Doppelter Gewinn: Verschnaufpause für die UBS und ihren umstrittenen CEO Hamers

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Dünnlippig in eigener Sache: UBS-Chef Ralph Hamers gibt sich zuversichtlich, was die Strafuntersuchung gegen seine Person anbelangt. Walter Bieri / KEYSTONE

«Carpe diem», geniesse den Tag, sagten die alten Römer im Wissen darum, dass das Glück flüchtig ist. Nach diesem Motto feierten am Dienstag auch der neue UBS-Chef Ralph Hamers und seine Aktionäre den spektakulären Gewinnsprung der Bank um mehr als 50 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar.

Ausgerechnet im Jahr der grossen Pandemie hat die Grossbank ihre eigenen Leistungsvorgaben fast durchwegs übertroffen, was den Aktienkurs am Dienstag um 2,5 Prozent auf deutlich über 13 Franken steigen liess.

Wie lange dieser Erfolg anhält, bleibt abzuwarten. Viele Sparer haben 2020 ihre Vorsicht gegenüber Aktien und anderen Wertpapieranlagen abgelegt und versuchen der Nullzinsfalle nun mit Investitionen an der Börse zu entkommen. Dieser Effekt zeigt sich bei allen Banken, aber ganz besonders bei der UBS, der nach eigener Darstellung grössten Vermögensverwalterin der Welt.

Selbst im traditionell schwachen vierten Quartal lief es gut

Selbst in dem traditionell schwachen vierten Jahresschlussquartal verbuchte die Flaggschiffdivision «Global Wealth Management» einen Vorsteuergewinn, der mit 936 Millionen Dollar nur unwesentlich unter dem Durchschnitt aller vier Quartale liegt. Und was für das breite Anlegerpublikum richtig ist, kann offenbar auch für die Bank selbst nicht falsch sein. Diese ging im Handelsgeschäft («Global Markets») selbst höhere Risiken ein und gewann. Im Zwölfmonatsvergleich verdreifachte die Investment Bank ihren Vorsteuergewinn auf 2,5 Milliarden Dollar.

Einzig im Schweizer Geschäft musste die UBS im Berichtsjahr ein tieferes Ergebnis (-18 Prozent) ausweisen. Das dürfte erklären, weshalb die Bank hierzulande erst vor zwei Wochen einen weitgehenden Rückbau des Filialnetzes angekündigt hat, um Kosten zu sparen.

Digitalisierungspläne bleiben noch im Dunkeln

Angesprochen auf den Digitalisierungsbedarf der Bank sagte UBS-Chef Ralph Hamers in einer Telefonkonferenz mit Journalisten, die Pandemie beschleunige die Entwicklung um fünf Jahre. Zum UBS-spezifischen Erneuerungsbedarf blieb der CEO jedoch vage. Hamers war vor fünf Monaten mit dem Auftrag zur UBS gestossen, die Automatisierung und Digitalisierung der Bank voranzutreiben.

UBS in Zahlen

  in Millionen Dollar 2020 in Millionen Dollar 2019 Veränd. in Prozent
Gesamtertrag 32’390 28’889 12%
Gesamtaufwand 24’163 23’312 4%
Reingewinn 6’629 4’304 54%
Bilanzsumme 1’125’765 972’194 16%
- Eigenkapital 59’517 54’501 9%
Anzahl Mitarbeiter 71’551 68’601 4%
Dividende je Aktie 0.37 0.73 -49%

An der Telefonkonferenz sagte er nun, ein entscheidendes Erfolgskriterium sei Grösse beziehungsweise das zugrunde liegende Geschäftsvolumen. Ob er damit auch spektakuläre Fusionen oder Übernahmen meinte, nach denen UBS-Präsident Axel Weber unbestätigten Gerüchten zufolge erst vor wenigen Monaten die Fühler ausgestreckt haben soll, liess Hamers offen.

Hamers ist punkto Strafuntersuchung «zuversichtlich»

Nichts Neues sagte der Manger auch zu seiner persönlichen Situation, die mit der Anfang Januar eröffneten Strafuntersuchung der niederländischen Staatsanwaltschaft wegen mutmasslicher Verstösse gegen die Geldwäschereigesetzgebung in seiner Zeit als ING-Chef ziemlich unangenehm geworden ist. Die Frage, ob er bei Gesprächen mit wichtigen Kunden und Investoren oft auf die Situation angesprochen werde, verneinte Hamers - der Fall sei allgemein bekannt.

Wie dieser ausgehen wird, wissen auch die niederländischen Staatsanwälte noch nicht. Deren Untersuchung könnte in einem für die UBS schlechten Fall noch weit ins kommende Jahr hinaus dauern. Hamers sagte zwar, er rechne mit einem positiven Ausgang, zumal die Behörden die Vorgänge schon zweimal untersucht und keine persönliche Verantwortung des Managements gefunden hätten. Doch diese zweckoptimistische Sicht kann selbstredend weder Hamers noch dem UBS-Verwaltungsrat als zuverlässige Planungsgrundlage genügen.

Busse in Milliardenhöhe droht in Frankreich weiterhin

Unsicher bleibt auch das wirtschaftliche Umfeld. Trotz der tiefen, pandemiebedingten Rezession in allen für die UBS wichtigen Ländern sind die Rückstellungen für Kreditrisiken 2020 aber vernachlässigbar klein geblieben. Wie ein Damoklesschwert hängt auch das Rekursverfahren im französischen Steuerprozess über der Bank, das ab dem 8. März in Paris gerichtlich verhandelt wird. Die UBS wurde in erster Instanz zu Strafzahlungen für Steuervergehen im Umfang von 4,5 Milliarden Euro verurteilt. Sollte dieses Urteil bestätigt werden, sähe sich die Bank gezwungen, zusätzliche Rückstellungen in Milliardenhöhe zu bilden.

Auch deshalb will sich die UBS bei der Gewinnausschüttung an die Aktionäre mehr Flexibilität verschaffen. Die diesjährige Dividende soll auf 0,37 Dollar pro Aktien halbiert, dafür die im vergangenen Jahr sistierten Aktienrückkäufe wieder aufgenommen werden. Im Idealfall könnte die UBS in den kommenden drei Jahren Aktienrückkäufe im Umfang von 4 Milliarden Dollar vornehmen, gab das Institut an der Telefonkonferenz bekannt. Allerdings könnten diese Rückkäufe bei einer Prozessniederlage in Paris oder bei einer markanten Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfeldes sofort wieder gestoppt werden.

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