Crowdfunding soll das Überleben des «Bacio Nero» sichern

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Marianne und Silvio Errico wollen auf der Plattform «Lokalhelden» für ihr Restaurant bis Ende Februar 45 000 Franken sammeln. Bild: zVg

Als der Bundesrat kurz vor Weihnachten bekannt gab, dass die Restaurants vorerst bis zum 22. Januar geschlossen bleiben, sagte der Aarburger Gastro-Aargau-Chef Bruno Lustenberger gegenüber dem Zofinger Tagblatt: «Wir schätzen, dass etwa ein Drittel der Restaurants verschwinden wird.» Grund dafür seien die grossen Rechnungen, die auf Ende Jahr bei den Gastronomen eintreffen. Ohne das Weihnachtsgeschäft falle es vielen Beizen schwer, diese Forderungen – beispielsweise für Mehrwertsteuern oder Versicherungsbeiträge – zu begleichen. Mittlerweile wurde die Schliessung der Restaurants um einen Monat verlängert. Silvio und Marianne Errico, Inhaber des «Bacio Nero» in Aarburg, sind überzeugt, dass die Massnahmen noch ein weiteres Mal verlängert werden.

45 000 Franken sollen es bis Ende Februar sein

Um die ungewisse Zeit zu überstehen, richteten Erricos auf der Plattform «Lokalhelden» ein Crowdfunding-Projekt für ihren Lebenstraum ein. 45 000 Franken sollen so bis Ende Februar zusammenkommen. «Damit wollen wir aber keinen Gewinn erzielen, sondern ein Sicherheitspolster erhalten», erklärt Silvio Errico, der zusammen mit seiner Frau rund 300 000 Franken in das Restaurant investiert hat. So wollen die beiden zumindest für einige Monate ihre laufenden Kosten decken können, was aktuell von ihrem Privatvermögen geschieht. Das Bacio Nero Caffè Aarburg, welches ein Teil des Franchise-Netzes der Italienischen Firma Bacio Nero ist, wurde erst im Juli eröffnet. «Eigentlich wollten wir am 15. März starten», so Errico. Lieferschwierigkeiten der Gerätschaften aus Italien, die lange am Zoll stecken blieben, und natürlich der Lockdown bis Ende Mai machten den beiden einen Strich durch die Rechnung. Die vier Angestellten seien für Kurzarbeit angemeldet worden. Erricos beantragten zudem Härtefallhilfe und Hilfe, die an Start-ups ausgezahlt wird.

Nach dem Lockdown hiess es dann erst einmal geduldig sein und die Mitarbeiter nach Bacio-Nero-Art schulen. «Als wir am 5. Juli endlich öffnen konnten, war der Erfolg riesig. Die Monate Juli und August waren sensationell.» Als ab September tranchenweise schärfere Massnahmen eingeführt wurden, blieben immer mehr Gäste weg. Der Dezember war eine Katastrophe.» Zuvor mussten Marianne und Silvio Errico bereits eine Vollzeitstelle abbauen. Im Februar verlässt eine weitere Mitarbeiterin auf eigenen Wunsch das Unternehmen. «Ehrlich gesagt kommt uns das sehr entgegen.»

Obwohl sie in der kurzen Zeit viel Erfolg hatten, will der gelernte Bäcker mit langjähriger Erfahrung in der Lebensmittelbranche nicht auf Take-away umstellen. «Wir konnten uns noch keine Stammkundschaft aufbauen. Deshalb denke ich, dass es eher schwierig ist, mit Take-away gut anzukommen.» Wirtekollegen aus seinem Umfeld würden zudem nicht nur Positives über die Übergangslösung berichten. «Für viele rechnet es sich nicht.»

Zurzeit verbringt Errico viel Zeit bei Gesprächen mit Gläubigern des «Bacio Nero». Bereits im Frühling suchte er den Kontakt zu ihnen, bat um Stundung oder den kompletten Erlass von Rechnungsbeträgen. «Ich bin offen und ehrlich. Frühzeitig informieren finde ich besser, als nichts zu sagen.» Das würde nur zu Ärger führen. Mit seiner Taktik hat Errico die Erfahrung gemacht, dass es häufig eine Lösung gibt, die für ihn und den Gläubiger stimmt – auch wenn es manchmal ein grosser Sprung über den eigenen Schatten sei, wie er sagt. «Was bringt es, um den heissen Brei herumzureden? Wir wissen alle, was Sache ist.» Gewissheit hätte er gerne in Bezug auf die Massnahmen des Bundes. Aktuell wisse niemand, wann und wie Restaurants wieder öffnen dürfen. Nur bis um 19 Uhr offen zu haben, sei für ihn eine schlechte Lösung. «Am Abend erzielen wir normalerweise unseren Umsatz.»

Erricos wollen richtig durchstarten

Aufgeben kommt für Silvio und Marianne Errico indes nicht in Frage. Zu gross sei der Wunsch nach etwas Eigenem gewesen, um jetzt aufzuhören. Zu sehr seien sie vom Bacio-Nero-Konzept überzeugt. Wenn es wieder losgeht, benötigen Marianne und Silvio Errico zudem einen Teil des Betrags, der auf der Lokalhelden-Plattform zusammenkommt, um Halbfabrikate zu kaufen. «Ich bin mir sicher, sobald es wieder halbwegs normale Zustände gibt, werden wir mit unserem Restaurant Erfolg haben – schliesslich kamen wir bei den Leuten immer gut an, wenn wir geöffnet hatten.»

Hinweis: Marianne und Silvio Erricos Projekt auf Lokalhelden: https://www.lokalhelden.ch/bacionero-caffe

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