Räuberisches Trio verübt Selbstjustiz an mutmasslichem Pädophilen

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Bezirksgericht Zofingen (Archivbild Raphael Ndler)

«Es lief alles ab wie in einem Film», sagte einer der drei Beschuldigten vor dem Bezirksgericht Zofingen. Tatsächlich könnte der Fall, über welchen das Gesamtgericht zu urteilen hatte, aus einem schlechten Krimifilm stammen. In den Hauptrollen: drei heute 22-jährige Freunde, die sich als moralische Rächer sehen, und ihr Opfer, ein 58-jähriger, mutmasslicher Pädophiler. Als Schauplatz dient eine Wohnung in der Region Zofingen. Hinzu kommen einige Alltagsgegenstände, wie ein Küchenmesser und ein Handyladekabel, die zu Tatwaffen umfunktioniert werden, und fertig ist die filmreife Geschichte. Doch der Reihe nach.

Philipp*, einer der drei beschuldigten Freunde, erfährt 2018, dass ein entfernter Verwandter angeblich ein sexuelles Verhältnis mit einem Minderjährigen unterhält. Als der Verwandte und der damals 18-jährige Philipp sich per Chat austauschen, gesteht der ältere Mann im Laufe der Unterhaltung seine pädophilen Neigungen. Philipp erzählt seinen beiden Freunden Carlos* und Matteo* davon. Gemeinsam fassen die jungen Männer einen Entschluss. «Wir wollten ihm eine Lektion erteilen», sagte Carlos vor Gericht. Philipp bietet seinem Verwandten daher ein Sexdate an. 3000 Franken verlangt er für seine sexuellen Dienste. Der Mann ist einverstanden und so verabredeten die beiden ein Treffen.

Sie fesselten ihn miteinem Handyladekabel

Am vereinbarten Abend fahren die drei Freunde zur Wohnung des Mannes. Kurz vor dem Ziel steigen Carlos und Matteo aus. Als Philipp kurze Zeit später mit seinem Verwandten im Eingang des Mehrfamilienhauses steht, greifen seine beiden Freunde ins Geschehen ein. Maskiert und bewaffnet mit einem Schlagstock respektive einem Küchenmesser, überrumpeln sie ihr Opfer und drängen es in seine Wohnung zurück. Dort zwingen sie den Mann, sich auf einen Stuhl zu setzen und fesseln ihm mit einem Ladekabel die Hände hinter dem Rücken. Während Matteo hinter dem Opfer stehen bleibt, um die Fesseln zu fixieren und den Mann mit dem Messer in Schach zu halten, machen sich Philipp, der seinen Lebensunterhalt unter anderem als Schauspieler verdient, und Carlos daran, dem mutmasslichen Pädophilen eine Moralpredigt zu halten. «Wir waren recht freundlich zu ihm», fand Carlos. Der 58-Jährige jedoch fühlte sich stark eingeschüchtert und hatte grosse Angst, wie er vor Gericht aussagte. Nach der Moralpredigt durchsuchen Philipp und Carlos die Wohnung nach Wertgegenständen. Zudem fordern sie vom Opfer die für das Sexdate vereinbarten 3000 Franken. Da der Mann das Geld nicht aushändigen kann, bietet er ihnen seine Bankkarte und den Pin-Code an. Philipp geht damit zum Bancomaten, wo er die 3000 Franken abhebt. Die drei Freunde packen alle gefundenen Wertsachen und das Geld, das sie später aufteilen, ein und verlassen den Tatort.

«Wir dachten nicht, dass er zur Polizei geht», sagte Philipp vor Gericht. Doch die Freunde täuschen sich. Ihr Opfer meldet den Vorfall. Allerdings kommen im Zuge der Ermittlungen auch die pädophilen Handlungen des Mannes ans Tageslicht. Mittlerweile läuft gegen ihn ein Strafverfahren. Vermutlich auch deshalb zeigten die drei Täter nur wenig Reue vor Gericht. Sie waren zwar alle geständig und beteuerten, dass sie heute anders handeln würden. «Es macht auch heute noch den Anschein, dass sie ihr Motiv als ehrenwert ansehen», beschrieb es Gerichtspräsident Florian Lüthy bei der Urteilsbegründung. Das Bezirksgericht sprach die drei Freunde des Raubes sowie der räuberischen Erpressung schuldig. Philipp und Carlos wurden zu 22 Monaten, Matteo zu 21 Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilt. Die Probezeit wurde auf zwei Jahre angesetzt.

* Namen geändert

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