Dubiose Fassadenreiniger aus Frankreich sind in der Region auf Tour - besteht Einbruchgefahr?

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Fahrer und Beifahrer dieses weissen Mercedes mit Elsässer Kennzeichen wollen Fassaden reinigen.Bild: zvg

Zurzeit treiben wieder einmal dubiose Fassadenreiniger aus Frankreich ihr Unwesen in der Region. Dabei scheinen die Häuser in Murgenthal und Rothrist besonders verschmutzt zu sein: In den beiden Gemeinden wurden in den letzten zwei Wochen nämlich häufig entsprechende Dienstleistungen angeboten.

In Rothrist klingelte es am 11. Januar an der Tür von Michèle Federer. Der Fahrer eines weissen Mercedes-Vans mit Elsässer Kennzeichen bot seine Dienste feil. «Bei uns klingeln ab und zu solche Arbeiter, die ihre Dienste – wie Fassadenreinigen oder Plattenbodenversiegeln – anbieten», so Federer. Wenn sie die Dienste ablehnt, sei das normalerweise kein Problem. Die Arbeiter würden das akzeptieren und weggehen. Nicht so der Fahrer des weissen Mercedes: «Der wurde richtig wütend, fluchte und fuhr dann in einem Affenzahn aus dem Quartier heraus.» Aufgrund seiner Reaktion erkannte Michèle Federer den Mann wieder. Schon vor ungefähr einem halben Jahr stand er vor ihrer Tür und reagierte ebenso wütend, als seine Arbeit nicht gefragt war. Damals war er aber mit einem anderen Auto unterwegs. «Ich war wegen seiner starken Reaktion einfach verunsichert und alarmierte das erste Mal die Polizei.»

Es gab einen Einbruch in der Nähe der Handwerker

Am 22. Januar klingelte es bei Heinz Stauffer, ebenfalls aus Rothrist. Bei ihm war der Beifahrer des Mercedes an der Tür, der Fahrer klingelte in der gleichen Strasse bei einem anderen Haus. «Meine Frau öffnete lediglich das Fenster und lehnte die Arbeit mit einem ‹kein Bedarf und kein Interesse› ab und schloss dann das Fenster gleich wieder.» Stauffer hörte das im Nebenraum und rannte mit dem Handy ans Fenster, um Fotos zu machen. «Einfach, falls demnächst bei uns in der Gegend eingebrochen werden würde.» Der Fahrer des weissen Mercedes, der mittlerweile rückwärts die Quartierstrasse zurückfuhr, sah Stauffer mit dem Handy am offenen Fenster stehen und fragte ihn, was er genau mache. «Als ich ihm sagte, dass die Fotos für die Polizei sind, liess er einen Schwall nicht druckbarer Ausdrücke auf mich niedergehen.»

Tatsächlich kam es in dem Zeitraum ganz in der Nähe zu einem Einbruch. Veronica Lo Conte Votadoro war am 19. Januar zwischen 16.40 Uhr und 17.10 Uhr mit ihrem Mann und den Kindern im Rothrister Breitenpark am Einkaufen. Wieder zu Hause angekommen, sah Votadoro sofort, dass ein Fenster eingeschlagen worden war. Sie ist sich sicher, dass sie beobachtet und sogar verfolgt wurden. «Wir waren keine halbe Stunde weg. Das reichte ihnen aus, um alles mitzunehmen.» Vermutlich sei der Familie jemand mit einem Auto gefolgt und habe den Komplizen ein Zeichen gegeben, als sie sich wieder auf den Rückweg machten.

Für Veronica Lo Conte Votadoro ist klar, dass der Einbruch und das Auftauchen der Fassadenreiniger einen Zusammenhang haben. Einen Tag vor dem Einbruch klingelte es nämlich um 16 Uhr an ihrer Tür. Da sie durch die Türkamera niemanden sehen konnte, öffnete sie nicht. «Nach dem Einbruch hörte ich, wie diese Fassadenreiniger – oder Leute, die angeblich ein Auto kaufen wollen – immer zwischen 15.30 und 16.30 Uhr klingeln.» Auch bei Heinz Stauffer und Michèle Federer tauchten sie zu der Zeit auf.

Fahrende Handwerker haben eine andere Masche

Dass der Einbruch tatsächlich auf das Konto von fahrenden Fassadenreinigern geht, ist für Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, allerdings nicht ganz so klar. «Diese dubiosen Handwerker sind seit Jahren ein Thema bei uns.» Nach den Erkenntnissen der Polizei geht es ihnen aber tatsächlich darum, ihre Arbeit feil zu bieten und nicht um mögliche Einbruchsobjekte auszuspionieren. Die Annahme, dass Einbrecher ihre Ziele vorher systematisch auskundschaften, sei eine Legende. Vielmehr biete das gut erschlossene und dicht besiedelte Mittelland den Einbrechern unzählige Gelegenheiten für spontane Aktionen. «Bei der Arbeit dieser Handwerker handelt es sich aber praktisch immer um Pfusch zu Wucherpreisen», so Graser. Oft würden sie sich ältere Personen aussuchen und ihre Dienste unter Druck aufzwingen.

Die am Anfang sehr tiefen Preise werden während der Arbeit immer weiter angehoben. Wer nicht zahlen will, wird am Schluss abermals unter Druck gesetzt und eingeschüchtert. Graser empfiehlt, solche Dienste immer abzulehnen und die Handwerker konsequent wegzuweisen. Im Anschluss soll unverzüglich die Polizei via Notrufnummer 117 verständigt werden, damit die Personen zumindest gründlich kontrolliert werden können. Auch wenn sich solche Handwerker nicht wegweisen lassen, helfe die Polizei.

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