht über alle Geräte-Standorte in der Region und der ganzen Schweiz. Sie basiert auf offenen Geodaten von OpenStreetMap. Grüne Symbole mit einem Herzen zeigen einen Defibrillator-Standort an. Klickt man darauf, sieht man Details und vor allem, ob das Gerät rund um die Uhr öffentlich zugänglich ist. Die gelb umrandeten Standorte sind meist «Defis» von Unternehmen.

Informatiker aus Zürich will alle Defi-Standorte erfassen

Erstellt hat die Karte Christian Nüssli. Er arbeitet als Informatiker bei der Berufsorganisation Schutz und Rettung Zürich. «Die Defikarte, die ich als Hobby betreibe, ging im Frühjahr 2020 online», sagt er auf Anfrage, «sie wird laufend ergänzt. Auf der Webseite kann man mir mittels des Kontaktformulars weitere Standorte von Defis melden, die noch nicht aufgeführt sind.» Die Angaben zum Kanton Luzern stammten grösstenteils von der Notrufzentrale 144 des Luzerner Kantonsspitals.

«Die Defikarte ermöglicht es dem Besucher, möglichst rasch den Standort des nächsten Defi zu finden, um in einer Notsituation rasch reagieren zu können», sagt Nüssli. Grundsätzlich könne jede Privatperson einen Defibrillator kaufen und zur Verfügung stellen. Manche Kantone stellten Geräte auf. Vielfach seien es aber Samaritervereine, Gemeinden, Unternehmen und andere Organisationen. Verantwortlich für die Geräte und deren Zustand ist Nüssli nicht. Er sei auch mit keiner der verschiedenen Herstellerfirmen verbandelt, betont er.

Sofern ein Gerät defekt oder nicht mehr vorhanden ist, müsse dies gemeldet oder selber in OpenStreetMap eingetragen werden, erklärt er. Was auf der Karte auffällt: Im Oberen Wiggertal gibt es relativ viele Geräte – in Zofingen und Oftringen kein einziges. Kann das sein? Der Grund: Der Informatiker hat noch keine Meldungen über die Defi-Standorte dort erhalten. Denn es gibt keine zentrale Anlaufstelle.

Der neue Gemeindeschreiber von Reiden, Lukas Liem, war zuvor Gemeindeschreiber von Stansstad und stellvertretender Gemeindeschreiber in Stans. Er findet es sehr wichtig, dass die Leute wissen, wo sich die Geräte befinden und wie sie im Notfall einsetzbar sind. Ein Problem sei auch, dass manche Leute Angst hätten, die Geräte zu bedienen und etwas falsch zu machen. «Durch eine kurze Schulung lassen sich Hemmungen einfach abbauen», erklärt Liem. «Wir haben damals in Stans alle Gemeindeangestellten geschult, damit sie die Basismassnahmen der Wiederbelebung und den Umgang mit den Geräten lernen.» Wer keine Schulung hat, kann trotzdem handeln. Die Geräte «sprechen» und man erfährt, wie man bei einem Notfall Schritt für Schritt vorgehen muss.

Massnahmen in den ersten Minuten sind entscheidend

Wie das funktioniert, erklärt ein Fachmann. Helge Regener wohnt in Wikon und ist Rettungssanitäter. Er arbeitet beim Schweizer Institut für Rettungsmedizin in Nottwil. «Das Thema liegt mir am Herzen», sagt er. «Wir wissen heute, dass Massnahmen in den ersten Minuten entscheidend sind für das Überleben einer Person, die einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleidet.» Der Defibrillator komme zum Einsatz bei einer bewusstlosen Person, die nicht atme, erklärt Regener. Zuerst würden Herzmassage und Beatmung angewendet. Sobald verfügbar, werden die Elektroden des AED-Geräts auf die Brust der Person geklebt. Es misst den Herzrhythmus. Nur bei Vorliegen eines so genannten Kammerflimmerns fordert es die Hilfsperson auf, den Elektroschock auszulösen. «Das Gerät trifft die medizinische Entscheidung selber, die Fehlerquote ist sehr gering.»

Mittlerweile ständen viele Geräte zur Verfügung, was vor zehn Jahren noch nicht der Fall gewesen sei. Regener hat deshalb vor einigen Jahren entschieden, an seinem Haus an der Oberen Halde 21 in Wikon, wo er mit der Familie wohnt, einen öffentlich zugänglichen Defibrillator anzubringen. Er hat sein Wohnquartier informiert. Regener: «Das Gerät ist in fünf Jahren bisher zwei Mal zum Einsatz gekommen.» Ein Gerät in einem Quartier habe einen Einsatzradius von wenigen hundert Metern, aber natürlich sei es im Notfall für jedermann da. Lange Anfahrtswege kommen sowieso nicht in Betracht; dann sind die Profis vom Rettungsdienst schneller. Diese bringen ihre eigenen Geräte mit.

Bis der Rettungsdienst des Spitals Zofingen in Wikon eintreffe, dauere es in der Regel vier bis fünf Minuten. In dieser Zeit entscheide jede Minute über die Überlebenschancen einer Person. «Es ist die einzige Situation, in der jemand, der zufällig vor Ort ist, Einfluss hat auf ein Menschenleben», sagt Regener. Im Kanton Luzern sind oft sogenannte First Responder, die vom Notruf 144 alarmiert werden, zuerst vor Ort. Im Aargau hat die Stützpunktfeuerwehr Zofingen eines der ersten First-Responder-Systeme eingeführt. Weitere Gruppen folgten. Ein flächendeckendes First-Responder-System existiert im Aargau aktuell jedoch nicht.

Die Standorte der Defibrillatoren

Reiden: 12 Geräte auf Gemeindegebiet. Ortsteil Reiden: Rund um die Uhr zugängliche Standorte: Sporthaus Kleinfeld, auf der Seite der Tribüne; Schulhaus Johanniter IV, beim Haupteingang; Schulhaus Walke auf der Seite des Haupteingangs; Gemeindeverwaltung beim Haupteingang. Ortsteil Langnau: Schulhaus beim Eingang zu Singsaal und Turnhalle. Ortsteil Richenthal: Schulhaus beim Eingang zum Mehrzweckraum. Eingeschränkt zugängliche Geräte: Badi Reiden (im Aufsichtsraum); Schulhaus Johanniter IV in Turnhalle; Alters- und Pflegeheim Feldheim beim Haupteingang; Holzwerkstoffe Reiden AG, Industriestrasse 11, Schweizer Electronik AG, Industriestrasse 3 und Reiden Technik AG, Werkstrasse 2. Wikon: Zwei Geräte. Standorte: Eingang zum Schulhaus, Privathaus Obere Halden 21.

Pfaffnau: Ein Defibrillator beim Eingang Gemeindehaus. St. Urban: Sechs Geräte. Standorte: Klostermetzgerei, Psychiatrische Klinik LUPS: Haus 1, Haus A, Haus T (Hallenbad), Haus F (Betriebsfeuerwehr), Haus Bergblick 1. Obergeschoss.

Altishofen: Drei Geräte. Standorte: Mehrzweckhalle, Ex-Praxis Josef Hodel, Galliker Transport.

Nebikon: Vier Geräte. Standorte: Schwimmbad Stämpfel, Tribia Bank, Praxis Maria Benyes, Interio Verteilzentrum.

Dagmersellen: Sechs Geräte. Standorte: Japan Tabacco, Praxis Christian Rauch, Pan Gas, Schweiz. Keramikverband, Valiant Bank, Zahnarztpraxis Fellmann und Fretz. (ben)

Angaben ohne Gewähr, basierend auf Infos von defikarte.ch

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