Regierungsrat Dieter Egli: «Die Angst ist immer noch da, dass GE nicht nachhaltig agiert»

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Der neue Volkswirtschaftsdirektor Dieter Egli (SP): Kaum im Amt, schon mit Stellenabbau bei General Electrics konfrontiert (Bild aufgenommen am 31. Dezember 2020). Alex Spichale

Die schlechte Nachricht: Der US-Konzern General Electric (GE) baut im Kanton Aargau weitere 429 Stellen ab; 374 davon am Standort Oberentfelden, 55 Stellen in Baden.

Die gute Nachricht: 140 Stellen bleiben erhalten. Davon 119 in Oberentfelden; dort soll ein globales Kompetenzzentrum für Module von Windkraftwerken aufgebaut werden.

GE baut im Aargau 429 Stellen ab, aber 140 bleiben erhalten. Ist das Glas nun halb voll oder halb leer?

Dieter Egli: Über das Ausmass des Abbaus bin ich enttäuscht. Es ist zwar erfreulich, dass man im Konsultatsionsverfahren noch etwas rausholen und einige Stellen retten konnte. Aber grundsätzlich ist es ein herber Rückschlag für den Wirtschaftsstandort Aargau – und eine Tragödie für die Betroffenen.

GE hat den Stellenabbau nicht von sich aus kommuniziert. Wurden Sie als Volkswirtschaftsdirektor von einem GE-Manager direkt informiert?

Wir haben die Information über den offiziellen Weg erhalten. GE hat das Amt für Wirtschaft und Arbeit nach Abschluss des Konsultationsverfahrens mit den Sozialpartnern informiert.

Ihr Vorgänger Urs Hofmann war zusammen mit Bundesrat Guy Parmelin mit GE letzten Herbst noch in Verhandlungen. Waren Sie in Ihren ersten Wochen im Amt dieses Jahr auch noch involviert?

Ja, ich hatte selber auch noch Kontakt und Gespräche.

Worum ging es da noch?

Bei globalen Unternehmen wie GE dreht es sich immer um die Frage, an welchem Standort was hergestellt wird, wo die besten Bedingungen sind. Es ist ein Seilziehen, und meist werden die Entscheide letztlich nicht in der Schweiz gefällt, sondern in Paris oder am Hauptsitz in den USA.

Was sprach für den Aargau?

GE hat schon gemerkt, was sie am Knowhow in der Schweiz haben. Das ist auch ein Grund, warum ein Teil der Stellen nun doch bei uns bleibt und der Entscheid nicht mehr so einseitig herausgekommen ist wie noch im September, als GE alles abbauen wollte.

Als SP-Fraktionsschef und Gewerkschafter kritisierten Sie GE scharf, der Konzern agiere kopflos, nach einem perfiden Plan und wolle den Schweizer Standort als Cash Cow abschöpfen. Waren diese Worte dem Gewerkschaftsjargon geschuldet oder sehen Sie das in der Sache auch als Volkswirtschaftsdirektor noch so?

Diese Angst ist immer noch da. Gerade bei den Standorten Oberentfelden und Birr teilt der Regierungsrat die Sorge der Arbeitnehmerorganisationen, dass GE nicht wirklich nachhaltig agiert.

Die Entlassenen landen schliesslich beim RAV und damit beim Kanton. Wie beurteilen Sie die soziale Verantwortung von GE?

GE hat sich bisher immer bemüht um Jobvermittlung und Nachfolgelösungen. Aber es ist schon so: Die Hochqualifizierten finden schnell wieder etwas, aber für die Fachmitarbeitenden, die wegen der Produktionsverlagerung entlassen werden, ist es schwieriger.

Sie fordern als Regierungsrat von GE, die Standorte Oberentfelden und Birr nun zu behalten und nicht weiter abzubauen. Ist das ein frommer Wunsch oder gibt es Zusicherungen?

Verbindliche Sicherheiten gibt es nicht. Das ist eine endlose Geschichte, bei der Standorte immer wieder hinterfragt werden und die Geschäftspolitik angepasst wird. Aber wir nehmen zur Kenntnis, dass GE mit den Windturbinen hier im Aargau auf erneuerbare Energie setzt. Das ist ein bedeutender Zukunftsmarkt.

«Salamitaktik » oder Chronologie eines Jobabbaus

Gewerkschaften und Parteien warfen General Electric immer wieder «Salamitaktik» vor bei ihrem Jobabbau im Aargau. Fakt ist, die Abbaupläne änderten immer wieder in den letzten Jahren.

Januar 2016: GE kündigt den Abbau von 1300 Stellen an den Aargauer Standorten an: in Baden, Birr, Turgi und Oberentfelden. Einige Monate hiess es, es werden nur 900 Jobs gestrichen und dafür 170 neue geschaffen.

Juli 2017: In Birr fallen weitere 100 Stellen weg.

Dezember 2017: GE will weitere 1400 Stellen im Aargau streichen.

Juni 2018: GE kündigt an, dass in Oberentfelden 50 Jobs gestrichen würden. Die restlichen 500 würden im Frühling 2019 nach Birr verlegt, der Standort Oberentfelden werde aufgehoben.

Februar 2020: GE meldet, das Werk in Oberentfelden sei voll ausgelastet und werde doch nicht geschlossen, die Arbeitsplätze würden daher noch nicht nach Birr verlegt.

Juli 2020: Wieder eine Neuausrichtung von GE: Den Mitarbeitenden wird in Aussicht gestellt, mit ihrem Job nach Birr zu wechseln.

September 2020: GE informiert, 436 Stellen in Oberentfelden werden wergfallen un nicht nach Birr, sondern ins Ausland verlagert.

Februar 2021: 374 Stellen fallen in Oberentfelden definitiv weg. 119 bleiben. In Baden werden 55 weitere Stellen gestrichen. Die Zahlen hat der Regierungsrat kommuniziert. GE hat dazu (bisher) keine Medienmitteilung veröffentlicht.

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