KSA-Chefarzt Fux kritisiert: «Grossratspräsident Furer sabotiert die Impfkampagne»

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Chefarzt Christoph Fux (links) kritisiert Grossratspräsident Pascal Furer für seine Aussagen im «Talk täglich». © Aargauer Zeitung

Grundsätzlich findet Grossratspräsident Pascal Furer (SVP) Impfungen eine gute Sache. Bei der Covid-Impfung ist der höchste Aargauer allerdings noch kritisch.

Furer machte in den letzten Monaten Schlagzeilen, weil er die Coronamassnahmen kritisierte. Er sprach sich im Herbst dafür aus, alle Massnahmen aufzuheben und dafür Risikogruppen wie Senioren in Heimen speziell zu schützen. 

Im «Talk täglich» auf Tele M1 letzte Woche beantwortete er die Frage, ob er sich gegen Corona impfen lassen werde, weder mit Ja noch mit Nein. Er führte aus, nach aktuellem Wissensstand schütze die Impfung nur die geimpfte Person. «Sie schützt aber nicht davor, dass man das Virus weitergibt»:

Diese und weitere Aussagen zur Impfung haben Christoph Fux, Chef-Infektiologe am Kantonsspital Aarau (KSA), so sehr verärgert, dass er dem Grossratspräsidenten ein E-Mail schrieb. Das E-Mail ging auch an Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati und Impfchef Andreas Obrecht.

Fux wirft Furer vor, seine Aussagen seien «inhaltlich falsch und schädlich». Er schreibt: «Ich weiss nicht, woher Sie diese negative Beurteilung haben, denn sie entspricht nicht der aktuellen Einschätzung der Wissenschaft.»

Es sei korrekt, dass längerfristige Daten zur Wirksamkeit der Impfung auf asymptomatische Infektionen fehlten. Das bringe auch die Eidgenössische Impfkommission klar zum Ausdruck. «Dass man etwas noch nicht sicher weiss, heisst aber nicht, dass es falsch ist», schreibt Fux.

Es gebe Belege, die zeigten, dass die Impfung auch hier wirksam sei. Gegenüber der AZ sagt er es noch deutlicher: «Für mich besteht kein Ermessensspielraum, um behaupten zu können, es gebe keinen Effekt».

Fux: «Wie können Sie da behaupten, dass es für die Übertragung nichts nütze?»

Er verweist auf die Einführungsstudie des Moderna-Impfstoffes. Diese komme zum Schluss, dass sich die Übertragung des Virus durch Personen ohne Symptome bereits vier Wochen nach der ersten Impfung um 60 Prozent reduziert habe. Nach der zweiten Impfung dürfte dieser Effekt noch grösser sein. «Wie können Sie da behaupten, dass es für die Übertragung nichts nütze?», wirft er Furer vor.

Christoph Fux: «Jede verhinderte Erkrankung reduziert die Umgebungsansteckung» (Archivbild)

Christoph Fux: «Jede verhinderte Erkrankung reduziert die Umgebungsansteckung» (Archivbild)

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Der Grossratspräsident sagte im «Talk täglich» auch, er habe ein gutes Immunsystem und damit ein geringes Risiko für einen schweren Verlauf. Mit einer Impfung wolle er nicht sich, sondern sein Umfeld schützen. Solange Ansteckungen trotz Impfung möglich sind, will er sich deshalb nicht impfen lassen.

Fux: «Es werden 95 Prozent weniger krank»

Fux lässt auch dieses Argument nicht gelten. Während der ersten drei Monate nach der Impfung betrage die Schutzwirkung «eindrückliche 95 Prozent», schreibt er Furer. «Es werden also 95 Prozent weniger krank.» Gerade im Kontext der Virusmutation aus Grossbritannien mit einer 50 bis 70 Prozent höheren Ansteckungsrate hätten solche Unterschiede grosse Bedeutung.

Auf Anfrage der AZ betont Fux: «Jede verhinderte Erkrankung reduziert die Umgebungsansteckung, selbst wenn die Impfung die Virusvermehrung in den Schleimhäuten nicht bei allen Geimpften vollständig verhindern könnte.»

Fux erinnert Furer in seinem E-Mail daran, dass die Impfung «mit Abstand der schnellste Weg aus dem Lockdown» sei, und bittet ihn, «seine Aussagen kritisch zu prüfen und bei nächster Gelegenheit zu korrigieren».

Furer: «Ich habe das in diversen Diskussionsrunden gehört»

Furer denkt nicht daran. Er antwortet dem Infektiologen, er belege mit seiner Antwort einfach, dass seine eigenen Aussagen stimmten. «Man weiss es halt (noch) nicht!», schreibt Furer. Er verweist auf Stimmen von Wissenschaftern, die sagten, die Impfung schütze nicht vor der Übertragung durch asymptomatische Personen.

Quellen, die seine Aussage untermauern würden, liefert Furer keine. Er habe das «in diversen Diskussionsrunden gehört», schreibt er Fux. Er möge aber nicht alles nachschauen, um es genauer bezeichnen zu können.

Pascal Furer: «Wer sich impfen lassen will, soll das tun»

Pascal Furer: «Wer sich impfen lassen will, soll das tun»

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Furer: «Würde ich selbst zur Risikogruppe gehören, würde ich den Selbstschutz höher gewichten»

Der Grossratspräsident hält auch in seinem E-Mail an Fux fest, er werde sich impfen, wenn er dadurch andere schützen könne. Das habe er im «Talk täglich» gesagt und das sei alles korrekt. «Da gibt es nun aber gar nichts zu korrigieren», findet er.

Auch gegenüber der AZ betont Furer: «Wer sich impfen lassen will, soll das tun.» Und: «Würde ich selbst zur Risikogruppe gehören, würde ich den Selbstschutz auch höher gewichten.»

Furer: «Es gibt auch andere legitime Standpunkte als die Ihrigen»

Von Fux wünscht sich der höchste Aargauer, dass er anerkennt, «dass es auch andere legitime Standpunkte gibt als die Ihrigen».

Fux hingegen erinnert Furer an seine Verantwortung als höchsten Aargauer. Indem er sich in seiner Funktion «unfundiert negativ» zur Impfung äussere, sabotiere er die Impfwilligkeit der Bevölkerung und die Bemühungen des Gesundheitsdepartements und der Spitäler, so der Chefarzt.

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