Stüpfen statt hüpfen, stricken statt smashen

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Treffen vor dem Computer statt in der Halle sind nur eine Notlösung. (Bild: dhe)

Plaudern, scherzen, lachen, einander fragen, wies geht. Wenn meine Volleyfrauen und ich uns in der Halle treffen, ist es laut, ehe das Training losgeht. Heute aber ist es so still wie nie, bevor die Pflicht ruft. Vielleicht, weil unser Date online stattfindet und wenig mit körperlicher Ertüchtigung zu tun hat. Ein Zoom-Teammeeting ist aktuell die einzige Möglichkeit, dass wir 12 Frauen uns Corona-konform als Mannschaft komplett sehen können. Nicht in Sportkleidung, sondern im Tenü légèr warten wir, nicht stummgeschaltet, aber ruhig, dass die Trainerin das Wort ergreift.

Sie fasst zusammen, was wir eigentlich wissen. Die regionale Volleyballsaison wurde per 24. Oktober 2020 abgebrochen, die Turnhallen bleiben bis März für uns geschlossen, unsere Vereins- und Team­events sind gecancelt. Kein Fondue-Essen, keine GV und wohl kein Osterlager, wo wir sonst statt Schokohasen Trainingseinheiten geniessen und mit einem halböffentlichen Fondue-Chinoise-Plausch die Vereinskasse füllen. Die Osterlager-Halle wird zum Impfzentrum – bis im Juni wird dort gestüpft statt gehüpft.

Ein Bazar statt Workouts

Während ich in all die vertrauten Gesichter schaue, die mein Bildschirm mir anzeigt, merke ich, wie sehr mir meine Mannschaft fehlt. Jede Woche sehen wir uns sonst. Wo ist nur die Zeit seit letztem Oktober geblieben? Wie weggeblasen sind meine Gedanken wie «Soll ich aus dem Verein austreten? Meine Volleykarriere beenden? Weshalb sollte ich eine Lizenz bezahlen, die ich nie gebraucht habe?» Seit jeher bin ich Team- und nicht Einzelsportlerin. Einsame Workouts in der Stube durchzuziehen, fällt mir schwer, alleine Schwitzen ist nicht dasselbe wie ein Training mit anderen. Meinen Gspänli geht es ähnlich. «Mein Turnmätteli steht bequem in einer Ecke», gibt eine zu, andere erzählen von Hula-Hoop-Übungen, richtig viel Sport macht aber gerade keine vom Team. Wir stellen stattdessen fest, dass wir neue Hobbies entdeckt haben. Wir könnten einen Marktstand machen mit Genähtem, Gehäkeltem, Naturkosmetik und Strickwaren. Vielleicht eine Idee, um die Einnahmen zu ersetzen, die fehlen, weil lukrative Helfereinsätze aufgrund von abgesagten Events ausbleiben.

Die Lizenz könnte man zurückschicken

Unser Sportverein ist trotz allem finanziell gut aufgestellt. Aber es gibt unter den rund 19 000 hierzulande andere, die in ihrer Existenz bedroht sind. Swiss Olympic sensibilisiert deshalb mit einer Kampagne, wie wichtig Mitgliederbeiträge, Solidarität und Treue sind, um Clubs zu erhalten. Damit diese nach der Corona-Krise ihren sportlichen, gesundheitlichen und gesellschaftlichen Nutzen wieder voll erbringen können. Von Swiss Volley landete eine Videobotschaft bei uns, dass die Lizenzgebühren 42 Prozent aller Einnahmen ausmachen und u.a. Geschäftsstelle, nationale Meisterschaft, Trainerausbildung und Nachwuchsförderung finanzieren. Als einziger Mannschaftssportverband kennt Swiss Volley die Reglementklausel, dass man seine ungebraucht Lizenz zurückschicken kann und das Geld retour kriegt. Viele hätten heuer das Recht dazu, weil der Saisonabbruch vor ihrem ersten Match kam. Ich hoffe, sie machen davon nicht Gebrauch. Damit unser Sport uns weiterhin fit, gesund und zufrieden halten kann.

Deshalb: Bleib im Verein! Ich jedenfalls bleibe. Schliesslich sind da noch unsere neuen Dress. Die wollten wir beim zweiten Match vor Heimpublikum einweihen. Ich kann es kaum erwarten, mein Leibchen überzustreifen. Punkten, plaudern, lachen – bald können wir das hoffentlich wieder.

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