Trotz geschlossener Cafés und Bars: Schweizer trinken weiterhin viel Kaffee – und werden dabei anspruchsvoller

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Kaffeetrinker rüsteten im Coronajahr auf: Bohnen, Mühlen, Kapseln oder Kolbenmaschinen wurden deutlich mehr verkauft. Shutterstock

Zum ersten Mal seit 2011 ging der weltweite Kaffeekonsum zurück. Das Amerikanische Landwirtschaftsministerium erwartet für das zurückliegende Kaffeejahr (Oktober 2019 bis September 2020) ein Minus von 0,5 Prozent auf 167,81 Millionen Kaffeesäcke, der gängigen Masseinheit für Kaffeebohnen (60 oder 69 Kilogramm). Der Grund ist klar: Die Pandemie übt weiterhin Druck auf die Weltwirtschaft aus und schränkt den ausserhäuslichen Konsum stark ein. In Büros und Cafés auf der ganzen Welt bleiben die Kaffeemaschinen kalt.

In der Schweiz war von diesem Rückgang allerdings nicht viel zu spüren. Die Lust auf das Koffein-Getränk scheint auch in den eigenen vier Wänden ungebrochen. Obwohl der soziale Aspekt wegfällt und der Kaffee mehr oder weniger alleine getrunken werden muss, laufen die heimischen Maschinen auf Hochtouren. Offizielle Zahlen zum Konsum gibt es zwar noch nicht, Branchenkenner sind sich aber einig: Insgesamt wurden in der Schweiz wegen Corona nicht weniger Tassen getrunken.

Kaffee als Grundnahrungsmittel oder Luxusgut

Einer, der den Kaffeemarkt täglich beobachtet, ist Bruno Feer. Er ist Einkäufer von Rohkaffee bei Delica, eine Tochtergesellschaft der Migros und nach Nespresso die zweitgrösste Rösterei der Schweiz. Er geht von einem ähnlichen Konsum wie vor Corona aus. «In anderen Ländern gilt Kaffee als Luxusgut, in der Schweiz als Grundnahrungsmittel», sagt er. «Die Coronakrise beeinflusst den Kaffeekonsum daher nicht überall gleich. Die Kaufkraft der Schweizer Konsumenten ist immer noch sehr hoch und das Produkt nach wie vor stark gefragt».

Schweizerinnen und Schweizer gehören zu den grössten Kaffeetrinkern der Welt. Im Jahr 2019 wurden hierzulande durchschnittlich 1084 Tassen Kaffee pro Person getrunken, was knapp 3 Tassen pro Tag sind. Das zeigen Zahlen des Branchenverbands Cafetier Suisse. Damit bewegt sich die Schweiz weiterhin an der Weltspitze. Weit oben sind etwa auch Norwegen (1226 Tassen), Deutschland (1028 Tassen) und Österreich (1057). Auch in diesen Ländern ist der Kaffeekonsum im Coronajahr nach Angaben von Branchenverbänden etwa gleich hoch geblieben.

Schweizer decken sich mit Kaffeemaschinen ein

Die Verlagerung der «Kaffeestunde» vom Bistro ins Wohnzimmer hat derweil zu einem Verkaufsboom von Kaffeemaschinen geführt: Bei Digitec Galaxus, dem grössten Schweizer Onlinehändler und einer Migros-Tochter, ist der Umsatz mit Kaffee, Tee und dazugehörigen Geräten 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 59 Prozent gestiegen. Am stärksten zugenommen habe der Verkauf von Kapseln (versiebenfacht) und Bohnen (verfünffacht).

Interessant ist auch der Blick auf die Maschinen. Die Zahlen von Digitec Galaxus legen den Schluss nahe, dass Schweizerinnen und Schweizer anspruchsvoller geworden sind. Am meisten verkauft wurden nämlich eher teurere und zeitintensive Geräte: Espressokannen (Caffettiera/Moka, +168%), Kaffeemühlen (+134%), Kapselmaschinen (+137%) oder Siebträgermaschinen (+117%), besser bekannt als Kolbenmaschinen. Der Verkauf von Kaffeevollautomaten stieg zwar ebenfalls an, mit +67 Prozent aber deutlich geringer.

Gastronomen müssen sich noch mehr Mühe geben

«Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer wollen qualitativ hochwertigen Kaffee trinken und setzen sich mit dem Produkt und der Zubereitung von Kaffee auseinander», sagt denn auch Julian Graf. Er ist Geschäftsführer des Verbands Cafetier Suisse. Seiner Meinung nach wird sich dies auch in der Gastronomie widerspiegeln – sobald denn wieder Gäste empfangen werden dürfen. «Kunden werden im Restaurant die gleiche Topqualität erwarten, die sie von zu Hause aus kennen. Diese Entwicklung gibt es seit Jahren und wird jetzt – wie so vieles – von der Coronapandemie beschleunigt.»

Obwohl unter dem Strich also weiterhin viel Kaffee getrunken wird, profitieren nicht alle Röstereien gleich. Delica, deren Produkte aufgrund der Zugehörigkeit zur Migros vor allem in Ladenregalen stehen, hat ein gutes Jahr hinter sich. Röstereien wie Blaser (BE), Rast Kaffee oder Hochstrasser (beide LU), beliefern jedoch eher die Gastronomie und bekommen die Krise dementsprechend ebenfalls zu spüren. Einige Röstereien mussten deshalb ebenfalls Kurzarbeit anmelden.

Nespresso, die mit Abstand grösste Rösterei in der Schweiz, gibt auf Anfrage keine Zahlen bekannt. Der Mutterkonzern Nestlé werde die Jahresergebnisse erst Mitte Februar veröffentlichen.

Preis für Kaffeebohnen ist seit Jahren tief

Ein Vorteil für die Röstereien hingegen ist, dass Kaffeebohnen seit mehreren Jahren vergleichsweise günstig sind. Vor zehn Jahren war der Preis abgestürzt. In der Folge wuchs der wirtschaftliche Druck auf die Kaffeepflanzer, noch billiger zu produzieren. Seitdem hat sich der Preis, der an der Börse gebildet wird, ein wenig erholt – auch, weil nicht alle Bauern den Preissturz überlebten und sich die Anbaufläche verkleinerte.

Wegen des Produktionsüberschusses in den zurückliegenden beiden Kaffeejahren ist eine weitere Preiserholung derzeit nicht in Sicht. Dennoch könnte der Preis für eine Tasse Kaffee wegen der Pandemie steigen. Um Umsatzrückgänge aufzufangen, könnte es in der Gastronomie laut Cafetier Suisse teils zu Preiserhöhungen kommen.

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