Die Erfinder der Corona-Impfung haben noch mehr im Köcher – können wir uns künftig gegen Krebs impfen lassen?

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Die Methode der mRNA-Impfung könnte vielleicht auch gegen Multiple Sklerose oder Krebs eingesetzt werden. © Paul Sancya / AP

Eigentlich wollte Ugur Sahin von der Universität Mainz Krebs heilen. Nun wurde er mit der mRNA-Methode wegen des Corona-Impfstoffes berühmt. Seit Jahrzehnten forschte er an einem Krebsimpfstoff auf Basis einer Ribonukleinsäure, kurz «mRNA». Diese leitet das Immunsystem des Körpers an, gegen Tumorzellen vorzugehen. Als die Covid-19-Pandemie begann, entwickelte der Mediziner mit dieser Methode in der von ihm und seiner Frau Özlem Türeci gegründeten und geleiteten Firma Biontech den weltweit führenden Impfstoff gegen diese Virus-Infektion.

mRNA-Methode wirkt auf das Immunsystem

Und nun präsentiert das Forscher-Ehepaar in der Zeitschrift «Science» die gleiche Tausendsassa-Methode als Möglichkeit, Autoimmunkrankheiten wie Multiple Sklerose zu behandeln. Denn die mRNA-Methode wirkt auf das Immunsystem und packt das Problem an der Wurzel. Bei Autoimmunkrankheiten greifen die Abwehrkräfte des Körpers die Zellen und Organe des eigenen Körpers. So zerstört das Immunsystem bei einer Multiplen Sklerose die Hüllen von Nervenfasern im Gehirn und im Rückenmark.

Nebenwirkungen von Cortison sind gross

Zwar können Ärzte das Immunsystem der Patienten mit Mitteln wie Cortison dämpfen. Nur sind die Nebenwirkungen enorm, weil der Körper dann anfälliger auf Infektionen wird. Besser wären daher Therapien, die gezielt die Fehlfunktion des Immunsystems korrigieren. Genau das schafft die mRNA-Methode der Mainzer Forscher jetzt zumindest in Mäusen.

In einem Immunsystem entstehen nämlich immer wieder einmal «Irrläufer». Um das zu verhindern, besitzt das Immunsystem sogenannte «regulatorische T-Zellen». Diese kurz Treg genannten Zellen werden mit dem Blut zu Entzündungsherden transportiert und halten die Irrläufer-Abwehrzellen recht zuverlässig in Schach.

Leicht verändert aktiviert die Impfung Regulierzellen

Manchmal aber geht etwas schief. Ugur Sahin und sein Team versuchen, diese Fehlfunktion zu beheben. Dazu präsentieren sie wie bei einer Impfung den Immunzellen die Teile der Nervenhülle, die im Patienten eine Multiple Sklerose auslösen. Das funktioniert mit einer mRNA, die von den Zellen im Organismus in das entsprechende Protein der Nervenhülle übersetzt wird. Würden die Forscher dazu wie bei der Covid-19-Impfung normale mRNA verwenden, würden allerdings genau die Autoimmun-Entzündungsreaktionen ausgelöst.

Die Forscher ersetzen daher einen der vier Bausteine der mRNA, das Uridin, durch eine leicht veränderte Form, die Molekularbiologen als Pseudouridin kennen. Eine solche «m1-mRNA» wird von den Zellen zwar normal in ein Protein übersetzt, löst aber in Labor-Mäusen keine Entzündung mehr aus. Stattdessen aktiviert die Impfung die Treg-Zellen, die Irrläufer des Immunsystems bremsen. Obendrein dämpft die Impfung auch den Angriff auf andere Teile der Nervenhüllen und scheint so die Autoimmunkrankheit auf breiter Front zu bremsen.

Eine relativ sanfte Methode

Die m1-mRNA-Impfung tötet die Irrläufer-Zellen des Immunsystems nicht ab, sondern unterdrückt sie nur. «Es handelt sich offensichtlich um eine relativ sanfte Methode, bei der die nützlichen Immunreaktionen intakt bleiben», fasst Thomas Kerkau von der Universität Würzburg diese Ergebnisse zusammen. So behandelte Labormäuse bekommen viel geringere Krankheitssymptome als eine nicht geimpfte Kontrollgruppe.

Schnell und preiswert

Bis diese Impfung auch zur Behandlung von Menschen eingesetzt werden kann, liegt noch ein langer Weg vor den Forschern. Er könnte sich aber aus einigen Gründen lohnen: So können Ugur Sahin und sein Team eine solche m1-mRNA relativ schnell und recht preiswert herstellen. Das schafft die Möglichkeit, jeden Patienten genau mit der Impfung zu behandeln, die exakt auf die Bestandteile der Hülle seiner Nervenfasern zielt, die bei seiner Erkrankung eine Rolle spielt.

Da mRNA-Methoden auch zur massgeschneiderte Behandlung von Tumoren bereits in Kliniken getestet werden, könnte sich dieser Tausendsassa zu einem wichtigen Instrument der Medizin des 21. Jahrhunderts entwickeln.

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